Pachtvertrag ausgelaufen

Kurhaus will sich wegen «negativer Gästerückmeldungen» von Pächter distanzieren

Die Besitzer des Kurhauses geben an, dass es vermehrte und negative Rückmeldungen von Gästen gab.

Die Besitzer des Kurhauses geben an, dass es vermehrte und negative Rückmeldungen von Gästen gab.

Die Besitzerin des Kurhauses Weissenstein verlängert den Pachtvertrag mit Samuel Kappeler nicht. Er hatte mit seiner Kappeler Gastro AG am 1. Mai 2014 die Pacht übernommen. Kappeler hat allen 28 Angestellten gekündigt.

Es ist eine bittere Nachricht, die die 28 Fest- und Teilzeitangestellten im Kurhaus Weissenstein am Sonntagnachmittag erhalten haben. Aus dem Berner Oberland reiste Pächter Samuel Kappeler am Nachmittag an. Und während das Kurhaus ausnahmsweise geschlossen blieb, teilte er ihnen mit, dass sie ihre Stelle verlieren werden. Denn auf Ende April ist Schluss mit Kappelers Pacht.

Die Besitzerin des Kurhauses Weissenstein, die Hotel Weissenstein AG, will den auslaufenden Vertrag mit Kappeler nicht mehr verlängern. Dies haben am Mittwoch mehrere voneinander unabhängige Quellen dieser Zeitung bestätigt. Darauf angesprochen hat es die Hotel Weissenstein AG in einer Medienmitteilung offiziell bestätigt.

Fixer Restaurant-Betrieb einstellen

Am 22. April wird das Kurhaus unter Kappeler letztmals geöffnet haben. Was danach geschieht, ist ungewiss. Es ist nicht einmal klar, ob das Kurhaus im Sommer überhaupt noch geöffnet haben wird.

Ein «fixes gastronomisches Angebot» soll es laut der Hotel Weissenstein AG erst Anfang 2019 wieder geben, wenn die Panorama-Halle eröffnet wird. In der Zwischenzeit sei man bestrebt, «den Gästen ein kulinarisches Angebot durch externe Lieferanten anbieten zu können». Wie genau das Angebot aussehen könnte, wird derzeit abgeklärt.

«Rücksichtsloses Handeln»

In einem Brief, den Kappeler seinen Mitarbeitenden verteilt hat und der dieser Zeitung vorliegt, entschuldigt sich der Arbeitgeber bei seinen Angestellten. Für ihn sei das Ende der Pacht «völlig unerwartet» gekommen. Er bezeichnet das Handeln der Kurhaus-Besitzer als «rücksichtslos» und «kurzfristig». 

28 Kündigungen – die Frist beträgt im Gastgewerbe einen Monat – sind ausgesprochen worden. Man werde in den kommenden Wochen mit jedem Mitarbeiter die weitere Ausgangslage anschauen, sagt Kappeler, der unter der Dachmarke Hüttenzauber rund ein Dutzend Berggastbetriebe, vornehmlich im Berner Oberland, betreibt. Sieben Personen hätten eine neue Stelle im Unternehmen, so Kappeler.

«Klar vom Betrieb distanzieren»

Die Hotel Weissenstein AG sieht die Schuld bei Samuel Kappeler und seiner Firma Hüttenzauber. «Aufgrund der vermehrten und zunehmend negativen Gästerückmeldungen in Bezug auf die gebotene gastronomische Qualität der Kappeler Gastro AG möchte sich die Hotel Weissenstein AG klar von dem Betrieb distanzieren», heisst es in der Mitteilung. «Die Hotel Weissenstein AG wird ein gastronomisches Konzept anbieten, welches sich durch sehr gute Qualität, freundlichen und zuvorkommenden Service und motivierte Mitarbeiter auszeichnet. Es wird eine Mitarbeiterpolitik geführt, bei der alle Mitarbeiter gleich und fair behandelt werden. Die Kommunikation auf Augenhöhe und ein respektvoller Umgang untereinander bieten die Grundlage dafür und sollen für ein motivierendes und produktives Arbeitsumfeld sorgen.»

Schliesslich habe man, um Schäden am eigenen Ruf abzuwenden, die Reissleine ziehen müssen. Damit dürfte die Hotel Weissenstein AG auf Vorwürfe anspielen, die Kappeler kürzlich gemacht wurden.  

Noch keine Kenntnisse über die Vorgänge auf dem Berg hat das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit, auch wenn dieses bei Massenentlassungen mit über 20 Betroffenen kontaktiert werden müsste. Man sei bisher nicht informiert worden, erklärt Amtschef Jonas Motschi auf Anfrage. (lfl)

Der aktuelle Kurhaus-Pächter Samuel Kappeler über das Geschäft auf dem Weissenstein

Kurhaus-Pächter Samuel Kappeler im Februar 2015 über das Geschäft auf dem Weissenstein

   

Meistgesehen

Artboard 1