Jean Mauboulès, der «Herr der Linien», der seit Jahrzehnten in formaler Konsequenz mit Eisen, Stahl und Glas, mit feiner, aber extrem tragfähiger Schnur die Ambivalenz von Dichte und Transparenz, von Bewegung und Konzentration, von filigraner Leichtigkeit und eiserner Statik präzisiert. Etliche der nun im Kunstraum Medici präsentierten Werke sind vertraut und lassen doch immer wieder staunen ob der subtilen herausfordernden Kompositionen von Linie, Fläche und Raum als künstlerischer Grundgedanke, wenn das Filigrane das Kompakte zu halten scheint, wenn die zeichnerisch-konkrete Geste und die eiserne Konstruktion sich zur räumlichen Idee vereinen, wenn das Eiserne das Gläserne als prinzipielle Einheit trägt oder das Fragile des Linearen die eherne Form in einem sublimen Gleichgewicht austariert als raffiniert konzipierte Imagination von Fläche und räumlicher Idee.

Ein Meister des radikal Einfachen

Selbst das grosse, raumfordernde stählerne Bodenobjekt wirkt wie eine beschwingte kalligrafische Geste, ideell gedachte Schwingung, die sich auch in den Wandobjekten als zeichnerisch-formale rigorose Ästhetik widerspiegelt: aus einem Stahlstab zu einem geometrischen Liniengerüst gebogen spielt die Irritation mit der räumlichen Wahrnehmung ebenso wie mit der grafischen Resonanz als skizzierter Schattenriss.

Auch die Transparenz der Glascollagen suggeriert in der ausgefeilten Komposition der gegeneinander gesetzten Flächen und Linien eine imaginative dreidimensionale Wirkung. Wie sich überhaupt bei dem 1943 geborenen Jean Mauboulès die Komplexität des radikal Einfachen als eine meisterhaft versierte wie wandelbare Dialektik offenbart, wenn das absolute Gleichgewicht als ein absolutes Moment allein aus Linie und Fläche, Stille und Resonanz den Raum für die Betrachtung bildet.

Bei Jean Mauboulès, der bereits etliche Male im Kunstraum Medici ausstellen konnte und mit dem Galeristen Roberto Medici vor 36 Jahren seine Eröffnungsausstellung im Kunstraum Medici bestritt, zeigt sich die Relevanz seiner künstlerischen Grundidee beispielhaft in jenen Wandobjekten, wenn die Spannung der zwei aus einem Stück Schnur gezogenen und mit feinen Nägeln straff gespannten – Ecke auf Seitenlinien respektive Spitze auf Spitze balancierend – Rechtecke den nur mit einem feinen Nagel fixierten Stahlstab in der harmonischen Schwebe zu halten vermag. Denn auch wenn die Wirkung sagt, es ist der Stahlstab, der diesen zeichenhaften Windhauch trägt, ja tragen müsste, es ist ein ausgetüftelter dynamischer Gleichklang.