Urs Joseph Flury aus Biberist darf am 14.November den mit 20'000 Franken dotierte Solothurner Kunstpreis 2016 entgegen nehmen. 

Desweiteren werden acht Personen mit einem Fachpreis ausgezeichnet. Dafür gibts 10'000 Franken. Der Anerkennungspreis ist gleich hoch dotiert.

Im Vorfeld der Verleihung befragen wir die Preisträger: 

Die Schauspielerin und Regisseurin Katharina Rupp erhält dieses Jahr den Preis für Theater des Kantons Solothurn.

Katharina Rupp

Die Schauspielerin und Regisseurin Katharina Rupp erhält dieses Jahr den Preis für Theater des Kantons Solothurn.

Welche Bedeutung hat dieser Preis für Sie?

Katharina Rupp: In unserem Theater werden wir oftmals verwöhnt. Der Applaus ist manchmal so lautstark, dass es fast wie ein Preis wirkt. Komischerweise kann ich den Applaus für mich als Regisseurin kaum je geniessen, dazu bin ich noch zu aufgewühlt vom Endspurt einer Produktion und dem Verlauf der Premiere. Befriedigung gibt es oft erst Stunden oder sogar Tage danach, und leider nur, wenn ich mir selbst eingestehen kann, dass mir etwas gelungen ist. Dieser Preis bedeutet mir aber, dass meine gesamte Arbeit am Theater Solothurn nach nun über neun Jahren gewürdigt wird.

Was treibt Sie in Ihrem kulturellen Schaffen an?

Spiellust. Und Wut. Und die Erkundung der Theatermagie, nämlich mit jeder neuen Arbeit einen neuen Kosmos zu erfinden, den nur Theater erschaffen kann. Nichts kann mich in meinem Theaterleben mehr beglücken als der Moment, wo Spiel zur Wirklichkeit wird. Das ist zwar alles nur Fiktion, gibt mir aber trotzdem den Eindruck, als würde Leben gerade sehr vital gebündelt und verdichtet. Und weil ich in diesem Theaterspiegel die Lächerlichkeit und Gefährlichkeit unseres wahren Lebens pointiert wiederfinde.

Woran arbeiten Sie momentan?

Ich inszeniere gerade Tschechows «Onkel Wanja», der am 15. November Premiere hat. Woody Allen bezeichnet Tschechow als seinen Lehrmeister. Das fand ich animierend, macht diese Knacknuss aber nicht einfacher.

Wofür werden Sie das Preisgeld verwenden?

Zunächst schmeisse ich mit meinem Ensemble eine Party. Nach der Premiere habe ich Zeit, mir weitere Gedanken zu machen.

Der Solothurner erhält dieses Jahr den Preis für Musik des Kantons Solothurn.

Stefan Feingold (54)

Der Solothurner erhält dieses Jahr den Preis für Musik des Kantons Solothurn.

Welche Bedeutung hat dieser Preis für Sie?

Stefan Feingold: Ich sehe es als Anerkennung der Solothurnerinnen und Solothurner für mein künstlerisches und pädagogisches Arbeiten. Ich möchte an dieser Stelle ein grosses Danke sagen.

Was treibt Sie in Ihrem kulturellen Schaffen an?

Die Freude und Neugierde, kompositorisch etwas Neues oder Anderes zu erschaffen sowie auf der Bühne durch Musik mit dem Publikum zu kommunizieren.

Woran arbeiten Sie momentan?

An einem neuen Stück für Violine solo und stets übe ich an meiner Gitarre.

Wofür werden Sie das Preisgeld verwenden?

Das lasse im Moment noch offen.

Die Solothurner Künstlerin erhält den Preis für Dreidimensionales Schaffen des Kantons Solothurn.

Fraenzi Neuhaus (59)

Die Solothurner Künstlerin erhält den Preis für Dreidimensionales Schaffen des Kantons Solothurn.

Welche Bedeutung hat dieser Preis für Sie?

Meine Arbeit passiert im stillen Kämmerlein. Da entwickle ich meine Konzepte für die Installationen, hier gehe ich zeichnend meinen Interessen nach. Es ist eine grosse Freude den Anerkennungspreis zu erhalten. Mein künstlerisches Schaffen wird im Kanton Solothurn wahrgenommen, das ist wunderbar.

Was treibt Sie in Ihrem kulturellen Schaffen an?

Meine künstlerische Arbeit ist geprägt von meinen Abenteuern in der Natur, meinen Erfahrungen im Alltag und von meiner «Unart» Sachen und Situationen weiter und zu Ende denken zu wollen. Ich entwickle dabei hypothetische und imaginäre Vorstellungen, welche meine Realität erweitern und bereichern. Ich beschäftige mich mit Raum und Struktur. Ich binde Netze und bilde Räume. Meine «Blasen» zeigen sich raumfüllend, meine «Einnistungen» sind raumfordernd. Ich arbeite mit zeitgenössischen Materialien wie Nylon, Glasfaser oder Kunststoffen. Auf der Suche nach der optimalen Grundstruktur gehe ich – wie die Morphologie – der Frage nach: Welche Struktur und welche Form brauchen meine Objekte, um transparent und zugleich stabil und wandelbar zu erscheinen? Mich interessiert das Spannungsfeld zwischen Fragilität, Stabilität und Wandlung. Meine «SaitenKörper» muten organisch gewachsen an. Sie erinnern an Gebilde, wie sie in der Natur vorkommen. Der hauchdünne Grat zwischen Natur und Künstlichkeit möchte ich immer weiter ausloten.

Woran arbeiten Sie momentan?

Zusammen mit einer Performerin, einer Videokünstlerin und einem Komponisten entwickle ich ein Projekt, zwischen Kulturen und Disziplinen. Es geht um die ganz grossen Netzwerke. Gleichzeitig arbeite ich kontinuierlich an meinen Zeichnungen weiter.

Wofür werden Sie das Preisgeld verwenden?

Der Preis ermöglicht mir, mit neuen Materialien und Medien zu forschen und mich in neue Gefilde vorzutasten. Um mich besser und internationaler austauschen zu können, stehen Reisen und Begegnungen mit Kulturschaffenden an, welche an ähnlichen Inhalten arbeiten.

Die Vereinsmitglieder erhalten dieses Jahr den Preis für Literatur des Kantons Solothurn für ihr seit fünf Jahren bestehendes Literaturmagazin.

Der «Narrativistische Verein» Olten

Die Vereinsmitglieder erhalten dieses Jahr den Preis für Literatur des Kantons Solothurn für ihr seit fünf Jahren bestehendes Literaturmagazin.

Welchen Bedeutung hat dieser Preis für euer Team?

Der Preis ist natürlich eine Anerkennung. Besonders passend ist auch, dass er gerade zu unserem Fünf-Jahr-Jubiläum kommt. Zur Feier machten wir eine ganz besondere Ausgabe zum Thema «Anfang» u. a. mit Franz Hohler, Klaus Merz und Friederike Kretzen. Von Franz Hohler konnten wir den allerersten Text abdrucken, was uns sehr gefreut hat.

Was treibt euch in eurem kulturellen Schaffen an?

Interesse und Begeisterung an der Literatur. Ort für noch ungehörte Stimmen zu sein. Uns in die Welt einbringen. Themen bearbeiten, die dringlich sind.

Woran arbeitet ihr momentan?

Öffentlichkeitsarbeit für die Jubiläumsausgabe und Konzeption des «Narr» #21. Daneben hat jeder von uns seine schriftstellerischen, performativen oder grafischen Projekte.

Wofür werdet ihr das Preisgeld verwenden?

Die Arbeit fortzuführen, weitere Ausgaben zu produzieren, neue Ideen zu verwirklichen.

Der Matzendörfer erhält dieses Jahr den Preis für Kulturvermittlung des KantonsSolothurn.

Markus Egli (67)

Der Matzendörfer erhält dieses Jahr den Preis für Kulturvermittlung des KantonsSolothurn.

Welche Bedeutung hat dieser Preis für Sie?

Markus Egli: Kulturvermittlung hat mich in den letzten 40 Jahren ständig beschäftigt, wöchentlich und manchmal ganze Nächte. Oft gab es auch Enttäuschungen, wenig Interessierte oder kaum zu deckende Defizite. Dass nun all diese Arbeit ausgezeichnet wird, hat mich total überrascht und gefreut. Der Preis gibt mir auch Ansporn, die bevorstehenden Projekte mit Elan fortzuführen.

Was treibt Sie in Ihrem kulturellen Schaffen an?

Überall, wo Menschen zusammenleben, entwickelt sich eine Kultur. Ich möchte mit meinem Wirken die kulturelle Entwicklung positiv beeinflussen. Es ist mir ein besonderes Anliegen, dass der Boden im Naturpark Thal gut kultiviert ist, damit es sich lohnt, hier zu leben, hier Wurzeln zu schlagen.

Woran arbeiten Sie momentan?

Der November und Dezember sind immer belegt mit Planungsarbeiten für das neue Jahr, sei dies in der Arbeitsgruppe Kultur im Thal, in der Galerie Rössli, im Vorstand des Keramikmuseums Matzendorf oder auch beim Holzweg. Noch in diesem November findet in Balsthal auf dem Kreuzplatz eine Lichtshow statt. Dies ist ein Projekt von Kultur im Thal, der Galerie Rössli in enger Zusammenarbeit mit Hotel Balsthal. Ein paar Tage vor dem Start dieses Events ergibt sich auch für mich einige Detailarbeit. In weiterer Zukunft möchte ich einen Jugendkulturpreis lancieren. Dieses Projekt haben wir schon mehrmals vorberaten, aber nie umgesetzt. Ich bin überzeugt, dass die Jugend bei Kultur im Thal mit aufs Boot muss.

Wofür werden Sie das Preisgeld verwenden?

Ich werde das Preisgeld einsetzen für kulturelle Aktivitäten.

Die 40-jährige Dänikerin erhält dieses Jahr den Preis für Musik des Kantons Solothurn.

Stephanie Bühlmann (40)

Die 40-jährige Dänikerin erhält dieses Jahr den Preis für Musik des Kantons Solothurn.

Welche Bedeutung hat dieser Preis für Sie?

Stephanie Bühlmann: Ich habe weder in meiner Ausbildung noch sonst irgendwann öffentliche Gelder zur Unterstützung weder angefordert noch gewonnen. Bereits während meines Studiums habe ich mir mit Jobs alles selber finanziert. Was ich heute erreicht habe, habe ich mir selber erarbeitet. So einen Preis, so eine Auszeichnung zu erhalten motiviert mich sehr, diesen doch zum Teil harten Weg weiter zu gehen und zeigt mir, dass sich Disziplin, Zuverlässigkeit und vor allem Qualität irgendwann durchsetzen. Es ist mir eine grosse Freude, in einem Kanton zu arbeiten, der so vieles für Kunstschaffende macht. Ich bin sehr dankbar und fühle mich zutiefst geehrt.

Was treibt Sie in Ihrem kulturellen Schaffen an?

Es ist schlichtweg die Liebe zur Musik, die mich antreibt, immer besser zu werden – sei es technisch oder musikalisch; immer Neues zu lernen, dafür stundenlang jeden Tag zu üben; immer Neues zu entdecken und so den Werken, in welchen ich singe, möglichst gerecht zu werden.

Woran arbeiten Sie momentan?

Bis vor kurzem steckte ich mitten in einer Opernproduktion der Oper im Knopfloch Zürich. Diese endete Ende Oktober. Immer wieder singe ich an einem Shakespeare-Abend, ebenfalls szenisch. Am 12. November folgt ein Liederabend in Deutschland, am 26. und 27. November Konzerte mit Händel und Mozart in Kreuzlingen. Parallel dazu laufen die Proben zu einer Operettenkonzert-Tournee, die ab Ende Dezember startet. Ebenfalls sind wir bereits in den Textproben zu ‹Kiss me Kate›: Eine Produktion mit der Konkordia Egerkingen, in welcher ich im Mai 2017 die Kate verkörpern werde. Auf meiner Homepage finden sich weitere Termine.

Wofür werden Sie das Preisgeld verwenden?

Da ich trotz all den vielen Jobs, die ich mache, gerade genug verdiene, um zu leben, reicht es mir nie zum Sparen. So kann ich nun endlich eine professionelle CD-Aufnahme mit Schubert-Liedern machen. Mein Pianist Sidney Fuchs und ich planen dies seit langem. Ich freue mich so sehr darauf!

Der Oltner Künstler erhält dieses Jahr den Preis für Malerei des Kantons Solothurn.

Marcel Peltier (71)

Der Oltner Künstler erhält dieses Jahr den Preis für Malerei des Kantons Solothurn.

Welche Bedeutung hat der Preis für Malerei für Sie?

Natürlich ehrt mich dieser Preis. Ich sehe darin eine Anerkennung meines langjährigen Schaffens im Bereich der bildenden Kunst. Eines Schaffens, das nicht nach Popularität strebt und auch nicht darauf ausgerichtet ist. Die Unabhängigkeit meiner bildnerischen Ausdrucksweise konnte ich mir dadurch stets bewahren.

Was treibt Sie in Ihrem kulturellen Schaffen an?

Die Neugier steht immer im Vordergrund. Themen aus meinem Umfeld, aktuelle politische Themen und anderes versuche ich, bildnerisch zu verarbeiten. Dabei die Dinge zu verstehen, sich Zeit zu nehmen zur Erarbeitung einer fundierten Grundlage ist eine Herausforderung, die mich erfüllt. Die malerische Umsetzung danach wird vielschichtig, komplex, tiefgründig und nicht auf Anhieb durchschaubar.

Woran arbeiten Sie derzeit?

Momentan beschäftigen mich aktuelle Themen wie die Migration und das Geschehen im Nahen Osten. Es entstehen stark reduzierte Bildfolgen, Serien von Porträts, im Kontext und verwoben mit symbolhaften Ornamenten. Mittels einer Acryl-Mischtechnik trage ich lasierende Schichten auf die Bildträger auf. Manchmal intuitiv, oft vor-skizzierend konstruiert. Diese Vorgänge können ein paar Stunden, aber auch Tage dauern, erfordern ein ständiges Überprüfen und kritisches Hinterfragen.

Wofür werden Sie das Preisgeld verwenden?

Diese Frage möchte ich nicht beantworten.

Der Bürger von Halten erhält dieses Jahr den Preis für Fotografie des Kantons Solothurn.

Stefan Jaeggi (44)

Der Bürger von Halten erhält dieses Jahr den Preis für Fotografie des Kantons Solothurn.

Welche Bedeutung hat dieser Preis für Sie?

Es freut mich besonders, dass mein Heimatkanton meine Arbeit beobachtet und auch unterstützt. So konnte ich 2011 auch das halbjährige Atelierstipendium in Paris antreten.

Was treibt Sie in Ihrem kulturellen Schaffen an?

Mein künstlerisches Schaffen hat sich langsam entwickelt. Ich kann also nicht einfach eine Definition davon abgeben, was mich antreibt. Mein Leben ist mein künstlerisches Schaffen. Leben ist Kunst, Kunst ist Leben.

Woran arbeiten Sie momentan?

Ich bereite verschiedene Ausstellungen vor. Eine Einzelausstellung bei der Baufirma Amstein und Walthert in Zürich. Und dann kann ich eine Videoinstallation sowie eine grossformatige Fotoarbeit bei der diesjährigen Solothurner Jahresausstellung im Kunstmuseum Solothurn zeigen. Ich freue mich sehr, wieder mit dabei zu sein.

Wofür werden Sie das Preisgeld verwenden?

Ich kann es gut dafür verwenden, mir bessere Freiräume zu schaffen, damit ich den Studiengang des Masters of Fine Arts an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK beenden kann. Gleichzeitig bin ich an neuen Arbeiten, für die ein finanzieller Zustupf immer gut ist. Ich werde das Geld also in die Arbeit investieren.

Die Günsbergerin erhält dieses Jahr einen Anerkennungspreis für ihr kulturelles Schaffen als Künstlerin, Pädagogin und Menschenfreundin.

Johanna Borner (80)

Die Günsbergerin erhält dieses Jahr einen Anerkennungspreis für ihr kulturelles Schaffen als Künstlerin, Pädagogin und Menschenfreundin.

Welche Bedeutung hat dieser Preis für Sie?

Johanna Borner: Dieser Preis erfreut mich sehr und spornt mich an, kreativ weiterzuarbeiten.

Was treibt Sie in Ihrem kulturellen Schaffen an?

Mein kulturelles Schaffen ist ein inneres Bedürfnis – Freude meines Lebens. Begegnungen mit Menschen in ihrer Umgebung. Ihr Leben und Wirken wandelt sich in mir zu schöpferischem Tun.

Woran arbeiten Sie momentan?

An einem Glasfenster. Zudem an Illustrationen für ein Buch mit einem spontan gewordenen Märchen.

Wofür werden Sie das Preisgeld verwenden?

Gleich für mehrere Vorhaben: das Glasfenster verwirklichen, das genannte Buch drucken und meine Wachsfigur «Der staunende Mensch» in Bronze giessen lassen.

Die Preisverleihung findet am 14.November um 18.30 Uhr im Stadttheater Olten statt.