Kosovo-Schweizer

Kosovaren haben Schwierigkeiten in der Schweizer Politik

Nationalflagge des Kosovo

Nationalflagge des Kosovo

Schweiz-Kosovaren sind in der Politik kaum vertreten. Das habe mit den erschwerten Startbedingungen zu tun

Sie gehören zu den grössten Einwanderungsgruppen in der Schweiz. Als Kosovaren verstanden werden die Bewohner aus der ehemaligen serbischen Provinz Kosovo, die 2008 ihre Unabhängigkeit erklärt hat. Mit rund 90 Prozent stellen die ethnischen Albaner die grösste Gruppe.

1964 kamen die ersten Arbeitskräfte aus dem Kosovo in die Schweiz. Sie arbeiteten in der Landwirtschaft und später auf dem Bau.

Als ab den späten 1980er-Jahren die Diskriminierung der albanischen Volksgruppe unter dem Regime von Slobodan Milosevic zunahm, kam es verstärkt zum Familiennachzug der ehemaligen Arbeitsmigranten. 1999 brach der Krieg zwischen der NATO und Jugoslawien aus. Kosovo wurde zum UNO-Protektorat.

Zwischen 200'000 und 250'000 Albaner leben heute in der Schweiz. Die meisten davon stammen aus dem Kosovo. 2016 lebten im Kanton Solothurn 5534 Kosovaren – die Eingebürgerten Personen nicht mitgezählt. Noch immer haben sie einen schlechten Ruf. Das hängt nicht zuletzt mit den albanischen Drogenbanden zusammen, die seit den 1990er-Jahren aktiv sind.

Doch bereits vorher lebten gemäss Sarah Gretler etwa 80'000 Albaner (davon 50 000 Kosovaren) in der Schweiz – und hatten eine gute Reputation. Allerdings wurden sie damals als Jugoslawen wahrgenommen. Gretler ist Co-Autorin des Buches «Kosova-Schweiz, die albanische Arbeits- und Asylmigration zwischen Kosovo und der Schweiz (1964–2000)».

Viele kamen unfreiwillig

Allmählich drängen die Kinder der Einwanderergeneration in die Politik. Mit Shpetim Xhemaili (CVP, Trimbach), Kosovare Rrustemi (SP, Derendingen) und Perparim Rekaj (FDP, Lohn-Ammannsegg) kandidierten im März drei Personen für den Kantonsrat. Sie blieben chancenlos.

Allerdings sind unter den 100 Solothurner Kantonsräten nur wenige mit Migrationshintergrund. Die Parlamentarier mit deutschen und italienischen Wurzeln sind an einer Hand abzuzählen.

Gemäss Sarah Gretler hat die geringe politische Vertretung von Kosovaren vielfältige Faktoren. Sie erwähnt insbesondere die «bleiernen 1990er-Jahre» unter der bewaffneten Besatzung, unter denen andere Einwanderergruppen nicht litten.

Zudem seien die Bedingungen der Einwanderung oft ungünstig gewesen. Viele kamen unfreiwillig, und der Familiennachzug geschah oft überstürzt. «Die Startbedingungen waren erschwert. Vieles braucht bei Kosovaren deshalb mehr Zeit.»

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