Vorstoss

Kunst-Wettbewerb fürs Bürgerspital: Warum sind nur 10 Künstler eingeladen?

Für Kunst am Bau im neuen Bürgersoital sind total 800'000 Franken vorgesehen. (Archiv)

Für Kunst am Bau im neuen Bürgersoital sind total 800'000 Franken vorgesehen. (Archiv)

Kunstprojekt Bürgerspital In einem parlamentarischen Vorstoss kritisiert SP-Kantonsrätin Franziska Roth (Solothurn) das Vorgehen des Regierungsrates.

Die Irritation unter Solothurner Kunstschaffenden ist gross. Die Künstlerinnen und Künstler, die sich für die erste – und entscheidende – Etappe des wohl grössten Kunst-am-Bau-Projekts des Kantons bewerben dürfen, sind per Einladung ausgewählt worden. Gerade mal zehn Kunstschaffende können bis Anfang Juni ihre Projekte einreichen. Die meisten von ihnen stammen zudem nicht aus dem Kanton. Mittels einer kleinen Anfrage stellt SP-Parteipräsidentin und Kantonsrätin Franziska Roth (Solothurn) das vom Regierungsrat Ende Januar abgesegnete Verfahren infrage.

Unverständlich ist für die SP-Frau etwa, weshalb für ein so grosses Vorhaben nicht das Ausschreibungsverfahren gewählt worden ist. Erstaunlich sei vor allem, wenn der Präsident des kantonalen Kuratoriums für Kulturförderung, Christoph Rölli, dies in einem Zeitungsbericht mit «Zeitdruck» begründet.

Der Spatenstich zum Neubau des Solothurner Bürgerspitals sei schliesslich bereits im April 2015 erfolgt. «Wann hat der Regierungsrat der Kunstkommission ‹Neubau Bürgerspital› den Auftrag erteilt, das Auswahlverfahren für den Kunst am Bau auszulösen?», will Roth deshalb wissen. Eine offene Ausschreibung statt eines Einladungsverfahrens hätte zudem auch eine Bewerbung ganzer Künstler-Teams ermöglicht.

Kunst am Bau ist Kulturförderung

Mehr als fraglich sei weiter, so Franziska Roth, ob die Auswahl der zehn Kunstschaffenden in Übereinstimmung mit den im kantonalen Recht festgesetzten Regeln und Grundsätzen erfolgt ist. Die Kunst am Bau sei ein wichtiger Teil der in der Verfassung grundgelegten Verpflichtung, Kunst und Kultur im Kanton zu fördern, sagt die SP-Kantonsrätin auf Anfrage. Die Kunst-am-Bau-Kredite werden denn auch im «Gesetz über die Kulturförderung» geregelt. Damit aber kommen auch, ist Roth überzeugt, die «Fördergrundsätze» der Verordnung über das Kuratorium für Kulturförderung zur Anwendung.

Gemäss den dort definierten Grundsätzen müssen die geförderten Kunstschaffenden in einem «engen Bezug» zum Kanton Solothurn stehen. Dies aber dürfte, wie Roth gegenüber dieser Zeitung feststellt, bei den meisten der ausgewählten Kunstschaffenden eher weniger der Fall sein. Nach welchen «Kulturfördergrundsätzen» erfolgte dann aber die Auswahl respektive warum wurden die «Fördergrundsätze» missachtet?

Die kleine Anfrage thematisiert schliesslich die Projektsumme von total 800'000 Franken, was nur gerade 0,25 Prozent des gesamten Kredits von 340 Mio. Franken für den Bürgerspital-Neubau entspricht. Im Durchschnitt habe der Kanton bei Bauprojekten bis jetzt 0,5 Prozent der Bausumme für die künstlerische Ausgestaltung ausgegeben. Weshalb also wird bei einem Projekt mit einer so grossen Ausstrahlung nur gerade ein Viertelprozent aufgewendet?

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