Kommentar
Zwei Impf-Welten: Wollen und nicht können – können und nicht wollen

Das Privileg, sich gegen das Coronavirus impfen lassen zu können, ist auf der Welt ungleich verteilt. Und was die Impfskeptiker in unseren Breitengraden den Geimpften zu verdanken haben.

Urs Mathys
Urs Mathys
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Ein unterschätztes Privileg: Die Covidimpfung. (Symbolbild)

Ein unterschätztes Privileg: Die Covidimpfung. (Symbolbild)

Oliver Menge

In manchen Ländern dieser Erde ist möglicherweise noch keine einzige Impfung gegen das Coronavirus verabreicht worden. Nicht etwa deswegen, weil die dortigen Bürgerinnen und Bürger nicht geimpft werden wollen. Sondern schlicht und einfach nur deshalb, weil in diesen Ländern kein Impfstoff gegen die heimtückische Seuche zur Verfügung steht – oder sich höchstens die Reichen und Mächtigen sich das Impf-Privileg verschaffen können.

Kein Wunder, dass diese Staaten, in denen das Geimpftwerden nur der privilegierten Oberschicht möglich ist, heute auf den vordersten Plätzen der «Ranglisten» mit den meisten am Coronavirus erkrankten oder verstorbenen Menschen auftauchen. Für die dort Mächtigen kein Problem: Sie sichern sich ihr Überleben.

Und bei uns? Hier werden die «Mächtigen» in Bund und Kantonen, die sich nach Kräften darum bemühen, dass möglichst viele Bürgerinnen und Bürger sich impfen lassen und vor dem Virus schützen können, von den aggressivsten Impfgegnern als Diktatoren beschimpft, beleidigt und bedroht. Für manche Skeptiker scheint es das zentralste Privileg zu sein, sich nicht impfen lassen wollen zu müssen ...

Doch was, wenn nicht die Impfungen haben uns so weit gebracht, dass wir mit Familie oder Freunden wieder ins Restaurant gehen und etwas feines essen und trinken können? Machen es möglich, dass wir wieder unseren Hobbys nachgehen, gemeinsam Sport treiben, Singen, Musizieren, wieder in die Ferien reisen können? Verhindern, dass unser Leben wieder in einem Lockdown erstarrt oder dass auch bei uns monatelange Ausgangssperren verhängt werden müssen? Was, wenn nicht die Impfungen ermöglichen, dass Firmen wieder eine Perspektive haben, Arbeitsplätze schaffen können?

Und wem haben die Skeptikerinnen und Gegner zu verdanken, dass sie auf die Strasse gehen, ihre «Freiheits-Trychlen» schwenken und lautstark protestieren können? Doch wohl einzig der Tatsache, dass ganz viele ihrer Mitmenschen das Privileg erkannt und genutzt haben, sich impfen lassen zu dürfen.

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