Sparzinsen im Keller

Konto-Gebühren und Spesen fressen teilweise den Zinsertrag weg

Geld auf Bankkonten erbringen keinen Zinsertrag.

Geld auf Bankkonten erbringen keinen Zinsertrag.

Die Sparzinsen sind tief im Keller. Normalsparer erzielen für Einlagen bei Banken in der Region Solothurn kaum noch eine Rendite, wie eine Umfrage zeigt.

Wer sein Geld nicht in risikoreiche Anlagen wie Aktien investieren will und bereits Wohneigentum besitzt, ist «arm» dran. Denn die klassischen Anlageformen bieten nebst hoher Sicherheit kaum noch etwas. Die logische Annahme für Bankkunden, dass sich ihr Geld bei der Bank automatisch vermehrt, ist ausser Kraft: Die Sparzinsen sind tief im Keller. Unter Berücksichtigung der Spesen und Gebühren schrumpft bei einigen Instituten gar der deponierte Geldbetrag. Dies zeigt eine Umfrage unter primär in der Region tätigen Banken.

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Der Vergleich basiert auf dem vereinfachten Modell eines Beispielkunden. Dieser hat durchschnittlich 10 000 Franken auf dem Privatkonto und 20 000 Franken auf einem ganz normalen Sparkonto ohne Sonderbedingungen. Er besitzt keine Kreditkarte seiner Hausbank, nutzt aber E-Banking und verzichtet auf die Zustellung von Bankauszügen auf Papier.

Am wenigsten Jahreszins gibt es mit 5 Franken bei der Baloise Bank SoBa, am meisten bei der Valiant Bank mit 30 Franken. Unter dem Strich – nach Abzug von Gebühren und Spesen – hat unser Beispielkunde bei der Regiobank Solothurn und bei der Valiant Bank mit 25 Franken Ende Jahr am meisten angespart. Bei der Berner Kantonalbank und der Clientis Bank im Thal muss der Kunde am Schluss gar noch draufzahlen.

Rendite unter null

Festzuhalten ist, dass für den Normalsparer in der Realität kaum bei einer Bank noch etwas übrig bleiben wird. Denn beispielsweise besitzt praktisch jeder Bankkunde eine Maestrokarte und tätigt Transaktionen. Das alles kostet und diese Spesen und Gebühren fressen die mickrigen Zinserträge definitiv auf. Ein umfassenderer Vergleich ist aber angesichts der unterschiedlichsten Bedingungen für diese Dienstleistungen fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Negativzinsen noch kein Thema

Und die Aussichten für den Sparer sind nicht rosig. Mit der teilweisen Einführung von Negativzinsen auf Bankgelder, welche die Geschäftsbanken bei der Schweizerischen Nationalbank lagern, bleiben die Zinsen auf mittlere Sicht tief. Zwar versichern alle angefragten Banken, dass vorerst die Privatkunden nicht mit Negativzinsen rechnen müssen. «Im klassischen Zinsdifferenzgeschäft refinanzieren wir uns fast ausschliesslich mit Kundengeldern. Daher ist die Anwendung von Negativzinsen für Privatkunden und KMU aus heutiger sicht kein Thema», meldet etwa Giancarlo Grifone, Leiter a.i. der Raiffeisenbank Solothurn.

Das muss aber nicht so bleiben. Ganz ausschliessen will Markus Boss, Chef der Regiobank Solothurn, das Szenario in dieser turbulenten Phase nicht. «Aber Negativzinsen für Privatkunden sind bei uns äusserst unwahrscheinlich.» Wenn die Nationalbank die ‹Spielregeln› ändere und die Freigrenze für bei ihr parkierte Gelder aufhebe, «könnten auch wir gezwungen sein, Negativzinsen aus wirtschaftlichen Gründen einzuführen», sagt Thomas Vogt, Leiter der Spar- und Leihkasse Bucheggberg in Lüterswil.

Weitere Zinssenkung denkbar

Dagegen ist eine weitere Senkung der Zinsen nicht auszuschliessen, obwohl das bei den heute geltenden Tiefst-Sparzinsen kaum noch möglich ist. «Wir behalten uns vor, je nach Marktsituation die Verzinsung der Privat- und Sparkonten anzupassen», erklärt Alex Josty, Sprecher der Berner Kantonalbank. Ins gleiche Horn stösst Hans Peter Schrenk, Chef der Clientis Bank im Thal in Balsthal. «Dabei würden die langfristigen Kundenbeziehungen berücksichtigt.» Mögliche produktspezifische Anpassungen werde man weiterhin prüfen, ergänzt Marco Sauser, Sprecher der Baloise Bank SoBa: «Der Spielraum wird immer kleiner. Aber die Märkte spielen derzeit verrückt und diese verfolgen wir intensiv.» 

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