Betreuungsangebote
Kritik an Krippen-Schliessung aus Kita-Reihen wird laut

«Eine Herausforderung für die Kitas, die ohne finanzielle Unterstützung nicht zu meistern ist». So kommentiert Corina Dreier den Entscheid des Kantons, nach den Schulen auch die Kindertagesstätten im Kanton zu schliessen.

Nadja Senn
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Die Kitas mussten auf Anordnung des Kantons bis auf ein Notangebot schliessen. (Symbolbild)

Die Kitas mussten auf Anordnung des Kantons bis auf ein Notangebot schliessen. (Symbolbild)

Thomas Ulrich

Konkret: Am Sonntag entschied der Kanton die Schliessung der Kitas unter Aufrechterhaltung von lediglich einer Notbetreuung. Der Bundesrat verkündete am Montag jedoch, dass die Kitas offenbleiben sollten. Die Folgen des kantonalen Entscheids sind für die Kitas fatal – wie Dreier, strategische Leiterin des Kinderbetreuungszentrums «Easy Kid Care» mit Sitz in Egerkingen und Olten, sagt.

Die Betreuungsstätten sind nun auf die Zahlungen der Eltern angewiesen, die für die nicht öffentlich finanzierten Betriebe die einzige Einnahmequelle darstellen. Bleiben diese aus, so können die Kitas bald nicht mehr weitermachen. Die Anzahl Kinder der Notfallbetreuung entspreche je nach Grösse der solothurnischen Kitas 5 bis 25 Prozent der sonst täglich betreuten Kinder, erklärt Dreier.

Corina Dreier, strategische Leiterin der Kita Easy Kid Care

Corina Dreier, strategische Leiterin der Kita Easy Kid Care

zvg

Auch Kitas können Kurzarbeit beantragen. Diese decken aber nicht alle Bereiche ab. Lehrlinge, Unternehmenseigentümer oder Ehepartner würden laut Dreier nicht entschädigt. Zudem müssen nebst den Löhnen andere Fixkosten wie die Miete weiterhin gezahlt werden; dieses Problem beschäftigt derzeit viele Unternehmen, die ihren Betrieb aufgrund der Vorgaben einstellen müssen. «Wenn die Eltern nicht gewillt sind, die Beiträge solidarisch weiterzuzahlen», so Dreier, sehe es innerhalb eines Monats nicht gut aus für die Krippen. Und: «Würden erst in zwei Monaten finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, dann wäre es zu spät für die Institutionen».

Forderung: Kanton soll jetzt Elternbeiträge übernehmen

Was für Dreier unerklärlich bleibt: Der Kanton schliesst diejenigen Einrichtungen, die gemäss dem Bundesrat gar nicht geschlossen werden müssten. Wie nämlich Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten beim BAG Anfang Woche erklärte, sei es nach wie vor so, dass die Kinder selten Träger des Virus seien – und es bleibe unklar, ob sie ihn überhaupt übertrügen. Folglich habe der Bund beschlossen, weder die Kitas noch die Kinderspielplätze zu schliessen.

Das Paradoxe laut Dreier ist: Die Kitas müssen für eine Notfallbetreuung für fünf Kinder pro Standort sichern – für Eltern, die einen für das System relevanten Beruf ausüben, wie etwa Pflegende oder Ärzte. Gleichzeitig sei aber die Existenz der Kitas bedroht. Anders gesagt: Sie müssen eine Notleistung erbringen – ihnen wird in der eigenen Notlage aber nicht geholfen. Und genau diese – auch laut Kanton – allerwichtigste Notbetreuung, könnte bereits in einem Monat nicht mehr gewährleistet werden – wenn die finanzielle Lage der Kitas nicht gesichert werde, so Dreier weiter. Der Kanton müsse folglich die Elternbeiträge übernehmen, die aufgrund von der angeordneten Schliessung ihre Kinder nicht mehr in die Kita bringen können.

Das Fazit der Kita-Fachfrau ist klar: «Die Schliessung der Institutionen im Kanton führt zu grösseren Problemen und mehr zusätzlichen Kontakten und somit Übertragungen von Erwachsenen zu Erwachsenen durch die zwingende Umorganisation der Betreuung der Kinder». Und während die Schulen früher informiert worden seien, hätten die Kitas innerst kürzester Zeit handeln müssen. Könne der Kanton nicht schnell genug eine Unterstützung bieten, so Dreier, so müsse man Monat für Monat zusehen, wie eine Betreuungstagesstätte nach der andern zugehe. Dreier ist aber überzeugt, dass diese Umstände dem Kanton bewusst sind und er schnellstmöglich eine Lösung präsentieren wird.