Kanton Solothurn
Kühe garantieren den Bergwirtschaften in der Coronakrise das finanzielle Überleben

Auch Bergwirtschaften stecken in der Coronakrise: nachgefragt auf der Unteren Tannmatt, dem «Bettlebärg» und dem Allerheiligenberg.

Hans Peter Schläfli
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Froh über ein zweites Standbein: Daniel Schaub, Wirt und Bauer auf der Unteren Tannmatt bei Herbetswil

Froh über ein zweites Standbein: Daniel Schaub, Wirt und Bauer auf der Unteren Tannmatt bei Herbetswil

Hans Peter Schläfli

Zu einem Ausflug auf den Jura gehört die Einkehr in eine Bergwirtschaft einfach dazu. Normalerweise. Diesen Frühling müssen Wanderer und Biker ihre Getränke aber selber auf den Berg tragen, während sich die Wirte wegen der Coronakrise trotz Kaiserwetter hart am existenziellen Abgrund bewegen, wie drei Beispiele belegen.

Verantwortung für die Angestellte

«Ich habe zum Glück drei Standbeine», beschreibt Daniel Schaub seine Situation auf der Unteren Tannmatt oberhalb Herbetswil. Seit sechs Jahren führt er hier das beliebte Bergrestaurant auf der zweiten Jurakette auf rund 1000 Meter über dem Meer. Zudem sömmert er 150 Rinder und hält 12 Milchkühe. Über 400 Jahre alt ist das Haus, das wegen der regionalen Bauernküche weitherum bekannt ist. Doch nun bleiben die 28 Plätze in der gemütlichen Gaststube und die Gartenwirtschaft mit 40 Plätzen leer. «Als Hilfe im Restaurant habe ich extra eine Frau angestellt, denn normalerweise gibt’s bei uns den ganzen Tag warme Küche. Jetzt muss ich schauen, dass sie wenigstens Erwerbsersatz erhält. Ich fühle mich für ihren Lohn verantwortlich, kann ihn aber nicht zahlen.»

Ob er selber für die Einbussen wegen der Schliessung des Restaurants entschädigt wird, weiss Daniel Staub nicht. Trotzdem will er nicht reklamieren: «Der Bundesrat hat perfekt gearbeitet. Wir müssen mehr aufeinander Rücksicht nehmen. Vielleicht ist die Coronakrise ein Anstoss, dass jeder Einzelne ein wenig zurückbuchstabiert und weniger egoistisch lebt.»

Take-away auf dem «Bettlebärg»

Markus Lerch vom «Bettlebärg» ist alleine auf die Einnahmen aus dem Restaurant mit 30 Plätzen, einem Säli und einer grossen Terrasse angewiesen. Not macht erfinderisch: Seit dem 1. April verkauft er nun von 11 bis 16 Uhr einfache Menus als Take-away. Risotto oder Älplermakkaroni zum Mitnehmen und einen Nussgipfel zum Dessert gibt es unter der Wandflue zu kaufen. Nicht all die vielen Wanderer, Jogger, Biker, Motorradfahrer und Drachenflieger, die den Ort normalerweise besuchen, dürften vom Angebot erfahren haben. «Einen grossen Andrang habe ich nicht, es ist mehr eine Beschäftigungstherapie, damit mir nicht die Decke auf den Kopf fällt», sagt Lerch. «Ich habe im Winter viele Getränke eingekauft und bin froh, wenn ich das Lager etwas abbauen kann.»

Er habe Erwerbsersatz beantragt. «Einen Kredit will ich nicht aufnehmen, dann höre ich lieber gleich auf. Einen Haufen Schulden will ich mir nicht antun.» Lerch macht kein Geheimnis daraus, dass ihm die Coronakrise auf die Moral schlägt. «Da entscheiden Leute, die in Bundesbern so oder so einen schönen Lohn bekommen, über mein Schicksal und meine Zukunft, und ich habe dazu eigentlich gar nicht viel zu sagen.»

Selbstbedienung hier nicht möglich

Seit dem 11. März sollte unter der Woche in der «Bärgwirtschaft» auf dem Allerheiligenberg oberhalb Hägendorf das Restaurant mit Selbstbedienung offen sein. An Sonntagen wären hier bei schönem Wetter zudem bis zu 50 Personen drinnen und 60 draussen bedient worden. Daraus wird bis auf weiteres nichts. «Auch bei Selbstbedienung hätte zur Kontrolle der Sicherheitsvorschriften immer jemand von uns anwesend sein müssen», beschreibt Fabian Spring, der mit seiner Frau Valerie die beliebte Einkehr zwischen der Teufelsschlucht und dem Belchen auf 860 Metern über Meer in zweiter Generation betreibt, die Situation. Das hätte sich nicht gerechnet und so sei nichts anderes übrig geblieben, als den Betrieb einzustellen und Kurzarbeit zu beantragen.

«Weil wir mit rund 45 Kühen mit Kälbern in Muttertierhaltung ein zweites Standbeine haben, ist für uns die finanzielle Situation nicht ganz so dramatisch wie für eine reine Bergwirtschaft», erklärt Fabian Spring. «Wir hoffen natürlich, dass wir das Restaurant bald wieder öffnen dürfen. Wir verstehen aber, dass die Gesundheit vorgeht, und akzeptieren deshalb den Entscheid.»

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