Unterbringung
Kritik nach Brand in Solothurn: «Die Asylwohnung war in einem desolaten Zustand»

An der Unterbringungspraxis des Kantons Solothurn wird Kritik laut. Offenbar sollen die Asylsuchenden im vor einer Woche abgebrannten Haus in Solothurn unter sehr schwierigen Verhältnissen gewohnt haben.

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Kritik an der Unterbringung von Asylsuchenden im Kanton Solothurn wird laut. (Symbolbild)

Kritik an der Unterbringung von Asylsuchenden im Kanton Solothurn wird laut. (Symbolbild)

Keystone

Der Kanton hatte im Wohnhaus an der Wengistrasse 40, welches am Montag, 26. November brannte, zwei Stockwerke für die Unterbringung von Asylsuchenden angemietet. Und zumindest eine Wohnung soll in einem desolaten Zustand gewesen sein. «Der Schrank hatte Löcher, die Küche war sehr klein und uralt», äussert sich Françoise Kopf, Leiterin der Organisation IGA SOS Racisme Solothurn, gegenüber «20Minuten». Kopf betreute zwei Familien, die im zweiten Stock untergebracht waren.

Was laut ihren Aussagen ebenfalls zu wünschen übrig liess: Es gab kaum Stühle und wenn jemand einen Stock höher die Dusche benutze, tropfte Wasser durch die Decke. Damit letzterer Mangel behoben wurde, musste Françoise Kopf mehrmals anfragen, berichtet sie. «Das Loch wurde dabei aber nicht gestopft.»

In einem Mehrfamilienhaus an der Wengistrasse 40 in Solothurn brannte es in der Nacht auf Montag, 26.November 2018.
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In dem Gebäude befanden sich zu diesem Zeitpunkt 20 Personen, die grösstenteils mit Hilfe der Feuerwehr aus dem Haus gebracht wurden.
Die Feuerwehr war mit einem Grossaufgebot im Einsatz.
Starke Rauchentwicklung
Sechs Personen starben in dieser Nacht, ein weiteres Kind erlag später seinen Verletzungen im Spital.
Der Kanton Solothurn hatte 2018 im Haus zwei Stockwerke für die Unterbringung von Asylsuchenden angemietet.
Im Haus gab es keine Rauchmelder

In einem Mehrfamilienhaus an der Wengistrasse 40 in Solothurn brannte es in der Nacht auf Montag, 26.November 2018.

Kapo SO

Die Betreuerin spart nicht mit Kritik am Asylwesen im Kanton. Sie spricht von prekären und kaum menschenwürdigen Umständen. Es werde keine Rücksicht genommen auf verletzliche Personen. Eine psychisch kranke Person habe mit fremden Familien zusammenleben müssen. Auf den Bericht eines Arztes habe der Kanton nie reagiert. Und einem Mann im Rollstuhl sei zuerst eine Wohnung im dritten Stockwerk eines Hauses ohne Lift zugeteilt worden.

Die Pendlerzeitung zitiert auch eine Asylsuchende, die im Durchgangszentrum Oberbuchsiten untergebracht ist. «Oft gibt es Schimmel, und alle müssen sich eine Küche mit drei kleinen Kühlschränken ohne Gefrierfach teilen», sagt diese.

Viele Wechsel

In den vier Wohnungen in Solothurn und im Durchgangszentrum Oberbuchsiten hätten die Asylsuchenden bescheidene, aber angemessene Wohnverhältnisse zur Verfügung gehabt, so Claudia Hänzi, Leiterin des kantonalen Amts für soziale Sicherheit, gegenüber «20Minuten».

Weil es in Oberbuchsiten viele Wechsel gibt, sieht es der Kanton als schwierig an, die Infrastruktur in einwandfreiem Zustand zu halten. Man kontrolliere aber täglich, ob die Zimmer sauber und ordentlich seien und ob es irgendwo Schimmel gibt. «Letzterer wird unverzüglich beseitigt», so Hänzi. Sie betont, dass Wert auf eine gute Unterbringung und Betreuung gelegt wird. Zudem nehme man ärztliche Empfehlungen ernst. (ldu)

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