«Luxusknast» Schachen
«Kunst ist nicht nur für die Gefangenen - es gibt auch Mitarbeiter und Besucher»

Die künstlerische Ausgestaltung der Justizvollzugsanstalt lässt die Emotionen hochgehen. Der Vorsteher des kantonalen Amtes für Kultur und Sport beschwichtigt und verweist auf das Gesetz, dass eine künstlerische Ausgestaltung verlangt.

Fränzi Rütti-Saner
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So karg wie im Rohbau soll der Schachen sein, meinen viele.

So karg wie im Rohbau soll der Schachen sein, meinen viele.

Hansjörg Sahli

Cäsar Eberlin, der Vorsteher des Amtes für Kultur und Sport des Kantons Solothurn, ist derzeit ein gefragter Mann. Er ist Präsident der neu geschaffenen Kunstkommission/Jury «Justizvollzugsanstalt JVA Schachen», Deitingen. Diese hat vor wenigen Tagen das Wettbewerbsprogramm «Kunst am Bau» für das im Bau stehende Gefängnis veröffentlicht. Und genau in dieser Sache muss Eberlin nun Stellung nehmen, denn die künstlerische Ausschmückung des «Luxusknastes», mit einer Gesamtsumme von 215 000 Franken, füllt derzeit die SMS- und Leserbriefspalten der «Nordwestschweiz».

Dabei gehe es darum, einer gesetzlichen Bestimmung nachzukommen, betont Eberlin und erklärt: «Seit 1978 gibt es im Kanton ein Gesetz, das verlangt, dass alle staatlichen Bauten mit künstlerischem Schmuck auszustatten seien.» In der dazu gehörenden Verordnung heisst es weiter, dass «ein bestimmter Prozentsatz der gesamten Bausumme als Gesamtkunstkredit für die künstlerische Ausschmückung» verwendet werden soll. «Der Regierungsrat legt den Gesamtkunstkredit im Einzelfall fest und wählt eine Kommission», ist zudem festgehalten.

«Luxusknast»: Das antwortet Eberlin

Zu den vielen SMS- und Leserbrief-Unmutsäusserungen gehört die Anregung, man solle doch Kunst aus dem «berstend vollen Kunstmuseum» in den Schachen stellen. Cäsar Eberlin dazu: «Wir planen, Kunst aus der Sammlung des Kantons - nicht des Kunstmuseums - zusätzlich im Schachen zu präsentieren. So werde der gesetzliche Auftrag erfüllt. «Gefangene könnten den Bau doch selbst verschönern», heisst es in einer weiteren SMS. «Kunsttherapie mit Gefangenen ist sicher ein Thema im Strafvollzug, meint Eberlin. Das habe aber mit dem künstlerischen Schmuck nichts zu tun. Eine SMS mit Ironie: Man hätte die Insassen fragen sollen, ob sie sich einen künstlerischen Schmuck wünschten. «Diese Kunst am Bau soll ja auch für die Bevölkerung sein, denn das Gebäude steht im öffentlichen Raum, beispielsweise gut sichtbar der Autobahn entlang. Damit ist auch die SMS-Frage beantwortet: «Muss ein Gefängnis schön sein». (frb)

Genau das ist nun passiert, und genau das ruft «Volkes Stimme» wach. «Die bewilligte Summe das sind rund 0,5 Prozent des Baukörpers», erklärt Eberlin. Diesen Prozentsatz habe man auch bei der künstlerischen Ausgestaltung der Psychiatrischen Klinik in Langendorf oder der Fachhochschule in Olten angewendet und dort habe sich niemand beschwert. Dass aus der Bevölkerung nun so heftige Reaktionen kommen, das habe er nicht erwartet, gibt Eberlin zu. «Wir haben Pech, dass die Ausschreibung gerade zum jetzigen Zeitpunkt kam». Jetzt, da man über «Kuscheljustiz» und die Therapierbarkeit von Straftätern diskutiere.

Nicht nur für die Gefangenen

Eberlin hat ein gewisses Verständnis für die aufgebrachten Kommentare. Doch gibt er zu bedenken: «Wir schaffen diese Kunst am Bau ja nicht nur für die Strafgefangenen. Es gibt dort auch Mitarbeiter und Besucher. Zudem habe künstlerische Ausschmückung öffentlicher Bauten seit Beginn der Zivilisation Tradition.

Wer das Wettbewerbsprogramm genauer studiert, sieht, dass es keine leichte Aufgabe sein wird, die Bedingungen zu erfüllen. «In Bezug auf die konkrete Platzierung sind nicht alle Räume im Gebäude und Plätze im Aussenraum bespielbar», steht in der Ausschreibung. «Alle Räume der Administration, Sicherheitszentrale, Werkstätten und Insassenzellen sind ausgenommen». Eberlin: «Wir könnten uns Kunst in den Lichthöfen, in der Signalisation. Auch eine Grossplastik im Aussenraum ist vorstellen».

Und auch bei der Materialwahl gibts für die Künstler Grenzen. Die Kunstobjekte, die für die Insassen zugänglich sind, «müssen fest mit dem Montageuntergrund verbunden sein, nicht demontierbar, scheuerfest, nicht brennbar und dürfen keine spitzen oder scharfen Kanten aufweisen.» Aus Sicherheitsgründen dürfen die Objekte «den Tages- und Nachtbetrieb der JVA, sowie die Fluchtwege in den Korridoren, wie auch die Notausgänge nicht beeinträchtigen.» Nicht zugelassen sind Videoinstallationen. Damit sich die Kunstschaffenden ein Bild machen können, ist am 3. Oktober für Interessierte eine Begehung vor Ort obligatorisch.

Bis Frühjahr 2014 fertig

Von den 215 000 Franken sind 180 000 für die Kunstobjekte vorgesehen, 10 000 Franken sind für den Wettbewerb, die restlichen 25 000 Franken für Dokumentation und Unvorhergesehenes reserviert. «An dieses Kostendach werden wir uns halten», verspricht Eberlin, denn er hat auch die Kritik gehört, dass ausgerechnet jetzt, wo es dem Kanton Solothurn finanziell nicht gut geht, diese Kosten ausgelöst werden sollen.

Die Künstler haben bis zum 22. November Zeit, ihre Ideen anonym einzureichen. Im Januar 2014 soll der Jury-Entscheid bekannt werden und, rechtzeitig auf die JVA-Inbetriebnahme, sollen die Werke bis 2. Mai 2014 ausgeführt sein.