Frühling: Die Sonne scheint, die Temperaturen steigen. Blumen und Baustellen spriessen aus dem Boden. Kräne in der Landschaft sind ein gewohntes Bild. Ein Kran auf dem Weissenstein oben aber dann doch (noch) nicht. Genau dies ist aber notwendig, soll doch das Kurhaus umgebaut werden. Wie bekommt man über 100 Tonnen Kranteile und Betonballast den Berg hinauf?

Die Antwort: Stück für Stück. Acht Mal sind die Sattelschlepper auf den Weissenstein und wieder hinunter gefahren. Am Donnerstagmorgen startete die ganze Übung, am Freitag in der Früh kamen die letzten Teile oben an. Der Kran wurde dazu in kleine Einzelteile zerlegt. «Damit die Lastwagen die Steigungen und Haarnadelkurven hinauf kommen», erklärt Peter Sebel, der Bauführer. «Die Route wurde im Voraus genau ausgemessen.» Die Höchstschwierigkeit wartete indes erst ganz am Schluss: Die enge Zufahrtsstrasse zum Kurhaus musste voll beladen und rückwärts hochgefahren werden. Millimeterarbeit.

Auf dem Weissenstein wird ein Kran montiert.

Auf dem Weissenstein wird ein Kran montiert.

Am 27. April 2018 wurde ein Kran in Einzelteilen auf den Weissenstein transportiert und dort dann zusammengesetzt.

«Ein Heimspiel»

Die Baustelle ist selbst für Sie nichts Alltägliches? Sebel und Boris Bärtschiger, der Baupolier, schmunzeln bei dieser Frage. «Eigentlich nicht.» Doch vor vier Jahren habe man bereits die Mittelstation der Gondelbahn gebaut. «Deshalb kennen wir die logistischen Schwierigkeiten, die uns erwarten.» Man habe so etwas wie einen «Heimvorteil».

Um den wird man vermutlich noch froh sein. Bis Jahresende soll der Kran nämlich bereits wieder verschwunden sein. Heisst: Alle Arbeiten, sowohl für die Renovation des Kurhauses als auch für den Neubau, für die der Kran benötigt wird, müssen abgeschlossen sein. Heisst: Die «Trinkhalle» des Neubaus muss aufgerichtet, das Dach montiert sein. Ein ambitioniertes Ziel, selbst ohne die erschwerten Bedingungen.

Stichwort erschwerte Bedingungen: Die Betonlieferanten dürfen ihre Lastwagen nicht voll füllen. Aufgrund der Steigung würden sie hinten auslaufen. Mehr Betonmischer oder mehr Fahrten sind die Folge. Der Kran wird seltener zum Einsatz kommen können als dies im Tal der Fall ist. Denn der Wind ist auf dem Berg deutlich stärker. Und nicht zuletzt sind auch die Chauffeure betroffen.

Nicht nur der Kran musste hochtransportiert werden, mehrere tausend Tonnen Material müssen im Verlauf der nächsten zwei Jahre hoch- oder runtergefahren werden. Die Passstrasse vor Augen: Es gibt einfacheres. In diesem Zusammenhang bittet Sebel um Verständnis, dass es auch für den Personenverkehr zu Verzögerungen kommen wird. Aber es gehe einfach nicht anders.

Kran baut Kran

Alle Teile sind oben angekommen, die Montage kann beginnen. Direkt hinter dem Kurhaus soll das Metallungetüm errichtet werden. Dies mithilfe eines Pneukranes, der zuvor schon die Lastwagen entladen hatte. Stück für Stück wächst der Turm in die Höhe. Zuerst das Fundamentkreuz, dann der Turm, dann die Kabine. Es wird geflucht, der Arm muss Teilchen um Teilchen am Boden zusammengesetzt werden. «Das ist normalerweise nicht so schlimm.» Doch dann ist auch dies geschafft, der komplette Arm wird hochgehoben und festgemacht. Noch ein paar Feinheiten, dann ist es vorbei.

Das Aufstellen des Krans beim Kurhaus Weissenstein im Zeitraffer

Das Aufstellen des Krans beim Kurhaus Weissenstein im Zeitraffer

«Die Montage ist grundsätzlich nichts Spezielles», hat Chefmonteur Heinz Plüss im Vorfeld geschrieben. Auf dem Berg seien Platzverhältnisse, die Zufahrt und der Wind Herausforderungen. Doch durch gute Vorbereitung könne an fast jedem Ort ein Kran montiert werden. Und tatsächlich: Bereits am Mittag steht die ganze Geschichte, schwere Bedingungen hin oder her. Für die Kranmonteure ist die Arbeit damit getan, auf der Baustelle hingegen kann es jetzt so richtig losgehen.