Die A1 beim geplanten Sechsspur-Autobahnausbau im Gäu in einen Tunnel verlegen – für diese Idee macht sich neuerdings auch ein gemeinsames Komitee von Pro Natura und Solothurner Bauernverband stark. Neben den beiden Verbandsspitzen Nicole Hirt (Präsidentin Pro Natura) und Andreas Vögtli (Präsident Bauernverband) gehören Ständerat Roberto Zanetti (SP) sowie die Nationalräte Urs Schläfli (CVP) und Kurt Fluri (FDP) zum Co-Präsidium.

Um mit noch mehr Schlagkraft wirken zu können, wirbt das «Komitee für einen umweltschonenden A1-Ausbau im Gäu» derzeit mit einem Flyer um zusätzliche Mitglieder. Deren rund 100 sind es derzeit bereits, sagt Ariane Hausammann auf Anfrage. Die Geschäftsführerin von Pro Natura Solothurn ist überzeugt, dass das Anliegen eines rund zwei Kilometer langen Autobahntunnels zwischen Oensingen und Oberbuchsiten in den kommenden Wochen noch von vielen weiteren Personen per Unterschrift unterstützt werden wird. Am 2. Mai will das Komitee an einer Medienkonferenz mit seinen Anliegen an die Öffentlichkeit treten.

Den Landverbrauch reduzieren

Erklärtes gemeinsames Ziel von Bauern und Naturschützern sei es, den zusätzlichen Landbedarf für den A1-Ausbau zwischen Luterbach und Härkingen in Grenzen zu halten, bestätigt Pro-Natura-Geschäftsführerin Hausammann. Die vereint gestellte Forderung, dass die zu verbreiternde Asphaltpiste in der Dünnern-Ebene unter den Boden gelegt werde, sei ein weiteres Zusammenarbeits-Beispiel. «Bereits bei der Revision des Raumplanungsgesetzes haben Bauern und Naturschützer in vielen Teilen am selben Strick gezogen.» Mit einem Aufwisch könnten – so die Solothurner Tunnel-Promotoren – die Ansprüche der Verkehrsplaner, der Autolobby, der Bauern, der Natur- und der Landschaftsschützer befriedigt werden. Konkret: Der Autobahnausbau, eine im fraglichen Gebiet seit Jahren geplante A1-Wildtierquerung, ökologische Ausgleichsflächen und die Dünnern-Renaturierung könnten gemeinsam verwirklicht werden.

Bundesrat will prüfen lassen

Mit Motionen haben die beiden Bundes-Politiker Zanetti (im Ständerat) und Urs Schläfli (im Nationalrat) die Tunnel-Forderung auch schon auf die eidgenössische Ebene gehoben. Der Bundesrat hat Roberto Zanetti in der schriftlichen Antwort versichert, dass das Bundesamt für Strassen (Astra) die Machbarkeit der geforderten Tunnel prüfen und aufgrund der Abwägungen der Vor- und Nachteile – auch des nichtmonetären Nutzens – über die Aufnahme der Tunnelforderung in das Projekt entscheiden werde. Weil er sich vor einer solchen Prüfung nicht auf Tunnels verpflichten lassen will, beantragte der Bundesrat den Räten die Ablehnung der Motion. Kurz vor der Abstimmung im Ständerat zog Zanetti deshalb seinen Vorstoss zurück, um dem Anliegen nicht mit einem (zu erwartenden) negativen Abstimmungsausgang zu schaden (wir berichteten). Urs Schläfli dürfte mit seinem Vorstoss im Nationalrat ähnlich verfahren, sobald dieser auf der Traktandenliste der Grossen Kammer figuriert.

Vorbild: A5-Witi-Tunnel

Solothurner Forderungen nach einem Autobahntunnel waren bereits früher erfolgreich gewesen: Zum Schutz der Grenchner Witi wurde die A5 in der Aare-Ebene in einen Tunnel gelegt. Für das Anliegen hatten allerdings gewichtige Argumente gesprochen: Die Witi ist ein Zugvogelrastgebiet von europäischer Bedeutung und gilt als Hasenkammer der Schweiz.