Der Nebel, die Metzgeten und die Farbenwechsel der Blätter sind nicht die einzigen Anzeichen dafür, dass der Herbst in der Region Einzug gehalten hat. Wenn in den Städten der Duft nach gerösteten Edelkastanien in der Luft liegt, ist das der eindeutige Beweis für die dritte Jahreszeit. Und genau diese Edelkastanien geben dieses Jahr besonders zu reden.

Anfangs letzter Woche hiess es aus dem Tessin, dass die diesjährige Marroni-Ernte ganz ausfallen könnte (siehe Kontext). Und in Italien sieht es ebenfalls nach einer extrem schlechten Ernte aus. Darum erhöhten die Lieferanten den Ankaufspreis um bis zu fünf Franken. Bei den regionalen Marroni-Bratern löst diese Entwicklung Unbehagen aus, wie eine Umfrage zeigt.

Grenchen kämpft mit Qualität

Phanneee Fankhauser verkauft ihre Marroni seit zehn Jahren zwischen 14 und 18.30 Uhr nachmittags unter dem Grenchner Stadtdach. Für die italienischen Marroni zahlt man bei ihr 3.20 Franken pro 100 Gramm. Im Minimum eine Menge von drei Säcken à je 25 Kilogramm gehen bei Fankhauser jede Woche über den Ladentisch - von Anfang Oktober bis Mitte März. «Von den jeweils 25 Kilo kann ich zurzeit aber nur etwa 21 gebrauchen, der Rest ist entweder Wurmbefallen oder verfault.»

Bisher sei die Qualität nicht so gut und stimme, wegen der schlechten Ernte, überhaupt nicht mit dem erhöhten Ankaufspreis von 13.30 Franken überein. «Ich will und kann aber nicht teurer verkaufen», klagt Fankhauser. Wenn der Ankaufspreis in den nächsten ein bis zwei Jahren weiter so zunehme, müsse sie wahrscheinlich sogar aufhören.

Beetschen will «sich nicht beklagen»

Seit sieben Jahren verkauft das Solothurner Stadtoriginal Fritz Beetschen Marroni auf dem Kreuzackerplatz. Bei ihm gibt's für drei Franken 100 Gramm italienische Marroni - täglich von 8.30 bis um 20 Uhr. Sein Lieferant hat den Ankaufspreis wegen der geringen Ernte angehoben und zwar auf 13.50 Franken pro Kilo. Und auch bei ihm lässt die Qualität der Ware zu wünschen übrig. Gerade die erste Lieferung sei nicht sehr gut gewesen.

Die Zweite zwar etwas besser, aber von den 25-Kilo-Säcken müsse er jeweils etwa fünf Kilo abschreiben. Komme noch hinzu, dass die Marroni beim Rösten an Gewicht verlieren. «Do verdiensch praktisch nütme», so Beetschen. Grundsätzlich wolle er sich aber nicht beklagen, es sei auch schon schlechter gelaufen. «Es ist ja nicht so, dass ich von dem Geld lebe, aber trotzdem möchte ich rauskommen.»

Cheschtelemuni fehlen Maroni

Seit 176 Jahren verkauft Familie Strazzini in der Stadt Solothurn Cheschtele. 41 Jahre schon sorgt Marzio Strazzini in fünfter Generation dafür, dass in kälteren Tagen die Solothurner ihre Hände an braunen Papiertüten wärmen können. Tatkräftig unterstützt ihn dabei seine Frau Yvonne Strazzini, die sich zurzeit besorgt zeigt: «Es hat einfach nicht genug Marroni.»

Die Ernte sei viel kleiner ausgefallen, weil es im Frühling viel zu lange kalt war. Hinzu komme, dass viele Bäume krank seien, nicht nur im Tessin, auch in Italien, wo sie ihre Marroni her hätten. In Italien sei dabei nicht die Gallwespe das Problem, sondern ein Käfer, der sich in die Bäume frisst. «Bis sich ein Baum davon erholt, falls überhaupt, dauert es bis zu zehn Jahre.»

Wegen der schlechten Ernte habe auch ihr Lieferant den Kilopreis erhöht, und zwar bis zu fünf Franken. «Wir zahlen jetzt pro Kilo um die 15 Franken, geben 100 Gramm Marroni aber immer noch für drei Franken.» Erhöhen könne man den Preis nicht, dann käme gar niemand mehr und man hätte «bernische Verhältnisse mit dreieinhalb Franken oder höher».

Strazzinis haben jetzt auch die Öffnungszeiten gekürzt (11 bis 19 Uhr). «Sonst kommen wir ja nicht weit», sagt Yvonne Strazzini. Ob die Marronis für die ganze Saison reichen, könne sie noch nicht sagen. «Je nachdem wie es kommt, ansonsten müssen wir halt ein paar Tage schliessen.» Es könne sogar sein, dass ihr Häuschen bereits nächste Woche für ein paar Tage geschlossen bleibe.

Beinahe sei es schon in dieser Woche so weit gekommen, hätten sie nicht doch noch eine Lieferung erhalten. «Seit 41 Jahren verkauft mein Mann in Solothurn Marroni und so schlimm war es noch nie, die Natur schlägt zurück», sagt Strazzini.