Solothurn ist geografisch gesehen weit weg von der rätoromanischen Schweiz. Dagegen wird hier – zumindest literarisch betrachtet – der Kulturaustausch zwischen den Sprachregionen sichergestellt. Die CH-Stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit mit Sitz im Kantonshauptort fördert nämlich seit 1974 mit der Buchreihe «ch Reihe» den literarischen Austausch über die Sprachgrenzen hinaus. Die von allen Kantonen finanzierte Stiftung unterstützt mit Druckkostenbeiträgen Übersetzungen von Schweizer Autoren respektive deren Werke in andere Landessprachen – Literatur aus der ganzen Schweiz für die ganze Schweiz, wie die NZZ vor Jahren schrieb.

«Diese Buchreihe ist darum die kleinste Universalbibliothek der Welt», heisst es auf der Website der CH-Stiftung. Sie repräsentiere die Schweizer Gegenwartsliteratur in einer exquisiten Auswahl als ein Werk von Übersetzerinnen und Übersetzern. Die Buchreihe sei Beweis dafür, dass «Übersetzungen die fünfte Schweizer Literatur sind».

Zur Buchreihe gehören auch Werke in rätoromanischer Sprache. Dabei handle es sich fast nur um Übersetzungen aus dem Romanischen in eine andere Landessprache, erklärt Chasper Pult, der in der Herausgeberkommission der «ch Reihe» zuständig ist für die rätoromanische Schweiz. Vor längerer Zeit seien einige Novellen aus der Westschweiz ins Rätoromanische übersetzt worden. Vorwiegend würden Prosa, Romane und Novellen übersetzt.

Laut Statistik der CH-Stiftung wurden im Rahmen der Buchreihe seit 1974 insgesamt 274 Bücher von Schweizer Autoren in eine andere Landessprache übersetzt (siehe Tabelle). Am meisten vom Französischen ins Deutsche (82), gefolgt von Deutsch ins Französisch (66). Seit 41 Jahren sind jährlich fünf bis acht Bücher von Schweizer Autorinnen und Autoren in eine der vier Landessprachen übertragen worden. Naturgemäss am wenigsten übersetzt wurden literarische Werke aus der rätoromanischen Schweiz. Bis in die frühen 90er-Jahre erschienen die Bücher der «ch Reihe» in einem einheitlichen Erscheinungsbild. Heute werden die Bucheinbände der jeweiligen Verlage übernommen; das Logo der «ch Reihe» ist aber im Impressum immer angegeben.

«Gefördert werden Übersetzungen literarisch wertvoller Bücher, die sonst kaum über die Sprachgrenzen hinaus verlegt werden», erklärt Tanja Pete, Programmkoordinatorin der «ch Reihe». Die Herausgeberkommission wähle aus den Neuerscheinungen des Jahres eine Anzahl von Büchern aus, die sie den Verlagen zur Übersetzung in eine andere Landessprache empfiehlt. «Alle interessanten und qualitativ guten Publikationen würden vorgeschlagen, es gibt keine speziellen Bedingungen», ergänzt Pult. Für die Herausgabe eines Titels in der «ch Reihe» könnten sich alle Verlage aus der Schweiz und ausgewählte Verlagshäuser aus Italien bewerben. Die Stiftung unterstütze die Bücher wie erwähnt mit einem einmaligen Druckkostenbeitrag, die Übersetzungskosten würden in der Regel von Pro Helvetia subventioniert.

Die Idee zur Buchreihe hatte der Journalist und Autor Hans Tschäni bereits 1968. Er unterbreitete der Stiftung den Vorschlag, den Austausch des literarischen Schaffens zwischen den Sprachregionen zu fördern. Im Fall der rätoromanischen Sprache sei dies der Fall, erklärt Chasper Pult. Das Interesse an der Literatur aus diesem Landesteil steige tendenziell, nicht zuletzt dank den zweisprachigen Ausgaben. «Es gibt gar einzelne Erfolgsautoren wie beispielsweise Oscar Peer und Leo Tuor.» Im Rahmen der «ch Reihe» wurden bereits je vier Werke von beiden Autoren in eine andere Landessprache übersetzt.