"Männerküche"
Kripo-Chef kocht im TV und will zeigen: "Auch wir sind Menschen"

Er ist Chef der Solothurner Kriminalpolizei und Herr über 120 Mitarbeitende. Kochend will Urs Bartenschlager zeigen, dass auch Polizisten nur Menschen sind. Nächste Woche kann ihm die ganze Schweiz in der Fernsehsendung "Männerküche" zuschauen.

Urs Mathys
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In Küche und Job eine sichere Hand in heiklen Situationen: Urs Bartenschlager zu Hause am Werk.

In Küche und Job eine sichere Hand in heiklen Situationen: Urs Bartenschlager zu Hause am Werk.

SRF/Ueli Christoffel

Am nächsten Freitag ist er im Schweizer Fernsehen zu sehen, wie er im Rahmen des Wettbewerbs «SRF bi de Lüt – Männerküche» die Kochlöffel schwingt.

Wollten Sie als Kind später einmal Koch werden – oder bereits Polizist?

Urs Bartenschlager: Tatsächlich wollte ich Koch werden, das war lange mein Berufswunsch – Polizist nicht. Koch wurde ich dann doch nicht, auch weil mir ein Koch davon abgeraten hat.

Sie wurden dann Zimmermann ...

Ja, das hab ich gelernt. Mein Vater war ursprünglich auch ein «Hölziger» – ein Küfer. Ich habe meinen Beruf gerne ausgeübt. Dann kam das Bedürfnis nach Veränderung – auch durchs Weitermachen und die längere Zeit im Militär beeinflusst. Der Wunsch, Polizist zu werden, kam dann erst mit 20 Jahren auf.

Zur Person

Kocht seit Kindertagen

Urs Bartenschlager (46) ist seit Januar 2007 Chef der Kriminalabteilung der Kantonspolizei Solothurn. Er ist verheiratet und wohnt in Riedholz. Der Baselbieter begann seine Polizeikarriere 1992 bei der dortigen Kantonspolizei, in deren Rechtsdienst er 2001 bis 2006 arbeitete. Bartenschlager studierte in Basel Rechtswissenschaften und erlangte 2006 das Lizenziat. Nächsten Freitag, 20.05 Uhr, ist er in der «Männerküche» auf SRF 1 als bekennender Hobby-Koch im Wettstreit mit vier Mitbewerbern zu sehen.

Es folgte die Polizeischule, die Matura auf dem 2. Bildungsweg, das Studium der Rechtswissenschaften. Ein beachtliches Spektrum ...

(Lacht.) Ich merkte, dass ich beruflich anstand. Das entspricht nicht meinem Naturell: Ich will vorwärtskommen und begann, mich komplett neu zu orientieren. Dabei stand auch eine medizinisch-soziale Variante zur Diskussion. Doch auch da hiess es: Du brauchst eine Matur. So hab ich halt berufsbegleitend die Wirtschaftsmatur gemacht. Und schliesslich fiel der Entscheid zum Jus-Studium, das ich dank des Entgegenkommens meines damaligen Chefs bei der Kantonspolizei Basel-Landschaft absolvieren konnte.

Seit 2007 sind Sie Chef der Kriminalabteilung der Kantonspolizei Solothurn. Ein toller Job ...

Ja, es ist nach wie vor mein Traumjob. Er umfasst alles: das Operative; die Polizeiarbeit; die Führungsfunktion; das Mitwirken in Strategie und Management als Angehöriger des Polizeikommandos und in der Schnittstelle zur Staatsanwaltschaft kann ich auch mein juristisches Wissen einbringen. Das ist eine Herausforderung, die mir gefällt

Die direkte «Frontarbeit» fehlt Ihnen nicht?

Ich habe mehrere Jahre an der Front gearbeitet: Ich weiss, was es heisst, Polizist zu sein. Meine Aufgabe heute ist das Management, in grösseren Fällen die Führung zu übernehmen, die Planung der Ressourcen, die Strategie – all dies sind meine Aufgaben. Ich halte meinen Leuten den Rücken frei, sodass sie ihre Arbeit machen können.

Stichwort Ernstfall: Wie kommt man da von 0 auf 100? Oder stehen Sie immer unter Strom?

(Lacht.) Nein, nein, ich bin nicht permanent unter Strom. Man muss sich ganz bewusst abgrenzen können. Wenn ich Pikettdienst habe, bin ich sicher etwas angespannter. Aber mittlerweile habe ich die Ruhe und die Sicherheit, dass ich weiss, wie ich anspruchsvolle Situationen meistern kann. Dazu kommt die Gewissheit, dass ich im Bedarfsfall auf meine Kameraden zählen kann.

Und wann begann der Kriminalist zu kochen?

Ich habe schon als Kind gekocht! Meine früheste Kocherinnerung ist, dass ich in der Küche auf der Ablage gesessen und meiner Mutter in die Kochtöpfe geschaut habe. Das eine und andere habe ich dann selber zu kochen versucht. Das zog sich weiter – ich habs immer gerne gemacht und koche zu Hause auch gerne für meine Frau und mich. Ich habe nicht den Anspruch, ein Mega-Gourmetkoch zu sein und renne nicht von einem Kochkurs zum andern.

Ein idealer Ausgleich zum Job ...

Tatsächlich. Es ist eine tolle Sache. Es fasziniert mich, aus Rohstoffen ein anderes Produkt zu machen. Es ist wie eine Verwandlung. Das ist etwas Schönes, Lebendiges, kann auch kreativ sein. Ich bin aber ein recht strukturierter Koch. Am Anfang steht jeweils ein Rezept, das ich nachkoche und je nach dem ergänze und verbessere. Und das schreibe ich mir dann auch auf, für das nächste Mal.

Die kochenden Männer der dritten Staffel «Männerküche» v.l. Urs Bartenschlager, Elias Bartlome, Beat Büschlen, Hans Tröhler und Daniel Wechsler

Die kochenden Männer der dritten Staffel «Männerküche» v.l. Urs Bartenschlager, Elias Bartlome, Beat Büschlen, Hans Tröhler und Daniel Wechsler

SRF/Ueli Christoffel

Und nun: Ein Kripo-Chef, der am TV in einem Männer-Kochwettbewerb auftritt. Geht das überhaupt?

Wieso denn nicht?

Waren Ihre Vorgesetzten denn nicht irritiert?

Natürlich habe ich meinen Vorgesetzten informiert. Kommandant Thomas Zuber fand das eine gute Sache. Ich sehe dies auch als Chance, die Polizei als Teil der Gesellschaft zu zeigen, der sich nicht zu verstecken hat. Ich bin ja nicht Geheimagent, sondern eine öffentliche Person, die beruflich immer wieder in Erscheinung treten muss. Nun gebe ich halt auch privat etwas preis. Das musste ich mir natürlich gut überlegen.

Wie waren die Reaktionen?

Das Feedback bisher war sehr gut. Ich habe bisher von niemandem negative Kommentare gehört; auch andere Kripochefs reagierten positiv. Wichtig ist ja, dass ich glaubwürdig bleibe. Und das bin ich, auch wenn ich koche. Es ist ein Hobby, ein kreativer Prozess. Ich kann gegen aussen zeigen, dass auch wir Menschen, ein Teil der Gesellschaft sind. Und so ist auch mein Polizeiverständnis. Die Polizei hat eine notwendige Funktion in der Gesellschaft – aber es sind nicht Über- oder Untermenschen, Böse oder Liebe – sondern einfach Menschen, die neben ihrem Job auch noch etwas anderes machen. Ich hoffe, dass mein Mitmachen auch dazu beitragen kann, Goodwill, Sympathie zu wecken. Beim Einkaufen auf dem Samstagsmarkt habe ich jedenfalls bereits erlebt, dass dies gut ankommt.

Gerade der Kripo haftet ja das Etikett des Geheimnisvollen, des Wirkens und Lebens im Hintergrund an. Und nun geben Sie Einblick ins Privateste, in Küche, Haus, Familie ...

(Erstaunt.) Hat die Polizei dieses Image? Für mich ist Öffentlichkeit nichts Neues: Sie können bei Google meinen Namen eingeben und finden alles über mich ... Es gibt auch keinen Grund, dass ich «geheim» leben muss. Natürlich sieht das je nach Funktion – etwa für einen Ermittler im Bereich Betäubungsmitteldelikte – ganz anders aus.

Angst vor bösen Buben, die nach Ihren TV-Auftritten bei Ihnen vor der Türe auftauchen, haben Sie nicht?

Nein. Die hätten sich ja schon früher gemeldet.

Was sagte Ihre Frau zur «Männerküche»?

(Lacht.) Eine Freundin meiner Frau hatte den Anstoss gegeben. Sie war bei uns zu Besuch, ich habe gekocht und da hat sie gefunden, dass das doch etwas für mich wäre. Wir fanden dann: Warum nicht? Erst, als dann feststand, dass ich dabei sein würde, wollte meine Frau zunächst einen Rückzieher machen. Aber jetzt ist sie auch begeistert und findet die Erfahrung toll.

Hat das Kochen etwas mit der Polizeiarbeit gemeinsam?

Beides ist ein kreativer, ein strukturierter Prozess. Besonders wenn man für Gäste kocht, oder jetzt im Wettbewerb, muss man gut planen, man muss eine gewisse Struktur drin haben, damit es ein gutes Resultat gibt. Auch bei der Polizeiarbeit muss man strukturiert vorgehen. Manchmal steht man in einem Fall an und muss auch kreative Ideen haben, damit man im Rahmen des gesetzlich Möglichen und der gegebenen Ressourcen das Optimum herausholen kann.

Welche Küche bevorzugen Sie?

Ich bin offen für alles: Wenn ich ein Rezept sehe, das mich anspricht, probiere ich es aus. Kürzlich war ich in Australien, da kaufte ich ein Kochbuch, aus dem ich nun schon Verschiedenes gekocht habe. Aber dann probiere ich auch wieder Asiatisches aus. Was mich halt gerade «gluschtet» mache ich.

Was ist Ihr Lieblingsessen?

(Überlegt länger.) Wenn ich mich für eine Küche entscheiden müsste, dann wärs wohl die Italienische – die ist sehr vielseitig und spannend. Ein eigentliches Lieblingsmenü habe ich nicht, aber ich esse recht gerne Fleisch. Allerdings: Meine Frau ist Vegetarierin ... so komme ich doch nicht allzu oft dazu. Darum freue ich mich jetzt auf den Sommer, aufs Grillieren (schmunzelt).

Getraut sich Ihre Frau überhaupt noch, Ihnen die Küche streitig zu machen?

Natürlich! Und ich bin froh, dass sie das macht. Wenn ich in der Mittagspause heimgehe, dann kocht sowieso meine Frau. Es ist ja auch nicht so, dass bei uns täglich ein grosses Menü gekocht wird – sonst würde man ja auch Lust und Freude daran verlieren.

Waren Sie nervös bei Ihrem eigenen Koch-Einsatz im Wettbewerb?

Das war natürlich schon eine besondere Situation. Aber ich habe ja ein Menü ausgewählt, das ich bewältigen kann und ich weiss, was ich kann. Klar, ist man nervös, fragt sich, ob alles klappt. Dazu kommt ja, dass man ständig vom ganzen Produktionsteam umgeben ist, kocht und serviert. Aber es ist ja ein Spiel. Ich würde wieder mitmachen – und mit dem Ergebnis bin ich durchaus zufrieden.

Sie kochen gern, Sie essen auch gern. Was tun Sie dagegen, dass man Ihnen das nicht ansieht?

Ich treibe Sport. Ich bin so ein Fitnesscenter-Freak.

Und wann kehren Sie dem Polizeidienst den Rücken und eröffnen ihre eigene Beiz?

Es gibt noch keinen festen Termin (lacht laut). Aber man darf träumen. Für mich ist es durchaus eine reizvolle Vorstellung, in einer schönen Gegend am Meer, zum Beispiel in Frankreich, irgendeinmal etwas in Richtung Gastronomie/Weinbau/Reiterei auf die Beine zu stellen. Aber das ist reine Schwärmerei – denn ich bin sehr zufrieden mit meinem Job und fühle mich hier in der Region auch sehr wohl.