Claude Barbey, wie sind Sie zum Präsidiumsposten der Visarte Sektion Solothurn gekommen?

Claude Barbey: Ueli Studer, der Land-Art-Künstler aus Rüttenen, hatte vor mir das Amt ad interim inne. Er fragte mich an, ob ich nicht interessiert sei. Ich bin Idealist und wollte die Herausforderung, den Verein in eine neue Ära zu führen, übernehmen. Da der Verein dieses Jahr 90 Jahre alt wird und deshalb ein paar Veranstaltungen aufgegleist werden sollen, hat mich das zusätzlich gereizt. Aus diesen Aktivitäten soll neuer Schwung für die kommenden Jahre gewonnen werden.

Ein nicht ganz einfaches Präsidenten-Amt. Sie könnten sich doch jetzt, nach Ihrer Pensionierung, zurücklehnen?

Ja, das stimmt schon. Allerdings habe ich seit meiner Pensionierung meine künstlerische Arbeit wieder aktiviert, und ich bin auch gerne gesellschaftlich tätig. Kunst ist ein hartes Brot und braucht den gesellschaftlichen Kontext. Ebenso braucht die Gesellschaft die Kunst. Dies möchte ich gerne vermitteln. Zudem hat mir dieses neue Amt persönlich schon zu interessanten Kontakten verholfen, was mich sehr freut.

Um Visarte Solothurn war es ja in den vergangenen Jahren ziemlich still geworden. Warum?

Das Hauptproblem ist die Überalterung unserer Mitglieder. Die jungen Solothurner Künstler melden sich meist nicht mehr bei uns an. Sie wurden aber auch nicht aktiv von uns «abgeholt». Das muss sich unbedingt ändern. Da muss die Visarte viel aktiver sein. Heute sind noch rund 70 Kunstschaffende Mitglied bei Visarte Sektion Solothurn. Dabei gäbe es noch viele Junge, die tätig sind.

Warum ist es so schwierig, an die jungen Künstlerinnen und Künstler zu kommen?

Das liegt vor allem daran, dass der Kanton Solothurn keine Kunsthochschule hat. Wer sich ausbildet, macht dies in einem anderen Kanton und meldet sich dann dort in der entsprechenden Visarte-Sektionen an.

Wie feiern Sie nun das 90-jährige Bestehen?

Wir haben wenig Geld in der Vereinskasse, da wird man erfinderisch. Ans klassische Sponsoring für klassische Aktivitäten haben wir gar nicht erst zu denken begonnen. Deshalb hatten wir ganz unkonventionelle Ideen, die jetzt auch realisiert werden. Der eigentliche Start unserer Festlichkeiten beginnt mit der Grenchner Kulturnacht am 30. April. Die Arbeit hat aber schon seit einiger Zeit begonnen.

Sie lancieren etwas völlig Neues, eine Ausstellung, die sich «Virtuos-Virtuell» nennt. Können Sie mehr darüber erzählen?

Die Idee, die dahinter steht, ist das Bedürfnis nach Vernetzung und Bekanntwerden der Kunstschaffenden. Visarte Solothurn hat verschiedenste öffentliche Institutionen angefragt, ob auf ihrer Homepage das Visarte-Logo und ein Link zu unseren Künstlern aufgeschaltet werden kann. Wer dabei mitmacht, erlaubt uns neben seinem Firmenlogo auf der Homepage, einen Hinweis auf unsere Ausstellung «Virtuos-Virtuell» zu platzieren. Klickt nun ein Besucher auf unser Logo, bekommt er drei Werke eines unserer Künstler mit Angaben zu seinem Schaffen, seiner Person und die Kontaktdaten zu sehen. Hat er mehr Interesse an einer Arbeit, kann er sich via Link direkt mit dem Künstler in Verbindung setzen. Er kann aber auch eine Liste aller Kunstschaffenden durchsehen, die bei «Virtuos-Virtuell» mitmachen.

Was kostet das für den Homepage-Besitzer und für die Künstler?

Für den Homepage-Besitzer entstehen keine Kosten. Unser Nutzen ist die grösstmögliche Verbreitung der künstlerischen Arbeiten. Der mitmachende Künstler muss Visarte einen Unkostenbeitrag von Fr. 100.– bezahlen. Bruno Breiter ist verantwortlich für die Inhalte, bei ihm laufen die Fäden IT-technisch zusammen.

Welche Institutionen machen bisher Zusagen und stellen ihre Homepage zur Verfügung?

Erfreulicherweise die Städte Grenchen, Solothurn und Olten, die Gemeinden Balsthal und Oensingen, das TOBS Theater und Orchester Biel Solothurn, der kantonal Solothurnische Gewerbeverband, Solothurn Tourismus, das Künstlerhaus S11, die Solothurnische Handelskammer, sowie die SIA Sektion Solothurn. Soeben hat sich Regierungsrat Remo Ankli als Patronatsträger zur Verfügung gestellt.

Ein völlig neues Projekt, oder haben Sie dies schon irgendwo gesehen?

Nein, das ist ein Unikat. Es scheint aber zukunftsweisend zu sein, denn Visarte Schweiz hat auch schon ihr Interesse bekundet.

Wie sind die Reaktionen der Kunstschaffenden und wie viele haben sich zum Mitmachen entschlossen?

Zunächst gab es schon mal Kopfschütteln. Doch inzwischen finden alle die Idee gut und man ist gespannt, wie es sich bewährt. Die Anmeldung wurde erst innerhalb der Visarte gestartet. Wir wünschten uns, dass ca 40 bis 50 Künstler dabei sein würden. Auch von den bekannteren Mitgliedern erwarten wir ein solidarisches Mitwirken.

Mehr Infos: www.virtuos-virtuell.ch oder bei Bruno Breiter, Bergstrasse 1, 4513 Langendorf.