Vorstoss
Kunst-Wettbewerb fürs Bürgerspital: Warum sind nur 10 Künstler eingeladen?

Kunstprojekt Bürgerspital In einem parlamentarischen Vorstoss kritisiert SP-Kantonsrätin Franziska Roth (Solothurn) das Vorgehen des Regierungsrates.

Elisabeth Seifert
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Für Kunst am Bau im neuen Bürgersoital sind total 800'000 Franken vorgesehen. (Archiv)

Für Kunst am Bau im neuen Bürgersoital sind total 800'000 Franken vorgesehen. (Archiv)

Hansjörg Sahli

Die Irritation unter Solothurner Kunstschaffenden ist gross. Die Künstlerinnen und Künstler, die sich für die erste – und entscheidende – Etappe des wohl grössten Kunst-am-Bau-Projekts des Kantons bewerben dürfen, sind per Einladung ausgewählt worden. Gerade mal zehn Kunstschaffende können bis Anfang Juni ihre Projekte einreichen. Die meisten von ihnen stammen zudem nicht aus dem Kanton. Mittels einer kleinen Anfrage stellt SP-Parteipräsidentin und Kantonsrätin Franziska Roth (Solothurn) das vom Regierungsrat Ende Januar abgesegnete Verfahren infrage.

Unverständlich ist für die SP-Frau etwa, weshalb für ein so grosses Vorhaben nicht das Ausschreibungsverfahren gewählt worden ist. Erstaunlich sei vor allem, wenn der Präsident des kantonalen Kuratoriums für Kulturförderung, Christoph Rölli, dies in einem Zeitungsbericht mit «Zeitdruck» begründet.

Der Spatenstich zum Neubau des Solothurner Bürgerspitals sei schliesslich bereits im April 2015 erfolgt. «Wann hat der Regierungsrat der Kunstkommission ‹Neubau Bürgerspital› den Auftrag erteilt, das Auswahlverfahren für den Kunst am Bau auszulösen?», will Roth deshalb wissen. Eine offene Ausschreibung statt eines Einladungsverfahrens hätte zudem auch eine Bewerbung ganzer Künstler-Teams ermöglicht.

Kopie von Kunst am Bau Bürgerspital: Künstler und ihre Werke, die zum Wettbewerb eingeladen wurden Renate Buser (Münchenstein)
22 Bilder
Installation von Renate Buser beim Kunsthaus Basel (2007)
Die fabrigen Sonnenstoren von Kerim Seiler (Bern) in Schlieren.
Beautiful Steps #14 des Duos Sabina Lang und Daniel Baumann (Burgdorf)
Beautiful Tube von Sabina Lang und Daniel Baumann
«Not I» von Andrea Wolfensberger (Waldenburg)
Waldenburger stellt auch Filme her
Christoph Haerle (Zürich) ist auch dabei
Kunstwerk von Christoph Haerle in Dietikon
Eine weitere Zürcherin darf zum Wettbewerb antreten: Katja Schenker. 2014 realisierte sie die Kust am Bau bei der Kehrichtverbrennungsanlage Winterthur.
2009 goss Schenker fürs Kunstmuseum St.Gallen einen Nougat-Block.
Der einzige Solothurner: Reto Emch
Eine Installation von Emch an der Jahresausstellung 2007 der Solothurner Kunstschaffenden im Kunstmuseum Solothurn.
Eine Installation von Reto Emch
Ebenfalls eingeladen: Beat Zoderer (Zürich)
Die Skulptur «Zimmer» von Beat Zoderer
Ein Bild von Andreas Hofer (Bremgarten)
Postkartenansichten aus Wohlen von Andreas Hofer.
Ein Besucher an einem Objekt von Andreas Hofer.
Er kommt am Weitesten her: Pedro Cabrita Reis (Lissabon)
Eine Installation von Pedro Cabrita Reis
1998 war Reis an der künstlerischen Ausgestaltung des U-Bahnhofs Olaias in Lissabon beteiligt.

Kopie von Kunst am Bau Bürgerspital: Künstler und ihre Werke, die zum Wettbewerb eingeladen wurden Renate Buser (Münchenstein)

Kenneth Nars

Kunst am Bau ist Kulturförderung

Mehr als fraglich sei weiter, so Franziska Roth, ob die Auswahl der zehn Kunstschaffenden in Übereinstimmung mit den im kantonalen Recht festgesetzten Regeln und Grundsätzen erfolgt ist. Die Kunst am Bau sei ein wichtiger Teil der in der Verfassung grundgelegten Verpflichtung, Kunst und Kultur im Kanton zu fördern, sagt die SP-Kantonsrätin auf Anfrage. Die Kunst-am-Bau-Kredite werden denn auch im «Gesetz über die Kulturförderung» geregelt. Damit aber kommen auch, ist Roth überzeugt, die «Fördergrundsätze» der Verordnung über das Kuratorium für Kulturförderung zur Anwendung.

Gemäss den dort definierten Grundsätzen müssen die geförderten Kunstschaffenden in einem «engen Bezug» zum Kanton Solothurn stehen. Dies aber dürfte, wie Roth gegenüber dieser Zeitung feststellt, bei den meisten der ausgewählten Kunstschaffenden eher weniger der Fall sein. Nach welchen «Kulturfördergrundsätzen» erfolgte dann aber die Auswahl respektive warum wurden die «Fördergrundsätze» missachtet?

Die kleine Anfrage thematisiert schliesslich die Projektsumme von total 800'000 Franken, was nur gerade 0,25 Prozent des gesamten Kredits von 340 Mio. Franken für den Bürgerspital-Neubau entspricht. Im Durchschnitt habe der Kanton bei Bauprojekten bis jetzt 0,5 Prozent der Bausumme für die künstlerische Ausgestaltung ausgegeben. Weshalb also wird bei einem Projekt mit einer so grossen Ausstrahlung nur gerade ein Viertelprozent aufgewendet?

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