Kriminalstatistik
Chefin der Kriminalpolizei über häusliche Gewalt: «Es gibt eine hohe Dunkelziffer»

Insgesamt gab es im Kanton im vergangenen Jahr weniger Gewaltdelikte. Einen Anstieg verzeichnete die Kantonspolizei aber im Bereich der schweren Gewaltstraftaten und der Häuslichen Gewalt.

Rebekka Balzarini
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 Fabienne Holland ist Chefin der Kriminalpolizei.

Fabienne Holland ist Chefin der Kriminalpolizei.

Bild: Hanspeter Bärtschi

Fabienne Holland, die Gewaltdelikte haben im Kanton im letzten Jahr insgesamt abgenommen, aber die Zahl der schweren Gewaltdelikte ist gestiegen. Sehen Sie eine langjährige Entwicklung oder war das vergangene Jahr eine Ausnahme?

Fabienne Holland: Es gibt zwischen den Jahren tatsächlich starke Schwankungen, aber trotzdem sehen wir, dass die Tendenz bei den schweren Gewaltdelikten steigend ist. Der Kanton Solothurn ist hier kein Einzelfall, diese Entwicklung ist in der ganzen Schweiz zu beobachten.

Was sind schwere Gewaltdelikte?

Die Kriminalstatistik unterscheidet zwischen schwerer und minderschwerer Gewalt. Die schweren Gewaltstraftaten machten 2020 insgesamt 3,8 Prozent aller Gewaltstraftaten aus. Dazu gehören Tötungsdelikte, schwere Körperverletzungen, Vergewaltigungen oder schwere Raubstraftaten.

Wie kann man versuchen, einen weiteren Anstieg dieser Delikte zu verhindern?

Prävention ist wichtig, gerade im Bereich der häuslichen Gewalt. Rückt die Polizei aus, kam es oft bereits zu häuslicher Gewalt. Es gilt dann, weitere Gewalt oder eine Eskalation der Situation zu verhindern. Die Fachstelle Häusliche Gewalt der Kantonspolizei achtet darauf, dass gemeldete Delikte mit einer hohen Qualität bearbeitet werden und arbeitet eng mit anderen Fachstellen zusammen. Beispielsweise mit der Bewährungshilfe, die gewaltausübende Personen nach Wegweisungen gezielt kontaktiert, oder dem kantonalen Bedrohungsmanagement, das Gefährderansprachen im Rahmen Häuslicher Gewalt tätigt. Auch der Schutz von Kindern vor häuslicher Gewalt ist wichtig. Bei Kindeswohlgefährdungen werden Meldungen an die KESB erstattet. Generell werden Opfer und Beschuldigte von Häuslicher Gewalt über die möglichen Beratungsangebote, die Beratungsstelle Opferhilfe sowie die Beratungsstelle Gewalt informiert.

Wie sehr hängt der Anstieg der schweren Gewaltdelikte im privaten Bereich mit Corona zusammen?

Wir haben schon in den Vorjahren einen Anstieg der Fälle im Bereich der häuslichen Gewalt beobachtet. Wie sehr die Zunahme in diesem Jahr mit der Pandemie zusammenhängt, können wir nicht mit Sicherheit sagen. Bei den Einbrüchen war die Auswirkung des Lockdowns eindeutig zu beobachten, nicht aber bei der häuslichen Gewalt. Ebenfalls zu beachten ist, dass die Statistik nur die Zahl der Anzeigen erfasst und nicht die effektive Anzahl der Fälle im Bereich der häuslichen Gewalt. In diesem Bereich gibt es eine hohe Dunkelziffer. Vielleicht gab es auch mehr Anzeigen, weil im vergangenen Jahr auch in den Medien oft über häusliche Gewalt berichtet wurde und die Betroffenen sich getraut haben, Anzeige zu erstatten.