Kunst & Kultur
Zuckerstöcke, Cervelats und Skulpturen: So feiern Solothurner Künstlerinnen und Künstler den 1. August

So feiern Peter Bichsel, Dimitra Charamandas, Iris Minder, Franz Zumstein, Tim Glanzmann, Pedro Lenz, Franco Supino, Fernando von Arb, Chris von Rohr, Lisa Christ, Nastenka, Burak Ates, Dimitri Stapfer und Alexandra von Arx unseren Nationalfeiertag.

Sophie Deck
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Was für 1.-August-Pläne haben eigentlich unsere Solothurner Kunstschaffenden? Und was bedeutet der Tag für sie? Wir haben bei 14 Schriftstellerinnen, Malern, Musikerinnen, Schauspielern und Regisseurinnen nachgefragt:

Erinnerungen an die Kindheit: Peter Bichsel, Schriftsteller, Bellach

Peter Bichsel, aufgenommen bei ihm zu Hause in Bellach 2020.

Peter Bichsel, aufgenommen bei ihm zu Hause in Bellach 2020.

Roland Schmid

«Für mich bedeutet der 1. August: Erinnerungen an die Kindheit und Freude am Land. Es war der Tag, an dem wir als Kinder am Abend rausdurften. Feuerwerk gab es noch nicht. Wir haben Lampions mitgenommen und das war sehr schön. Für den kommenden 1. August habe ich noch keine Pläne, vermutlich mache ich etwas Kleines mit der Familie.»

Ein kleines Sommerfest: Dimitra Charamandas, Bildende Künstlerin, Solothurn

Dimitra Charamandas mit ihrem Skizzenbuch 2017.

Dimitra Charamandas mit ihrem Skizzenbuch 2017.

Tom Ulrich

«Ich habe keinen speziellen Bezug zum 1. August. Wenn ich in der Schweiz bin, ist es für mich jedoch eine Gelegenheit, gemütlich im Garten mit der Familie zusammenzusitzen, zu essen und am Abend Laternen anzuzünden, wie wir das als Kinder bei meinen Grosseltern gemacht haben. Diesen Sommer bin ich zufälligerweise gerade zurück aus Griechenland und freue mich auf ein kleines Sommerfest, das sich wahrscheinlich ergeben wird.»

Zusammensitzen und Cervelat «brötle»: Iris Minder, Autorin und Regisseurin, Grenchen

Iris Minder mit ihrer Hündin Mira.

Iris Minder mit ihrer Hündin Mira.

zvg

«Ich muss zugeben: Wir sind 1.-August-Flüchtlinge. Weil meine Hündin Mira Angst vor dem Feuerwerk hat, fahren wir am 1. August immer über die Grenze nach Frankreich oder Deutschland und verbringen die Nacht dort. Ich finde den 1. August aber eine schöne Tradition. Patriotisch bin ich überhaupt nicht, ich mag einfach den Zusammenhalt: zusammensitzen in der Gemeinde, Cervelat ‹brötle› und feiern.»

Halt so schweizerisch: Franz Zumstein, Comiczeichner, Balsthal

Franz Zumstein mit seinem Comic «Der Wüstenfalke».

Franz Zumstein mit seinem Comic «Der Wüstenfalke».

zvg

«Ich finde das gemütliche Fest am 1. August schön. Es ist nicht übertrieben und kein riesen Theater, sondern halt so schweizerisch: Man sitzt privat zusammen und ‹festet› ein bisschen. Ich mag diese Normalität und Ruhe an der Schweiz. Meistens bräteln wir am 1. August mit den Nachbarn und schauen uns dann das Feuerwerk unten im Dorf an, und feuern auch selber welches ab.»

Ein Tag wie jeder andere: Tim Glanzmann, selbstbezeichnender «Lebenskünstler», Obergösgen

Tim Glanzmann vor dem Turm, den er in Schönenwerd bemalt, 2021.

Tim Glanzmann vor dem Turm, den er in Schönenwerd bemalt, 2021.

Patrick Lüthy

«Ich werde am 1. August in meinem Atelier sein und etwas Wundervolles bauen oder malen. Vielleicht etwas mit Feuerwerk, oder ich könnte eine Skulptur schweissen und sie dann zum Explodieren bringen. Für mich ist es aber ein Tag wie jeder andere – Feiertage haben für mich eh keine Bedeutung. Und ich mag keine Partys; ich sitze lieber gemütlich mit ein paar Freunden in meinem Atelier und höre Musik.»

Nicht der Rütlischwur: Pedro Lenz, Schriftsteller, Olten

Pedro Lenz an der Aare in Olten 2020.

Pedro Lenz an der Aare in Olten 2020.

Alex Spichale

«Dieses Jahr sind wir am 1. August in Spanien, deshalb feiern wir nicht. Zu Hause feiern wir jeweils schon, mit den Kindern. Vor allem der Grosse mag Feuerwerk, Raketen und Zuckerstöcke. Also ‹gämer eine› und machen mit. Es ist aber immer nur familiär, wir gehen nie an eine Feier. Für mich ist es auch kein spezieller Feiertag: Der Begriff der Schweiz, der am 1. August gefeiert wird, ist für mich nicht die echte Schweiz; die Schweiz ist nicht der Rütlischwur, sondern unser modernes Land.»

Ein paar Zuckerstöcke: Franco Supino, Schriftsteller, Solothurn

Franco Supino in Solothurn 2016.

Franco Supino in Solothurn 2016.

Hanspeter Bärtschi

«Wir feiern im Garten bei Freunden, essen zusammen, nichts Besonderes. Ein paar Zuckerstöcke – hell und hoch bis fast ans Dach sprühende – gehören aber schon dazu; das ist Tradition. Mir ist alles pompös Nationalistische, wie den meisten Schweizerinnen und Schweizern, fremd, ja peinlich. Eine Militärparade wie anderswo am Nationalfeiertag ist bei uns zum Glück undenkbar. Dieses Jahr hatten wir unseren 1. August ja schon, als die Nati ins Viertelfinale einzog – da war auch ich etwas stolzer als sonst, Schweizer zu sein.»

Wie eine tote Fliege: Fernando von Arb, Musiker, Solothurn

Fernando von Arb beim «Rock am Märetplatz» 2020.

Fernando von Arb beim «Rock am Märetplatz» 2020.

Oliver Menge

«Direkt vor dem 1. August habe ich zwei Auftritte – also mal sehen, ob ich am Abend noch etwas unternehme. Vielleicht liege ich einfach wie eine tote Fliege im Bett. Sonst gehe ich am 1. August, wie man es so macht in fortgeschrittenem Alter, mit ein paar Freunden an den Murtensee zum Essen und ‹Zämehöckle›. Wir schauen uns dann auch das Feuerwerk an, aber darauf könnte ich verzichten. Es macht nur den Tieren Angst und die Luft wird schlecht. Das ganze Fest und die Feuerwerk-Schwaden sind nicht nötig, aber das Zusammensitzen ist schön.»

Schwein gehabt: Chris von Rohr, Musiker und Autor, Solothurn

Chris von Rohr beim Gitarrespielen.

Chris von Rohr beim Gitarrespielen.

zvg

«Obwohl ich grosse Festivitäten meide und auch kein Nationalist bin, sage ich mir am 1. August immer: Hey amigo, Schwein gehabt in diesem freien, wohlhabenden, direkt-demokratischen Land geboren zu sein und hier leben zu dürfen. Das ist nicht selbstverständlich. Menschen vor uns haben für dieses Privileg gekämpft. Hoffen und schauen wir, dass es so bleibt. Ich wünsche es den kommenden Generationen.»

Essen: Lisa Christ, Slam-Poetin und Autorin, Olten

Lisa Christ mit ihrem Programm «Ich brauche neue Schuhe», 2019.

Lisa Christ mit ihrem Programm «Ich brauche neue Schuhe», 2019.

Remo Fröhlicher

«Mir ist der 1. August, ehrlich gesagt, komplett egal. Ich vergesse jedes Jahr, dass er ist. Dieses Jahr wurde ich aber zufälligerweise an diesem Tag zum Essen eingeladen. Das ist mir nie egal.»

Herz und Leidenschaft: Nastenka (Anastasia Gerber), Musikerin, Solothurn

Nastenka, die mit bürgerlichem Namen Anastasia Gerber heisst.

Nastenka, die mit bürgerlichem Namen Anastasia Gerber heisst.

zvg

«Der 1. August ist für mich nicht nur ein Tag der Freude, Solidarität und Traditionen, sondern vor allem ein Tag, an dem ich mein Herz und meine Leidenschaft in Form von Konzerten mit meinen Mitmenschen teilen darf. Dieses Jahr werde ich den 1. August allerdings mit meinen Liebsten verbringen – und hoffentlich ein schönes Feuerwerk sehen.»

Dankbar, hierblieben zu dürfen: Burak Ates, Schauspieler, Gerlafingen

Burak Ates an den Solothurner Filmtagen 2021.

Burak Ates an den Solothurner Filmtagen 2021.

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«Meine Familie und ich essen am 1. August immer eine ‹Chäsplatte› – mit sehr viel Poulet drauf. Meine Mutter schaut dann auch SRF, sonst schaut sie eigentlich nie Schweizer Fernsehen. Später am Abend gehen wir jeweils zum Solothurner Baseltorkreisel zum Feuerwerkschauen und gehen danach noch ‹eis go zie›. Für uns als Familie ist der Tag sehr wichtig, weil meine Eltern in den 60er-Jahren in die Schweiz gekommen sind. Sie möchten jedes Jahr zeigen, dass sie dankbar dafür sind, hierbleiben zu dürfen. Mit diesem Ritual feiern wir das.»

Ein grosses Feuerwerk: Dimitri Stapfer, Schauspieler, Olten

Dimitri Stapfer in Solothurn 2020.

Dimitri Stapfer in Solothurn 2020.

Hansjörg Sahli

«Meine beste Freundin hat am 1. August Geburtstag und die kriegt dann immer ein grosses Feuerwerk geschenkt. Das finde ich schön. Ansonsten ist mir der Tag egal.»

Ohne Knallkörper und Klimbim: Alexandra von Arx, Schriftstellerin, Olten

Alexandra von Arx.

Alexandra von Arx.

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«Es gab Jahre, da schossen mir Tränen in die Augen, wenn ich im Ausland die Ansprache der Bundespräsidentin zum Nationalfeiertag hörte. Seit ich wieder in der Schweiz lebe, ist mein verklärter Blick auf die Heimat einer etwas kritischeren Sichtweise gewichen. Trotzdem ist es ein Glück, hier leben zu dürfen. Daran denke ich morgen, aber ohne Knallkörper und Klimbim, sondern ganz einfach bei einem Glas Wein. Dazu höre ich Mani Matters ‹Dynamit›.»

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