Preisverleihung

Kunstpreisträger Daniel Schwartz: «Ich bin kein Krieger, wenn ich fotografiere»

Der Fotograf Daniel Schwartz erhält den kantonalen Kunstpreis 2019.

«Oft sehen Fotografen aus wie Krieger. Sie tragen Gilets mit tausend Taschen. Sehen Soldaten zum Verwechseln ähnlich und benehmen sich auch so. Gehen in Deckung, schiessen Bilder. Ich finde das nicht gut. Ich bin kein Krieger, wenn ich fotografiere.» Nein, ein Krieger ist Daniel Schwartz nicht – er ist das Gegenteil, er ist ein Mann des Friedens, ein Mann der Vermittlung. Bildarbeit bedeutet für Daniel Schwartz: Teilnahme an dem, was stattfindet. Er lernt Land und Leute kennen, tauscht sich aus mit ihnen, dann erst macht er die Bilder. Er schreibt sie, denn Fotografie heisst Lichtschrift. Und so sind seine Bilder: mit Licht geschriebene Geschichten. Sein Hauptwerkzeug, die Hasselblad-Kamera, symbolisiert die Haltung, den Demut und Respekt von Daniel Schwartz: Der Fotograf muss von oben auf den Sucher schauen. Er verbeugt sich vor dem Aufzunehmenden.

Chinesische Mauer

Daniel Schwartz wurde 1955 in Olten geboren und studierte von 1977 bis 1980 Fotografie an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich. Nach dem Studium dokumentierte er 1987 über Monate die Architektur der Grossen Mauer in China. Als er wegen Spionageverdacht wochenlang unter Hausarrest stand und schliesslich freigelassen wurde, kehrte er zurück zur Mauer und fotografierte weiter. Daniel Schwartz nimmt für seine Bilder lange, qualvolle Reisen und Strapazen auf sich. Seit den 90er-Jahren fokussiert er sich auf Afghanistan und Zentralasien. Unterschiedlichste internationale Interessen sorgen hier für Krieg, Verwüstung und Vertreibung. Daniel Schwartz besucht Gegenden und Menschen, wo sich die internationalen Fotoreporter nicht hintrauen. Auch deshalb sind seine Bilder anders. Sie sind Ausdruck von Hoffnung, Sehnsucht und Schmerz.

Es entstanden Bildbände, darunter «The Great Wall of China», «Delta. Wasser, Macht und Wachstum in Asien» und «Schnee in Samarkand. Ein Reisebericht aus dreitausend Jahren». Ausstellungen seiner Bilder fanden in Solothurn, aber unter anderem auch in Philadelphia, New York, Tokyo, London, Madrid, Mailand, Hamburg und München statt. Seine Bilder finden sich in Sammlungen internationaler Häuser wie dem renommierten Museum of Modern Art in San Francisco und dem Istituto di Storia dell'Arte del Centro Studi e Archivio della Communicazione dell Università di Parma – und ebenso im Kunstmuseum Solothurn.

Klimaveränderung

Seine letzte Arbeit ist von betörender Schönheit, gebrochen vom Schmerz der Zerstörung: Daniel Schwartz fotografierte Gletscher auf vier Kontinenten und zeigt, wie als Folge der Klimaerwärmung ihre Grösse schmilzt. Gletscher als Metapher für das Gedächtnis, meint Daniel Schwartz, denn sie speichern unter anderem Erinnerungen. Seine Bilder sind eine Mischung aus naturwissenschaftlicher Betrachtung und kunstvoller Perspektive. Zuletzt sah man Daniel Schwartz auf der anderen Seite einer Kamera, und zwar in einem Dokumentarfilm, der 2018 an den Solothurner Filmtagen uraufgeführt wurde. Er liess sich bei seiner fotografischen Arbeit filmen und wir erleben, wie aufwändig er um ein einzelnes Bild ringt. Daniel Schwarz arbeitet analog mit Negativmaterialien. Analoge Bilder brauchen Zeit. Daniel Schwartz braucht diese Zeit, um sich seiner Eindrücke bewusst zu werden. Es ist eine andere Art der Fotografie, eine andere Art der Bilderwelt. Es ist das Erschaffen von Gültigkeit über den gegenwärtigen Augenblick hinaus.

Für seine langjährige, vielseitige Arbeit als Fotograf erhält Daniel Schwartz den Kunstpreis 2019. (mgt)

Preisträger der Fachpreise

Nebst dem Kunstpreis von Daniel Schwartz erhalten neun weitere Künstlerinnen und Künstler einen Fachpreis.

  • Preis für Musik: Bait Jaffe Klezmer Orchestra, Musikensemble
  • Preis für Malerei: Verena Baumann, Malerin
  • Preis für Literatur: Felix Epper, Autor
  • Preis für bildende Kunst: Theres Eugster-Keller und Samuel Eugster-Keller, Kunstschaffende
  • Preis für Musik: Barbara Gasser, Cellistin
  • Preis für Malerei: Bruno Seitz, Maler
  • Preis für Kulturförderung: Uhuru Verein zur Förderung von Weltmusik
  • Preis für Theater: Käthi Vögeli, Regisseurin und Theaterpädagogin
  • Annerkennungspreis: Ruth Grossenbacher, Alt Nationalrätin

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