Mehrere Tonnen Kupfer abtransportiert, eine gesamthafte Schadensbilanz von weit über 100 000 Franken: Die Nordwestschweiz war am vergangenen Wochenende ein wahres Eldorado für Kupferdiebe – zumindest, wenn man die Polizeimeldungen der Kantone Baselland, Aargau und Solothurn aus den letzten 48 Stunden zusammenfasst.

In Muttenz machte eine unbekannte Täterschaft besonders reiche Beute. Wie die Polizei Basel-Landschaft gestern Nachmittag mitteilte, drangen die Diebe in die Lagerhalle einer Metallhandelsfirma an der Froburgerstrasse ein und stahlen rund sieben Tonnen Kupfer-Nickel-Abfälle.

Nachdem die Täter zuerst einen Werkstattraum, danach ein Hallen- und Zauntor aufgebrochen hatten, fuhren sie mit einem Transportfahrzeug in die Halle und luden dort das Metall mit einem Stapler auf. Laut Polizei muss sich die Tat zwischen vergangenem Freitag, 17.30 Uhr, und Montag, 7.25 Uhr, zugetragen haben. Bereits in der Vorwoche hatte die Polizei in Pratteln einen ähnliche Diebstahl registriert: Dort hatten Unbekannte rund sieben Tonnen Kupferkabel aus der Lagerhalle eines Altmetallhandels gestohlen.

Nicht minder erfolgreich gingen unbekannte Täter im solothurnischen Balsthal ans Werk. Dort drangen sie am Wochenende in die Lagerhalle der Firma BKS Stromschienen AG ein und liessen mehrere Tonnen Kupferschienen mitgehen. Der Wert des Beutezugs betrug mehrere 10 000 Franken, wie die Solothurner Kantonspolizei gestern mitteilte.

In Sisseln im Fricktal schliesslich transportierten Unbekannte aus mehreren Lagerhallen an der Hauptstrasse Kupferkabel im Wert von zusammen rund 25 000 Franken ab. Dabei richteten sie gleichzeitig einen Sachschaden von 10 000 Franken an, wie die Aargauer Kantonspolizei ebenfalls gestern mitteilte. Das Personal entdeckte den Diebstahl bei Arbeitsbeginn am Montagmorgen.

In Muri AG dagegen mussten die Kupferdiebe am Wochenende ohne Beute abziehen. Auf einer Baustelle hatten sie mehrere dicke Stromkabel in Stücke geschnitten und zum Abtransport bereit gelegt, doch gelang ihnen nicht mehr, diese auch fortzuschaffen. Wodurch sie bei ihrem Diebstahl gestört worden waren, blieb gestern noch unklar. Die Aargauer Polizei schätzt den Sachschaden auf 15 000 Franken.

Inwiefern zwischen den einzelnen Diebstählen ein Zusammenhang besteht, blieb gestern noch völlig offen. «Natürlich überprüfen wir, ob da jeweils die gleichen Täter am Werk gewesen sein könnten», sagte Thalia Schweizer, Sprecherin der Solothurner Kantonspolizei. «Dies ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.»

In den Fällen von Sisseln und Muri ging die Aargauer Polizei eher «von verschiedenen Einbrecherbanden» aus, während die Baselbieter Polizei gestern vor allem die Überprüfung möglicher Verbindungen zwischen den Diebstählen in Muttenz und Pratteln ankündigte.

Überrascht über die Häufung ähnlicher Delikte an einem einzigen Wochenende innerhalb desselben geografischen Raums zeigte sich jedenfalls keine der angefragten Polizeien. «Mit diesem Phänomen schlagen wir uns schon seit Wochen und Monaten rum», erläuterte Adjutant Roland Pfister von der Aargauer Kantonspolizei, «bei geringeren Deliktsummen vermelden wir die einzelnen Diebstähle schon gar nicht mehr.»

Geklaut werde alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wobei Baustellen und Altmetallhändler bevorzugte Ziele der Diebesbanden darstellten. «Die Altmetallhändler schliessen die Ware ja auch nie ein und lassen diese bei sich einfach herumliegen», tadelte Pfister die Händler und mahnte zu verstärkter Vorsicht.

Rumänen gingen ins Netz

Als mutmassliche Täter nannte die Aargauer Polizei dieselben Gruppen, die wohl hauptsächlich die Welle an Einbruchsdiebstählen in der Nordwestschweiz zu verantworten haben: rumänische Banden, meist aus dem Elsass operierend, mit französischen oder deutschen Kennzeichen an ihren Fahrzeugen; oft auch aus dem Umfeld Fahrender, wie Pfister ergänzte.

Erst in der Nacht auf gestern Montag wurden bei Büttikon AG vier Rumänen verhaftet, die sich in einem Gebüsch vor der Polizei versteckt hatten und laut Polizei mit den Kupferdiebstählen etwas zu tun haben könnten. Derweil gingen der Solothurner Kantonspolizei am Sonntagabend auf einem Firmenareal in Oensingen ein Kosovare und Serbe ins Netz, die ihren Wagen mit gestohlenen Kupferteilen beladen hatten.