Fasnacht

Konfetti, eine trockene Form des «Meitlibadens»

Im Mittelalter, als die Segnungen der Konfetti noch nicht bekannt waren, hätten die drei Typer der Dreiangel-Bully-Zunft ihr Opfer in Wasser gebadet.

Im Mittelalter, als die Segnungen der Konfetti noch nicht bekannt waren, hätten die drei Typer der Dreiangel-Bully-Zunft ihr Opfer in Wasser gebadet.

Alle Jahre wieder wird an den Fasnachtsumzügen das grosse Papierschnipsel-Littering inszeniert. Was hat es eigentlich auf sich mit den Konfetti? Und was haben die Konfetti mit dem «Meitlibaden» zu tun?

Die Dinger sind ekelhaft. Problemlos finden sie den Weg selbst bis hinunter in die Unterwäsche. Die einen schmeissen sie mit blossen Händen ihren Opfern ins Gesicht und in den Kragen. Andere feuern sie aus Kanonen auf die Zuschauerreihen ab und Zwerge schaufeln sie mit grimmigem Ernst aus Schubkarren, um die Ladung den Umstehenden in die Visage zu pfeffern.

Ja, so machts Spass! – Nur, wer zum Kuckuck hat sie erfunden, die bunten Papierschnipsel, die das gigantische behördlich tolerierte kollektive Littering ermöglichen? – Angeblich soll ein Berliner Buchbinder namens Paul Demuth 1887 beim Carnevale di Venezia auf die Idee einer kostengünstigen Light-Version gekommen sein. Light darum, weil in Venedig Konfekt – Confetti – in die Menge geschleudert wurde. Richtiges oder wenigstens solches aus Gips ...

Belohnen und bestrafen

Narren – oder besser: Maskenträger – können seit jeher belohnen und bestrafen. Auch wenn die heutige Fasnacht hierzulande keine ungebrochene Tradition aufweist – in der heutigen Form geht sie im Grunde bloss bis ins 19. Jahrhundert zurück –, ist dieses alte Sowohl-als-auch in ihr erhalten geblieben. Kinder wie Erwachsene können deshalb mit Engelsmiene Orangen und Sugus verteilen und mit noch unschuldigerem Blick kiloweise Konfetti auf die Masochisten am Strassenrand regnen lassen.

Vergleichsweise harmlos, wie man zugeben muss, wenn man bedenkt, dass einem vor 400, 500 Jahren von netten Maskengestalten mit Teufelsfratzen auch der Kopf mit Russ und Kohle geschwärzt werden konnte.

Erinnerung ans «Meitlibaden»

Aber, vielen Dank, Herr Demuth – lieber Konfetti als Russ in den Augen und Gipsschrot um die Ohren – sowie in der Unterhose. Dankbar werden auch die jungen Frauen sein, die am Oltner Umzug von drei Karohemden-Sadisten der Dreiangel-Bully-Zunft in ein Konfettibad getaucht und genüsslich in der Wanne herumgewälzt wurden wie ein geschmeidiger Brotteig. Einstmals wäre ein solches Bad ein nasses und mitunter frostiges Vergnügen gewesen.

Das «Meitlibaden» war ein im Mittelalter verbreiteter Fasnachtsbrauch, der ab 1470 von den Obrigkeiten – mit wenig durchschlagendem Erfolg – verboten wurde. Möglicherweise ein vorchristlicher Reinigungsritus, konnte das «Meitlibaden» darin bestehen, dass die Burschen die Mädchen ihrer Wahl mit Wasser besprengten. Deftiger wurde das Ganze, wenn die Auserwählten tatsächlich in einen Brunnen geworfen wurden. Für die Obrigkeiten war nicht die Rohheit des Brauchs anstössig, sondern der körperliche Kontakt, der sich dabei notwendigerweise zwischen den Geschlechtern ergab.

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