1:12-Initiative
Komitee «Ja zur 1:12-Initiative»: «Sogar ein Bundesrat verdient weniger»

Das Solothurner Ja-Komitee unterstrich am Freitag an einer Pressekonferenz seine Argumente für die Lohninitiative. Die Komitee-Mitglieder sind überzeugt, dass mehr Gleichheit zu mehr Wohlstand führt.

Beatrice Kaufmann
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Cyrill Bolliger (Junge Grüne), Felix Wettstein (Grüne), Sebastian Walter (Juso), Franziska Roth (SP), Niklaus Bolliger (Landwirt) und Markus Baumann (Gewerkschaft)

Cyrill Bolliger (Junge Grüne), Felix Wettstein (Grüne), Sebastian Walter (Juso), Franziska Roth (SP), Niklaus Bolliger (Landwirt) und Markus Baumann (Gewerkschaft)

Zur Verfügung gestellt

«Wir wollen kein Erfolgsmodell zerstören. Wir wollen nur, dass jemand in einem Monat nicht mehr verdient, als ein anderer in einem Jahr.» Sebastian Walter, Präsident der JUSO Kanton Solothurn entkräftigte an der Pressekonferenz des Solothurner Komitees «Ja zur 1:12-Initiative» damit gleich einen Vorwurf, der Gegner. Dass die Initianten nur neidisch seien, liess SP-Kantonsrätin Franziska Roth nicht auf sich sitzen: «Hier geht es nicht um Neid, sondern darum, die Abzocker wieder zum Anstand zurückzuführen.»

Auch heute seien die Saläre der Topmanager kein Naturgesetz, wie Roth betonte. Und mit der hohen Verantwortung seien sie auch nicht zu begründen. «Ein Pilot, ein Arzt und ein Bundesrat verdienen weniger.» Immerhin die Bundesräte, die die Banken in der Finanzkrise aus dem Sumpf gezogen hätten. Dass die AHV geschwächt werde, lässt Kantonsrat Felix Wettstein (Grüne) nicht gelten.

Der Umkehrschluss wäre ja, dass die AHV gestärkt werden könne, wenn die Unterschiede zwischen den Löhnen möglichst gross seien. Lediglich die Steuern würden tangiert. «Jede Steuersenkung um nur ein Prozent hat aber grössere Auswirkungen.»

Unter Ungerechtigkeit leiden alle

Weiter schlügen ungerechte Löhne auf die Gesundheit. «Studien zeigen, dass das Glück am grössten ist, wenn die Lohnsumme hoch, jedoch flach verteilt ist.» Mit Glück hänge auch die Gesundheit zusammen. Ungerechtigkeiten in der Lohnverteilung führten zu krankheitsbedingten Ausfällen, die dem Unternehmen schaden. «Unter ungerechten Löhnen leidet also nicht nur der Chef - an Selbstüberschätzung - sondern die ganze Firma.»

Profitieren würden hingegen die internationalen Finanzmärkte, wie Landwirt Niklaus Bolliger zu Bedenken gab. «Wer jetzt wenig verdient, und nach Annahme der Initiative etwas mehr, der wird das Geld in die lokale Wirtschaft investieren. Die Reichen hingegen investieren in internationale Märkte und Spekulationen.» Die Initiative stärke so die Schweizer Volkswirtschaft, womit für die Landwirtschaft nur ein Ja infrage komme.

Der unheilvollen Prognose der «Abzockerzunft», finanzstarke Unternehmen würden abwandern, wusste Markus Baumann, Präsident des Gewerkschaftsbundes, zu entgegnen: «Es gibt keinen Grund, dass ein Unternehmen seinen Standort wechselt.» Die Schweiz sei das innovativste Land und habe die zweithöchste Standortqualität. Diese Qualitäten stünden nachweislich nicht in Bezug zu hohen Löhnen. «Wenn jemand auswandert, nur um sich zu bereichern, dann ist er kein Topmanager. Auf solche Leute können wir verzichten!»

Studien hätten gezeigt, dass hohe Löhne nicht entscheidend seien, für den Erfolg einer Firma, sondern im Gegenteil »ein gefährliches Risikoverhalten begünstigen». Alles in allem sei die Angstmacherei der Gegner ein Zeichen ihrer Nervosität, wie Cyrill Bolliger (Junge Grüne) anführte. «Diese Nervosität zeigt, dass die Gesellschaft die momentane Lohnschere als ungerecht empfindet.»