Kantonales Amt
Kultur- und Sportchefin ist 100 Tage im Amt: «Es wäre schön, wir hätten mehr Manpower»

Vor 100 Tagen hat Eva Inversini die Stelle als Chefin im Amt für Kultur und Sport des Kantons Solothurn von Cäsar Eberlin übernommen. Sie berichtet, wie sie ihre neue Aufgabe angeht.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Eva Inversini, die neue starke Frau im kantonalen Amt für Kultur und Sport, mit Sitz auf Schloss Waldegg in Feldbrunnen-St.Niklaus.

Eva Inversini, die neue starke Frau im kantonalen Amt für Kultur und Sport, mit Sitz auf Schloss Waldegg in Feldbrunnen-St.Niklaus.

Thomas Ulrich

Eva Inversini, Sie sind seit 100 Tagen im Amt. Wie ist es, als Chefin des Amtes für Kultur und Sport Kanton Solothurn zu arbeiten?

Eva Inversini: Ich bin hier angekommen und habe meinen Berufswechsel noch keine Sekunde bereut. Nach der Neupositionierung des Kunsthauses Grenchen nun als Kulturbeauftragte für die Geschicke der Kultur und des Sports im gesamten Kanton und über alle Bereiche hinweg mit verantwortlich zu sein, ist eine grosse Erfüllung. Der Antritt dieser Stelle kam für mich persönlich genau zum richtigen Zeitpunkt – es fühlt sich an wie eine «logische» Folge meiner bisherigen Tätigkeiten. Das empfinde ich als ein Geschenk.

Kultur als roter Lebensfaden

Eva Inversini (*1975) ist in Langenthal aufgewachsen. Sie liess sich zur Primarlehrerin ausbilden und unterrichtete an verschiedenen Schulstufen. Danach absolvierte sie ein Studium der Kunstgeschichte, in Verbindung mit Betriebswirtschaft und Pädagogik an der Universität Bern, das sie 2006 mit dem Lizentiat abschloss. Parallel zum Studium arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunsthaus Langenthal, das sie 2006 interimistisch leitete.

Es folgten temporäre Anstellungen bei der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia und bei der Bundeskunstsammlung. 2008 bis 2016 war sie die Künstlerische Leiterin des Kunsthauses Grenchen. Am 1. Februar folgte sie auf Cäsar Eberlin als Amtschefin Kultur und Sport Kanton Solothurn. Sie wohnt seit Herbst 2016 in Solothurn. (frb)

Was hat Sie in den vergangenen drei Monaten am meisten beschäftigt?

Es war mir ein grosses Anliegen, rasch und gut mein neues Team kennenzulernen. Ebenso, mich möglichst schnell und tief in die laufenden Geschäfte einzuarbeiten. Es gilt, alle Ansprechpartner und Gruppen – verwaltungsintern und extern – kennenzulernen, Antrittsbesuche zu machen, mich vorzustellen. Doch auch das Tagesgeschäft hat mich mit dem ersten Arbeitstag sofort gefordert. Beispielsweise die Kritik in der Öffentlichkeit am Kunst-am-Bau-Projekt für das Bürgerspital Solothurn oder die Erneuerungswahlen des Kuratoriums.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Kuratorium?

Ich arbeite eng mit dem Präsidenten des Kuratoriums, Christoph Rölli, zusammen. Wir sind daran, die künftigen Formen der Zusammenarbeit und die gemeinsamen Themen zu definieren. Mit der Fachkommission Bildende Kunst und Architektur habe ich im Rahmen der aktuellen Kunst-und-Bau-Projekte bereits intensiv zusammengearbeitet. Anfang März – also praktisch am Beginn meiner Amtszeit – hatte das Kuratorium zu einer Kulturkonferenz mit rund 100 Kulturschaffenden des Kantons eingeladen. Dies hat mir die Gelegenheit gegeben, auf einen Schlag sehr viele Kulturschaffende kennenzulernen und innerhalb kürzester Zeit eine Fülle von Informationen zu erhalten.

Wie beurteilen Sie die Arbeit der Fachkommissionen. Ist dieses Kuratoriums-System mit «Milizlern» heute noch zeitgemäss?

Die fachkompetente Arbeit des Kuratoriums ist für die Kulturförderung zentral. Diese legt inhaltlich eine Basis für die weitere Beurteilung der Projekte durch das Amt unter Berücksichtigung strategischer, kultur- und förderpolitischer sowie formeller Gesichtspunkte. Auf der Grundlage dieser gemeinsamen Vorarbeit trifft der Regierungsrat auf unsere Empfehlung hin seine Entscheide. Als «Milizler» stehen die Kuratoriumsmitglieder voll in der Praxis, sie verfolgen die Entwicklungen in ihren Sparten, deshalb sind ihre Beurteilungen so wertvoll. Sie bilden eine Brücke zu uns und gerade auch weil sie aus allen Teilen des Kantons kommen, können wir sagen, dass dies unsere Arbeit breit abstützt.

Wie ist das Amt für Kultur und Sport generell aus Ihrer Sicht aufgestellt? Es gab ja in der Vergangenheit immer wieder Sparrunden?

Ja, das Amt ist stark verschlankt. Es wäre schön, wir hätten mehr Manpower; das kann ich jetzt schon sagen. Zu tun hätten wir genug. Doch es gilt, mit den vorhandenen Ressourcen das Optimum herauszubringen. Es gibt Möglichkeiten, neue Arbeitsformen zu realisieren. Stichwort Digitalisierung; da sind wir alle gefordert.

Immer wieder wird diskutiert, Teile der Kulturförderung ins ordentliche Budget aufzunehmen und nicht alles über den Lotteriefonds zu finanzieren. Wie stehen Sie dazu?

Regierungsrat Remo Ankli hat schon länger signalisiert, dass ein fester Betrag für die kulturellen «Leuchttürme» des Kantons ins ordentliche Budget aufgenommen werden sollte, und ich sehe das genauso. Dies würde den Lotteriefonds entlasten und es wäre ein deutliches Zeichen der Wertschätzung für die Kultur. Dies stünde unserem Kanton – Stichwort Standortfaktor – gut an. Selbstverständlich braucht es die Lotteriefonds-Mittel für die Kulturförderung zwingend auch weiterhin. Das ist klar.

Wertschätzung der Kultur: Vermissen Sie diese?

Gerade in Zeiten des Spardrucks wird Selbstverständliches oft für zu selbstverständlich genommen: Der achtsame Umgang mit Traditionen schwindet und es wird leider allzu schnell vergessen, dass Kultur hilft die Augen zu öffnen, Neues zu erschaffen, kritisch zu hinterfragen, Kompass zu sein und Menschen zusammen zu bringen. Sie ist eine Art «Nahrungszufuhr» für Geist und Seele, zu unserer Freude, in der Trauer und zum Nachdenken. Nicht jeder Mensch hat dieselben Vorlieben, aber jede hat ihre Berechtigung. Diese Vielfalt, das Anerkennen verschiedener Werthaltungen, hält unsere Demokratie am Leben.

Welche Ziele haben Sie sich als Amtschefin gesetzt?

Kurzfristig ist es mir wichtig, die ganze Übersicht zu gewinnen. Ich tendiere auf eine grundsätzliche Auslegeordnung in den verschiedenen Bereichen der Kulturpflege und -förderung, mit dem Ziel einer umfassenden Übersicht über die Vergabe von Beiträgen, je Bereich, Region, Institution. Zusammen mit den Auswertungen der Kulturkonferenz bilden diese Daten die Basis für die Empfehlungen zum weiteren Vorgehen langfristig. Die erwähnte Digitalisierung ist ein Thema. Hier gilt es, keine Entwicklungen zu verpassen, aber auch nicht jeder Mode aufzusitzen. Und Kulturvermittlung ist mir ein Anliegen – Kultur leistet für mich einen Beitrag zu einer ganzheitlichen Bildung junger Menschen.

Im Amt ist ja auch der Sport integriert. Neuland für Sie?

Sport ist eine Form der Kultur. Als ehemalige Lehrerin habe ich unter anderem auch Sport unterrichtet – ich habe also konkrete Praxiserfahrung. In die Fragestellungen der Sportförderung aber habe ich mich noch einzuarbeiten. Mit Jürg Schibler als Leiter und stellvertretendem Amtschef ist die Sportfachstelle aber top geführt. Die Sport- und Kulturförderung hat in unserer Zeit grosse gemeinsame Themen und Herausforderungen zu bewältigen. Beispielsweise Antworten auf die Frage danach, wie wir unsere Kinder hinter den Bildschirmen hervorholen, ihnen authentische Erfahrungen in der Natur, im Theater, im Museum usw. ermöglichen und sie in Bewegung halten. Es geht nichts über die Begegnung mit dem «Original» – sei es die Kletterwand, ein Mitmensch oder ein Kunstwerk!