Seit einiger Zeit kümmert sich die Richard-Flury-Stiftung mit ihrem Stiftungsratspräsidenten Ulrich Lips um den Nachlass und das Andenken des international anerkannten Solothurner Komponisten. So wurden 2017, zum 50. Todesjahr, an mehreren Konzerten in Solothurn und in Biberist Werke von Flury wieder aufgeführt; zudem erschien eine Biografie über das Leben des Solothurner Spätromantikers in Englisch sowie in einer gekürzten Fassung in Deutsch.

«Mich hat es eigentlich nicht gross erstaunt, dass das Kuratorium für Kulturförderung unsere Anfrage um finanzielle Unterstützung der jetzt erschienenen CD abgelehnt hat», sagt ein ernüchterter Ulrich Lips. «Denn auch schon unser Antrag auf Unterstützung zur Biografie 2017 wurde abschlägig beschieden. Wahrscheinlich hat man beim Kuratorium etwas gegen Richard Flury», meint er etwas provokativ.

Dass eine in englischer Sprache erschienene Biografie vom Lotteriefonds des Kantons nicht finanziell unterstützt wird, kann ja noch nachvollzogen werden. Dass aber eine CD mit einer Oper des bedeutenden Komponisten, die 1928 beim Städtebundtheater Solothurn uraufgeführt wurde, und die seither nie mehr zu hören war, nicht unterstützt wird, erstaunt doch zumindest. «Die ganze Produktion kostete 68'000 Franken», erklärt Lips. Man habe beim Kuratorium um einen Betrag von 20'000 Franken nachgefragt. Wir wären aber auch mit weniger zufrieden gewesen», sagt er noch. «Die Däster-Schild-Stiftung und die Stadt Solothurn haben uns freundlicherweise unterstützt. Den Löwenanteil der Produktionskosten trägt aber der Sohn von Richard Flury, Urs Joseph Flury.»

Er, dem selbst als Musiker, Dirigent und Komponisten 2016 der Kunstpreis des Kantons Solothurn zugesprochen wurde, finanziert dies aus dem Verkauf von geerbtem Bauland, weiss Lips. «Urs Joseph Flury, der selbst schon 78 Jahre alt ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die wichtigsten Teile aus dem Werk seines Vaters der Nachwelt zugänglich zu machen. Er ist die einzige Person, welcher dieses Werk richtig einzuordnen versteht.» Das sei ein Glücksfall für Richard Flurys Nachlass, meint Lips.

Kanton Tessin unterstützt

Bei der jetzt erschienenen CD handelt es sich um den Opern-Einakter «Eine florentinische Tragödie», die Flury nach einer Erzählung von Oscar Wilde komponiert hat. Wie erwähnt, wurde sie im Entstehungsjahr 1928 am damaligen Städtebundtheater Biel Solothurn uraufgeführt. «Es ist Musik im Stile einer ‹Salome› von Richard Strauss», sagt Lips darüber. Eingespielt wurde das Werk mit den Nürnberger Symphonikern unter der Leitung von Paul Mann und mit drei Gesangs-Solisten.

Noch dieses Jahr werde eine weitere Flury-Oper, «Casanova e l’Albertolli» mit dem Orchestra della Svizzers italiana vom Radio Lugano aufgenommen und produziert. Das werde eine weitere CD geben, die dann auch vom Kanton Tessin unterstützt wird, so Lips.