Die Geschichte vom Essen und Trinken ist so alt wie die Menschheit selbst. Funde aus dem Kanton Solothurn belegen, dass schon vor mindestens 80'000 Jahren in unserer Gegend gekocht wurde. Die Spuren der kulinarischen Vergangenheit im Gebiet des heutigen Kantons Solothurn sind sehr vielseitig.

Das Repertoire reicht von jahrtausendealten Jagdwaffen und Schneidewerkzeugen aus Feuerstein über jahrhundertealte Kochtöpfe bis zu 300jährigen Kirschkernen. Dies alles dokumentiert die Ausstellung «Wer is(s)t denn da?», die als Ganzes bis vor kurzem im Naturmuseum Solothurn zu sehen war.

Ausstellung auf Wanderschaft

Von heute Freitag zum 9. Juli sind Teile der Schau neu zusammengestellt im Foyer des Schulhaus Aeschi zu sehen. Es handelt sich insbesondere um Fundstücke, die Jahrtausende lang im feuchten Boden am Ostufer des Burgäschisees schlummerten. Nun sind sie für kurze Zeit wieder an ihrem «Ursprungsort» zu sehen.

«Ich finde es sehr schön, dass die Funde von hier den jetzigen Bewohnern gezeigt werden können», sagt Karin Zuberbühler, die Kuratorin des Archäologischen Museums Kanton Solothurn. Sie hat zusammen mit ihrem Team die Ausstellung «Wer is(s)t denn da?» konzipiert und stellt diese während sie auf Reisen geht, immer wieder dem jeweiligen Ort und Epoche entsprechend neu zusammen.

«Wir konnten neben Primarschulklassen auch ältere Gewerbeschüler, insbesondere aus dem Gastrobereich durch die Gesamtausstellung im Solothurner Naturmuseum und vorher bereits in Olten führen», freut sich Zuberbühler. Über das Thema Steinzeiternährung oder Paläo-Diät wird derzeit tatsächlich viel geschrieben. «Wir trafen da wohl einen Nerv der Zeit.»

Die Jungsteinzeit in Aeschi

In Aeschi wird das Hauptgewicht der Ausstellung auf die Jungsteinzeit gelegt. Am Ufer des Burgäschisees sind bei Ausgrabungen Hunderte Scherben von Koch- und Essgeschirr zum Vorschein gekommen, welches die Dorfbewohner dort vor rund 6000 Jahren hergestellt und benutzt hatten.

Dank der archäologischen Forschung im In- und Ausland weiss man heute einiges über die Ernährung der Menschen in der Jungsteinzeit. Die Menschen waren in Dorfgemeinschaften sesshaft und bauten Feldfrüchte an und züchteten Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine. Sie mahlten Korn und stellten ihr Brot her. Häufig assen sie Eintopfgerichte und Brei, wobei Fleisch wohl eher selten in den Topf gelangte.

Das Glanzstück in Aeschi

Um dieses Alltagsleben zu verdeutlichen, ist in der Ausstellung ein «Küchenkasten» zu sehen, in welchem die verschiedenen Töpfe und Schüsseln gezeigt werden. Einige sind als Nachbau vorhanden und deshalb auch gerne in die Hand zu nehmen.

Auf dem sogenannten «Epochenmöbel» sind auf bedruckten Tischsets interessante Informationen über die entsprechende Epoche nachzulesen. Auf den Tischsets sind auch Rezepte aus der Jungsteinzeit zu finden. Da kochte man beispielsweise eine dicke Emmerschrotsuppe und trank ein Einkorn-Malzbier mit Mädesüss. Highlight der Ausstellung in Aeschi ist der grosse Anglerhaken aus Knochen, der beweist, dass die damaligen Bewohner der Gegend gegen einen schönen grossen Fisch, beispielsweise einen Hecht, nichts einzuwenden hatten.

Am Ostufer des Burgäschi-Sees, dort wo heute das Strandbad liegt, brachte im Jahr 1944 eine archäologische Grabung die Reste eines Dorfes aus der Jungsteinzeit zu Tage. Holzpfähle von Häusern, Feuerstellen, Scherben von Keramikgefässen, Steinbeile, sowie Geräte aus Silex, Knochen und Geweihen kamen zum Vorschein. Es wurde festgestellt, dass es rund um den See während dieser Menschheitsepoche mindestens vier Dörfer gab.

Über hundert Fundstellen in sechs Ländern bilden zusammen das Weltkulturerbe «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen» der Unesco. Die Siedlungen am Inkwiler- und am Burgäschisee auf der solothurnisch-bernischen Grenze sind Teil davon.

Ausstellung in Aeschi bis 9. Juli. Mo–Fr 8-18 Uhr; Sa 9–11 Uhr. Am Mittwoch, 3. Mai 18 Uhr Vortrag zur Ausstellung «Über das Leben am Burgäschisee vor 6000 Jahren» von Christoph Lötscher mit steinzeitlichem Apéro im Gemeindesaal Schulhausstr. 12, Aeschi.