Visarte
Künstlervereinigung wechselt vom Krebsgang in eine virtuelle Zukunft

Die Künstlervereinigung Visarte Sektion Solothurn feiert dieses Jahr ihr 90-jähriges Bestehen. Seit 2015 amtet der ehemalige Grenchner Stadtbaumeister Claude Barbey als Präsident.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Claude Barbey, der pensionierte Grenchner Stadtbaumeister, hat viel Neues vor.

Claude Barbey, der pensionierte Grenchner Stadtbaumeister, hat viel Neues vor.

Fränzi Zwahlen-Saner

Claude Barbey, wie sind Sie zum Präsidiumsposten der Visarte Sektion Solothurn gekommen?

Claude Barbey: Ueli Studer, der Land-Art-Künstler aus Rüttenen, hatte vor mir das Amt ad interim inne. Er fragte mich an, ob ich nicht interessiert sei. Ich bin Idealist und wollte die Herausforderung, den Verein in eine neue Ära zu führen, übernehmen. Da der Verein dieses Jahr 90 Jahre alt wird und deshalb ein paar Veranstaltungen aufgegleist werden sollen, hat mich das zusätzlich gereizt. Aus diesen Aktivitäten soll neuer Schwung für die kommenden Jahre gewonnen werden.

Ein nicht ganz einfaches Präsidenten-Amt. Sie könnten sich doch jetzt, nach Ihrer Pensionierung, zurücklehnen?

Ja, das stimmt schon. Allerdings habe ich seit meiner Pensionierung meine künstlerische Arbeit wieder aktiviert, und ich bin auch gerne gesellschaftlich tätig. Kunst ist ein hartes Brot und braucht den gesellschaftlichen Kontext. Ebenso braucht die Gesellschaft die Kunst. Dies möchte ich gerne vermitteln. Zudem hat mir dieses neue Amt persönlich schon zu interessanten Kontakten verholfen, was mich sehr freut.

Um Visarte Solothurn war es ja in den vergangenen Jahren ziemlich still geworden. Warum?

Stadtbaumeister wird Künstler

Claude Barbey ist Architekt SIA/Gestalter und wohnt in Grenchen. Der 1953 Geborene amtete von 1996 bis zu seiner Pensionierung 2014 als Stadtbaumeister von Grenchen. Autodidaktisch hat er sich im Zeichnen und in verschiedenen Drucktechniken ausbilden lassen. Seit 2015 ist der Präsident der Visarte Sektion Solothurn. Barbey arbeitet vorwiegend im Druckgrafischen Bereich und hat sich in Arch/BE ein Atelier eingerichtet. An der vergangenen «Impression 2015» im Kunsthaus Grenchen zeigte er zwei Arbeiten. Seine nächste Ausstellung findet im Mai/Juni im Näijerehuus in Hersiwil statt.

Das Hauptproblem ist die Überalterung unserer Mitglieder. Die jungen Solothurner Künstler melden sich meist nicht mehr bei uns an. Sie wurden aber auch nicht aktiv von uns «abgeholt». Das muss sich unbedingt ändern. Da muss die Visarte viel aktiver sein. Heute sind noch rund 70 Kunstschaffende Mitglied bei Visarte Sektion Solothurn. Dabei gäbe es noch viele Junge, die tätig sind.

Warum ist es so schwierig, an die jungen Künstlerinnen und Künstler zu kommen?

Das liegt vor allem daran, dass der Kanton Solothurn keine Kunsthochschule hat. Wer sich ausbildet, macht dies in einem anderen Kanton und meldet sich dann dort in der entsprechenden Visarte-Sektionen an.

Wie feiern Sie nun das 90-jährige Bestehen?

Eine von 18 Sektionen in der Schweiz

Die Visarte Sektion Solothurn ist der Berufsverband für visuelle Kunst für den Kanton Solothurn. Sie ist eine von 18 Sektionen von Visarte Schweiz. Schweizweit gehören dem Verband 2 600 Aktivmitglieder an. Visarte Sektion Solothurn wurde am 1. Januar 2001 gegründet und löste – nach einer tiefgreifenden Umstrukturierung – die seit 1866 existierende Berufsorganisation GSMBA (Gesellschaft Schweizerischer Maler, Bildhauer und Architekten) ab. Der Berufsverband vertritt die Interessen der Kunstschaffenden gegen aussen. Als profilierte kulturelle Organisation will sie aktiv auf die Kulturpolitik von Bund, Kantonen und Gemeinden einwirken und sich für die künstlerischen und kulturellen Belange einsetzen. Den Vorstand der Sektion Solothurn besetzen derzeit: Heini Bürkli, Pedro Meier, Claude Barbey (Präsident), Ursula Pfister, Norbert Eggenschwiler, Beat Julius Müller, Fritz Breiter. (frb)

Wir haben wenig Geld in der Vereinskasse, da wird man erfinderisch. Ans klassische Sponsoring für klassische Aktivitäten haben wir gar nicht erst zu denken begonnen. Deshalb hatten wir ganz unkonventionelle Ideen, die jetzt auch realisiert werden. Der eigentliche Start unserer Festlichkeiten beginnt mit der Grenchner Kulturnacht am 30. April. Die Arbeit hat aber schon seit einiger Zeit begonnen.

Sie lancieren etwas völlig Neues, eine Ausstellung, die sich «Virtuos-Virtuell» nennt. Können Sie mehr darüber erzählen?

Die Idee, die dahinter steht, ist das Bedürfnis nach Vernetzung und Bekanntwerden der Kunstschaffenden. Visarte Solothurn hat verschiedenste öffentliche Institutionen angefragt, ob auf ihrer Homepage das Visarte-Logo und ein Link zu unseren Künstlern aufgeschaltet werden kann. Wer dabei mitmacht, erlaubt uns neben seinem Firmenlogo auf der Homepage, einen Hinweis auf unsere Ausstellung «Virtuos-Virtuell» zu platzieren. Klickt nun ein Besucher auf unser Logo, bekommt er drei Werke eines unserer Künstler mit Angaben zu seinem Schaffen, seiner Person und die Kontaktdaten zu sehen. Hat er mehr Interesse an einer Arbeit, kann er sich via Link direkt mit dem Künstler in Verbindung setzen. Er kann aber auch eine Liste aller Kunstschaffenden durchsehen, die bei «Virtuos-Virtuell» mitmachen.

Was kostet das für den Homepage-Besitzer und für die Künstler?

Für den Homepage-Besitzer entstehen keine Kosten. Unser Nutzen ist die grösstmögliche Verbreitung der künstlerischen Arbeiten. Der mitmachende Künstler muss Visarte einen Unkostenbeitrag von Fr. 100.– bezahlen. Bruno Breiter ist verantwortlich für die Inhalte, bei ihm laufen die Fäden IT-technisch zusammen.

Welche Institutionen machen bisher Zusagen und stellen ihre Homepage zur Verfügung?

Visarte-Aktivitäten zum 90. Geburtstag

- 30. April: Vernissage von «Virtuos-virtuell» anlässlich der Grenchner Kulturnacht mit Bekanntgabe der Mitmachenden und Vorführung der Website.

- 13. August: kuratierte Ausstellung von Visarte-Künstlern im Stadthaus Olten.

- 10. November: Finissage von «Virtuos-virtuell» anlässlich der Grenchner Wohntage. Vorstellungen einer Dokumentation sowie Podiumsgespräch zum Thema: «Wohnraum und bildende Kunst».

Erfreulicherweise die Städte Grenchen, Solothurn und Olten, die Gemeinden Balsthal und Oensingen, das TOBS Theater und Orchester Biel Solothurn, der kantonal Solothurnische Gewerbeverband, Solothurn Tourismus, das Künstlerhaus S11, die Solothurnische Handelskammer, sowie die SIA Sektion Solothurn. Soeben hat sich Regierungsrat Remo Ankli als Patronatsträger zur Verfügung gestellt.

Ein völlig neues Projekt, oder haben Sie dies schon irgendwo gesehen?

Nein, das ist ein Unikat. Es scheint aber zukunftsweisend zu sein, denn Visarte Schweiz hat auch schon ihr Interesse bekundet.

Wie sind die Reaktionen der Kunstschaffenden und wie viele haben sich zum Mitmachen entschlossen?

Zunächst gab es schon mal Kopfschütteln. Doch inzwischen finden alle die Idee gut und man ist gespannt, wie es sich bewährt. Die Anmeldung wurde erst innerhalb der Visarte gestartet. Wir wünschten uns, dass ca 40 bis 50 Künstler dabei sein würden. Auch von den bekannteren Mitgliedern erwarten wir ein solidarisches Mitwirken.

Mehr Infos: www.virtuos-virtuell.ch oder bei Bruno Breiter, Bergstrasse 1, 4513 Langendorf.