Kunstmuseum Olten
Im Spannungsfeld zwischen Architektur, Kunst und den Möglichkeiten der Fotografie: Fotoausstellung zeigt die Architektur des Lebens

Im Kunstmuseum Olten sind Fotoarbeiten von zwei herausragenden Kunstschaffenden zu sehen: dem Fotografen Iwan Baan und der Künstlerin Daniela Keiser.

Vanessa Simili
Drucken
Teilen
Werk des niederländischen Architekturfotografen Iwan Baan.

Werk des niederländischen Architekturfotografen Iwan Baan.

Zvg

Innerhalb der Trias Fotografie – Kunst – Architektur bewegt sich die aktuelle Ausstellung im Kunstmuseum Olten. Im Erdgeschoss sind acht Werke des niederländischen Architekturfotografen Iwan Baan zu sehen, eines davon als sogenannte Lightbox, präsentiert vor dem grossen Fenster zur Marktgasse. «Lightbox» nennt sich die als schmale Box konzipierte Fotografie, für welche ein Foto auf ein spezifisches Textil gedruckt wird, um dann über einen Led-Lichtkasten gespannt zu werden. Fragmentarisch und einem barocken Stillleben ähnlich sind Elemente von Architektur zu sehen.

Die an der Wand hängenden Fotografien hingegen, ohne Rahmen und ohne Glas präsentiert, zeigen Lehmbauten. Es sind Fotografien, die Architektur zeigen als eine für den Menschen erbaute, vom Menschen genutzte und belebte. Entscheidend dabei: Das Spiel von Licht und Schatten. Iwan Baan arbeitet viel für den Architekten Francis Kéré, der sich heute für nachhaltiges Bauen interessiert. Selber in einem kleinen Dorf in Burkina Faso aufgewachsen, beeinflussen die traditionellen Lehmbauten und der Umgang mit Licht im Raum auch seine eigene Architektur.

«Tagsüber begegnet man einander im Schatten, sobald es eindunkelt, geben die Lichtquellen vor, wo Gemeinschaft stattfindet»,

so Kuratorin Katja Herlach. Das Licht als Orientierung. Für den Einzelnen, aber auch für das Leben in der Gemeinschaft. Es seien vor allem Kochstellen und Lagerräume, in denen Nahrungsmittel aufbewahrt sind, die durch Öffnungen in Decke und Wänden ausgeleuchtet werden, ergänzt Leiterin Dorothee Messmer. Diese Aspekte von Licht und Schatten, von hell und dunkel, werden in der Ausstellungsszenografie aufgenommen.

Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Mediums Fotografie

Im ersten Stock sind denn die ersten zwei Räume maximal verdunkelt, sogar ein dunkler Teppich verändert den musealen Hall. Die sinnliche Wahrnehmung. Die einzigen Lichtquellen sind hier die Lightboxes. Sie zeigen Situationen im inneren von Lehmhütten: Kochstellen, Maueröffnungen, die als Lichtschacht fungieren, aber auch ein Dorfplatz bei Nacht, Menschen am Fusse eines Baumes sitzend, ein mächtiger Baum als Silhouette am Abendhimmel.

Ein Raum weiter: In der Helligkeit des Tages sind Fotografien zu sehen, auch hier nur mit Nägeln an die Wand gepinnt: Dörfer aus der Vogelperspektive, vom Helikopter aus aufgenommen. Im Hinblick auf die Menschheitsgeschichte architektonisch ursprünglich anmutend. Wie weit entfernt davon das heutige städtische Dasein.

Zurück im Erdgeschoss kontrastieren die Arbeiten der Künstlerin und Meret-Oppenheim-Preisträgerin Daniela Keiser. Aber nicht nur. Ihre drei raumfüllenden, installativen Werke nehmen Fotografien als Ausgangspunkt. In den zwei kleineren Sälen sind mit dem 77-teiligen «Happy Birthday», 2017, und «Cyanogarten 5», 2017/2021, 65-teilig, zwei Werke zu sehen, die mit der Cyanotypie als Technik entstanden sind und dadurch eine ganz eigene Ästhetik entwickeln. Sie überführen die zugrunde liegenden Fotografien im weitesten Sinne in eine Thematik von Architektur und Raumnutzung. Sie sind auch eine Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Mediums Fotografie.

Fotoinstallation von Daniela Keiser - Heliogravure auf Büttenpapier.

Fotoinstallation von Daniela Keiser - Heliogravure auf Büttenpapier.

Zvg

Insbesondere die 153-teilige Fotoinstallation «Library-Idea-Store», 2017-2018/2020, entstanden in London während ihres Atelierstipendiums der Landis&Gyr-Stiftung, nimmt die Fragestellungen rund um Architektur sehr explizit auf. Als Betrachterin nimmt man den beobachtenden Standpunkt der Kamera – hier einer Handykamera – ein und blickt aus einem Gebäude heraus auf drei Grossstadt-Situationen, tagebuchartig und notizhaft festgehalten. Dass man sich dabei im Bibliotheksgebäude befindet, gebaut von Sir David Adjay an der Whitechapel Road in London, verrät die dazugehörige Publikation «London-Being in the Library», mit einem Gespräch zwischen Philip Ursprung, Professor für Kunst- und Architekturgeschichte an der ETH Zürich, und dem Londoner Architekten mit ghanaischen Wurzeln David Adjaye. Die Ausstellungseröffnung ist gleichzeitig Buchvernissage der im März erschienenen Publikation.

Die Ausstellung ist bis 14. November 2021 zu sehen. www.kunstmuseumolten.ch

Aktuelle Nachrichten