«Erzählen Sie das doch dem Fährimaa!», gab Amtsgerichtspräsident Pierino Orfei dem Angeklagten an der Verhandlung von gestern in regelmässigen Abständen zu hören. Der 28-jährige Angeklagte Tarik S.* verstrickte sich denn auch mehrmals in seinen eigenen Aussagen und unglaubwürdigen Antworten auf die Fragen des Amtsgerichtspräsidenten.

Er musste sich wegen Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz sowie grober Verletzung der Verkehrsregeln vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen verantworten.

Von 2010 bis 2012 soll der im Niederamt wohnhafte Tarik S. insgesamt zwischen rund 9,2 und 10,7 Kilogramm Heroingemisch besessen und dieses an diverse Abnehmer verkauft haben, um Spielschulden abzubezahlen.

Er soll zu einem Drogenring in der Region Olten-Gösgen gehört haben und ist einer von dutzenden Verdächtigen. Mit dem Verkauf von 10 Kilogramm Heroin sei er ein kleiner Fisch und auf der untersten Hierarchiestufe des Rings anzusiedeln.

Ausserdem soll er als kosovarischer Staatsangehöriger, ohne im Besitz einer Ausnahmebewilligung zu sein, eine Pistole, einen Teleskopschlagstock, ein Schmetterlingsmesser und einen Schlagring besessen haben. Zu guter Letzt sei der Familienvater vor vier Jahren in einer 60er-Zone geblitzt worden – mit 35 km/h zu viel auf dem Tacho.

300 000 Franken Umsatz

Bei der Befragung zu seiner Person gab sich Tarik S. noch selbstsicher und beantwortete die Fragen des Amtsgerichtspräsidenten zu seiner Arbeit, seiner finanziellen Lage und seiner Familie ohne Probleme.

Doch es dauerte nicht lange, bis Orfei zur Anklage überging und die Selbstsicherheit des Angeklagten zu schwinden begann. «Was sagen Sie zur Menge an Heroin, die Ihnen vorgeworfen wird?», fragte Orfei. «Ich weiss es nicht mehr genau, sie scheint mir aber ein bisschen zu hoch», antwortete der Angeklagte.

Auf Nachfrage des Amtsgerichtspräsidenten, weshalb er denn bei der polizeilichen Einvernahme gesagt habe, die Menge sei korrekt, antwortete Tarik S., er habe aus dem Affekt einfach etwas gesagt. «Das war aber nicht so exakt», fügte er an.

Auch bei den einzeln aufgelisteten Verkäufen an identifizierte Personen beteuerte er immer wieder, dass es weniger Heroin sei, als man ihm vorwerfe. «Ihr Drogennatel sagt aber etwas anderes aus», so Orfei. Denn mit den mehr als 2000 Verbindungen auf dem Natel habe man durch eine Hochrechnung die Anzahl der Deals ausfindig machen können.

Während die Stimme des Amtsgerichtspräsidenten lauter und ungeduldiger wurde, wurde diejenige des Angeklagten immer leiser, bis er schliesslich mit gesenktem Kopf «es war wahrscheinlich schon so, wie es hier steht» nuschelte. Insgesamt soll Tarik S. mit dem Verkauf von Heroin rund 300'000 Franken Umsatz erzielt haben. Wer sein Lieferant war, gab der Angeklagte nicht preis.

Schlagstock, Pistole und co.

Doch nicht nur die Frage nach der exakten Menge konnte der Angeklagte nicht mehr beantworten, er will auch nicht gewusst haben, dass einer seiner Kunden die Drogen weiterverkauft haben soll. «Ich dachte, er hat es selber genommen», so der Angeklagte.

Orfei meinte, dass es selbst für einen stark Drogensüchtigen ausgeschlossen sei, die verkaufte Menge selber zu konsumieren, und fügte an: «Solche Antworten glaubt Ihnen niemand. Also erzählen Sie das doch dem Fährimann!»

Auch davon, dass er die Waffen, die er besass, nicht hätte besitzen dürfen, will der Angeklagte nichts wissen. Er habe gedacht, dass er sie zu Hause halten, aber nicht mit sich tragen dürfe. Ein Schlagstock sei für ihn fast dasselbe, wie ein Baseballschläger.

Pierino Orfei wollte wissen, weshalb er sich überhaupt eine Pistole gekauft habe. «Haben Sie gedacht, dass Sie die für Ihr Doppelleben brauchen?» Dies sei jedoch nicht der Grund gewesen: «Ich habe Waffen halt gern», antwortete der Angeklagte. Woher er die Waffen hatte, wollte er ebenfalls nicht sagen.

5,5 Jahre oder 12 Monate?

Staatsanwalt Philipp Rauber forderte in seinem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten für das Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen nach richterlichem Ermessen für den Besitz der Waffen und die Geschwindigkeitsübertretung. Die Verteidigung plädierte hingegen auf eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten auf Bewährung und 40 Tagessätze. Das Urteil wird nächsten Donnerstag mündlich eröffnet.

* Name der Redaktion bekannt