myPad
Künftig soll jeder Schüler ein eigenes Tablet besitzen

Seit 2012 haben 14 Klassen im Kanton Solothurn mit dem Tablet im Unterricht gearbeitet. Die Erfahrungen der 250 Schüler waren positiv. Der Kanton erlässt nun neue Empfehlungen für die Schulen.

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In dieser Klasse im Schulhaus Mühlematt wird seit zwei Jahren das iPad im Unterricht verwendet
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Ellen Schluep unterrichtet die Klasse 4a mit dem Tablet
myPad im Kanton Solothurn: Medienkonferenz des Bildungsdepartements in Biberist zum Einsatz von iPads im Schulunterricht
Auch Regierungsrat Remo Ankli sitzt mit dem iPad da.
Aus ihrer Sicht beginnt eine neue Ära im Unterricht Andreas Walter, Vorsteher Volksschulamt, und Remo Ankli, Regierungsrat und Vorsteher des Departements für Bildung und Kultur

In dieser Klasse im Schulhaus Mühlematt wird seit zwei Jahren das iPad im Unterricht verwendet

Hans Ulrich Mülchi

"MyPad" habe den Unterricht bereichert und sei bei fast allen Beteiligten sehr gut angekommen, heisst es im am Donnerstag veröffentlichten Schlussbericht zum neuartigen Versuch. Den Bericht verfasste die Pädagogische Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz im Auftrag des Kantons Solothurn.

Das technische Gerät unterstütze die Kinder und Jugendlichen dabei, ihre Lernstrategien besser zu organisieren und zu erweitern. Es helfe nebenbei vielen zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Medien.

Einzug des Internets im Schulzimmer

Der Kanton Solothurn legte 1992 mit dem Kapitel «Informatik und Medienbildung» im Lehrplan den Grundstein für die Einführung des Computers im Schulunterricht. Zehn Jahre später begann im Rahmen der Swisscom-Bildungsoffensive «Schulen ins Netz» der Einzug des Internets in die Schulzimmer. Seit 2008 bildet das «stufenübergreifende ICT-Entwicklungs­konzept für die Schulen im Kanton Solothurn» den verbindlichen Rahmen für die Nutzung sowie den Unterricht mit ICT, Internet und digitalen Medien in den Schulen.

Mit der Verankerung der informatischen Bildung in der Lektionentafel ab der 3. Klasse der Primarschule bis zur 3. Klasse der Sekundarschule hat der Kanton Solothurn in der schweizerischen Bildungslandschaft eine Pionierleistung erbracht, welche im In- und Ausland Beachtung fand. (mgt)

Lehrer sehen Chancen

Auch die Lehrpersonen zogen gemäss Bericht ein positives Fazit. Die Tablet-Computer hätten ihnen neue Unterrichtsmöglichkeiten eröffnet. Die Eltern hätten bei ihren Kindern eine erhöhte Selbstständigkeit und Eigenverantwortung festgestellt.

Am Versuch nahmen Schüler von der 3. Primarschulklasse bis zur 3. Klasse der Sekundarschule teil, sowie je eine Klasse der Kantonsschule und der Berufsfachschule.

Projekt «myPad»

Mit der Einführung von Tablet-Computern als Arbeitsgeräte lancierte der Kanton Solothurn 2012 bis 2014 das Projekt «myPad», ein schweizweit einmaliges 1:1-Computing-Projekt. In zwölf Schulklassen von der 3. Klasse der Primarschule bis zur 3. Klasse der Sekundarschule und in zwei Klassen der Sekundarstufe II erhielten alle Schüler ein persönliches iPad, das ihnen und ihren Lehrpersonen sowohl in der Schule wie auch in der Freizeit zur Verfügung stand.

Insgesamt nahmen 45 Lehrpersonen und 250 Schüler teil. So konnte eine kantonal breit abgestützte Datengrundlage geschaffen werden. Die Ergebnisse des Projekts «myPad» wurden einbezogen in die Empfehlungen und in die Regelstandards für die informatische Bildung. (mgt)

Das Besondere war, dass alle der 250 Schüler über einen eigenen Tablet-Computer verfügten. Die Fachleute sprechen von "1:1-Computing". Es müssten jedoch von Anfang an Klassenregeln und Nutzungsvereinbarungen getroffen werden, heisst es im Bericht. Es habe sich bewährt, die Eltern frühzeitig einzubeziehen.

Herausforderung Digitalisierung

Bildungs- und Kulturdirektor Remo Ankli zeigte sich am Donnerstagmorgen an der Medienkonferenz in Biberist überzeugt, dass «künftig jeder Schüler ein eigenes Gerät besitzen wird, die Netzwerke lei­stungsfähig werden und das Cloud-Computing in raschen Schritten an Bedeutung gewinnen wird».

Der lange Zeit als stabil geltende Bildungskanon werde durch diese Digitalisierung der Welt herausgefordert. «Dies zu erkennen und damit umgehen zu können, darauf sollten wir unsere Schüler vorbereiten».

Gerüstet für die Zukunft

Das Departement für Bildung und Kultur hat am Donnerstag Empfehlungen zur informatischen Bildung des Kantons Solothurn vorgestellt. Die Schulen erhalten damit erprobte Empfehlungen und solide Grundlagen für strategische, technische und organisatorische Entscheide für die informatische Bildung. Damit aktualisiert der Kanton - 23 Jahre nach der ersten Verankerung des Begriffs «Informatik und Medienbildung» im Lehrplan für die Volksschule - die Regelstandards für die informatische Bildung und geht damit in die mobile 1:1-Computing Ära.

Das Fach «informatische Bildung» wird mit Informatik ergänzt und baut neu auf drei Säulen auf:

  • Medienbildung, bewusster und verantwortungsvoller Umgang mit den (digitalen) Medien;
  • ICT-Anwendungskompetenz, Fähigkeit im Umgang mit den digitalen Medien, also Geräten, Technologien und Anwendungen;
  • Informatik erschliesst die Gesetze der Informationsverarbeitung mit dem Computer. Wie „tickt“ die Digitalisierung? Methoden, Möglichkeiten und Grenzen des Computereinsatzes müssen Schülern und Schülerinnen plausibel gemacht werden.

Mit den aktualisierten Empfehlungen und den überarbeiteten Regelstandards sind die Grundlagen für die Weiterentwicklung geschaffen. Die Einwohnergemeinden als Schulträger, die in diese Richtung weitergehen, sind für die Neuinvestitionen der Zukunft gerüstet. (sda/mgt)

zvg

Die Regelstandards „Informatische Bildung“ sowie der Schlussbericht „myPad“ sind im Internet abrufbar.