Lohn-Ammannsegg

Konfessionslose Kinder erhalten keinen Gratisunterricht

Konfessionslose Schüler sollen in Zukunft für den Besuch des Religionsunterrichts bezahlen.

Konfessionslose Schüler sollen in Zukunft für den Besuch des Religionsunterrichts bezahlen.

In Lohn-Ammannsegg zahlen konfessionslose Familien künftig für den Religionsunterricht. Dies haben das reformierte und katholische Pfarramt entschieden.

Eltern von konfessionslosen Kindern in Lohn-Ammannsegg werden zur Kasse gebeten, wenn sie ihre Kinder in den Religionsunterricht der Schule schicken wollen: «Ab der 2. Klasse wird für konfessionslose Schüler ein Beitrag von 200 Franken erhoben», steht in einem Schreiben, das die Eltern der zukünftigen Zweitklässler erhalten haben.

Der Religionsunterricht sei im ersten Schuljahr eine Art Schnupperjahr gewesen. Nun werde er alle zwei Wochen in einer Doppellektion geführt. Absender des Briefes sind das reformierte und das katholische Pfarramt, welchen die Verantwortung für den Religionsunterricht obliegt. Bei manchen Eltern von konfessionslosen Schülern sorgte das Schreiben für Stirnrunzeln.

Religion ist ordentliches Schulfach
Grundsätzlich ist der Religionsunterricht ein normales Fach und wird in den Stundenplan der Schüler integriert. Die Eltern entscheiden dann, ob ihr Kind den Unterricht besuchen soll oder nicht. «Der Religionsunterricht ist den übrigen Schulfächern gleichgestellt» steht in einer Weisung des Kantons Solothurn von 2013.

Gleichgestellt bedeute hier aber lediglich, dass Zeit und Räume innerhalb des Schulbetriebs organisiert werden und geschaut wird, dass die üblichen Regeln eingehalten werden, sagt die stellvertretende Amtsleiterin Yolanda Klaus vom Solothurner Volksschulamt.

«So können beispielsweise Disziplinarmassnahmen angewandt werden, wenn ein Kind den Unterricht schwänzt. Auch wird der Besuch des Religionsunterrichts im Zeugnis eingetragen. Für den Unterricht ist die Kirchgemeinde verantwortlich, welche diesen auch finanziert», erklärt Klaus.

Das Volksschulamt hält sich in Sachen Religionsunterricht zurück und lässt allein die Kirchgemeinden über Inhalte und allfällige Gebühren entscheiden.

Wir wollen kein Kinderhort sein»

«Bei den 200 Franken handelt es sich eigentlich um einen symbolischen Beitrag», sagt Stefan Keiser, Gemeindeleiter der katholischen Pfarrei Lohn-Ammannsegg-Bucheggberg. Es gebe vermehrt Kinder, die zu keiner der Landeskirchen gehören. Daher sehe er es auch als eine Frage der Gerechtigkeit, dass die Kosten für den Religionsunterricht von allen mitgetragen werden, die diese Dienstleistung in Anspruch nehmen.

Auch Eltern von Kindern anderer Religionen, beispielsweise muslimische Kinder, müssen den Beitrag bezahlen, falls sie ihre Kinder in den Religionsunterricht schicken wollen. «Uns geht es auch darum, dass wir nicht zu einem Kinderhütedienst werden», erklärt Keiser.

Über die Höhe des Betrags habe man sich mit anderen Kirchgemeinden abgesprochen. «Beispielsweise im Wasseramt wird es gleich gehandhabt». Neu ist die Praxis nicht. Bereits seit etwa 3 Jahren werden für den Religionsunterricht Gebühren erhoben.

Mit dem Lehrplan 21, der in zwei Jahren eingeführt werden soll, wird sich am Religionsunterricht nichts ändern, sagt Yolanda Klaus vom Volksschulamt: «Im Kanton Solothurn behalten wir das so bei, wie es ist.

Auch mit dem Lehrplan 21 wird der Religionsunterricht weiterhin in der Verantwortung der Kirchgemeinden durchgeführt».

Eltern konfessionsloser Kinder in Lohn-Ammannsegg werden also auch in Zukunft zur Kasse gebeten, wenn sie ihre Kinder in den Religionsunterricht schicken wollen.

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