Handschellen um die Handgelenke, Handschellen um die Fussgelenke, je ein Verteidiger und ein Polizist als Begleitperson. So wurden die drei Männer im Alter zwischen 21 und 41 Jahren am Montagmorgen in den Gerichtssaal des Amtsgerichts Solothurn-Lebern geführt. Die Vorwürfe gegen die zwei Ivorer (Elfenbeinküste) und den jungen Mann aus Gambia wiegen unterschiedlich schwer.

Am Schwersten für Khadi K.*, der für die Staatsanwaltschaft, gestützt auf Aussagen verschiedener Abnehmer, als «Chef» gilt. Ihm wird vorgeworfen während der Zeit zwischen 2006 und Januar 2014 mit einigen Ausnahmen (Arbeitsvertrag in Spanien, Ausschaffungshaft) in Grenchen an der Centralstrasse, Kirchstrasse und Baumgartenstrasse, Kokain verkauft zu haben. Dies soll er im bandenmässigen Zusammenwirken mit dem zweiten Angeklagten, Oklomin S.* (seit zirka 2009), und dem dritten Beschuldigten, Fatty J.* (seit August 2013), gemacht haben.

In der Anklageschrift wird zudem noch Patrick P.* aufgeführt (mitwirkend seit zirka Oktober 2011), dessen Fall in einem abgetrennten Verfahren behandelt wird. Die Männer sollen regelmässig an eine unbekannte Anzahl Abnehmer eine grosse Menge Kokain – mindestens 2,7 bis Maximum 7,3 Kilogramm – verkauft und so einen Umsatz zwischen 270 000 und 730 000 Franken erwirtschaftet haben.

Wohnung als Umschlagplatz

Wurde der Handel anfangs vor allem auf der Strasse abgewickelt, diente ab Oktober 2011 die Wohnung von Patrick P. als Umschlagplatz. Laut Staatsanwaltschaft war er der Verkäufer und überbrachte den Erlös jeweils in die Wohnung zurück, wo er ihn an einen der drei Angeklagten ablieferte. Als Belohnung erhielt er zum Eigenkonsum zwischen 270 und 730 Gramm. Das erwirtschaftete Geld wurde aber nie sichergestellt, weshalb zwei der Angeklagten zusätzlich noch wegen qualifizierter Geldwäscherei angeklagt sind.

Wer sagt die Wahrheit?

Bei der Befragung der drei Beschuldigten ging es Amtsgerichtspräsident Rolf von Felten vor allem darum, herauszufinden, wann sich die drei Männer in der Schweiz aufhielten und wann nicht. Zwei der drei Angeklagten bestritten jedoch, irgendetwas mit dem Kokainverkauf zu tun zu haben und hielten somit an ihren früheren Aussagen fest. Einzig der 21-jährige Fatty J. gab zu, von Khadi K. Kokain zum Verkauf erhalten zu haben, und belastete so den 41-Jährigenschwer. Dieser äusserte bei seiner Befragung eine Theorie, warum viele Abnehmer ihn als «Chef des Drogenrings» beschrieben: «Ich hatte in Grenchen Probleme mit einem Mann, der mir drohte, weil er dachte, ich hätte etwas mit seiner Frau.» Anschliessend habe sich dort die ganze Freundesgruppe gegen ihn gestellt. Von Felten wollte wissen, was er vom Vorwurf der qualifizierten Geldwäscherei hält. «Dass nie Geld gefunden wurde, ist doch genau der Beweis, dass ich keine Drogen verkaufe», so Khadi K.

Die Plädoyers der Anwälte

Staatsanwältin Claudia Scartazzini erwähnte in ihrem Plädoyer, dass verschiedene Abnehmer aussagten, dass sie bereits seit mehreren Jahren bei Khadi K. Drogen gekauft hätten. Das beweise, dass dieser schon vor dem Zusammenwirken mit den anderen aktiv war. Dass dann ab 2011 die Geschäfte über Patrick P.s Wohnung abliefen, sei von allen bestätigt worden. «Die Verschwörungstheorie von Khadi K. ist eine Schutzbehauptung», so Scartazzini. Auch Oklomin S. sei von den meisten Abnehmern schwer belastet worden. «Es ist klar, dass dieser im grossen Stil Kokain verkaufte oder verkaufen liess.» Zu Fatty J. meinte Scartazzini: «Die Abnehmer sagten, er sei von Khadi K. als Nachfolger für Oklomin S. vorgestellt worden, weil sich dieser langsam aus dem Geschäft zurückzog.» Sie forderte für alle drei Angeklagten Freiheitsstrafen: für Khadi K. 66 Monate; für Oklomin S. 48 Monate und für Fatty J. eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten, davon 20 bedingt.

Severin Bellwald, der amtliche Verteidiger von Khadi K., hinterfragte die Glaubwürdigkeit der Abnehmer. «Bei der versammelten Drogenprominenz von Grenchen steht diese bei mir unter einem schlechten Stern», so Bellwald. Er versuchte zudem aufzuzeigen, dass mehrere Dokumente (Arbeitsverträge usw.) darauf hinweisen, dass sich sein Mandant zum Zeitpunkt gewisser Deals, entgegen Aussagen der Befragten, in Spanien aufhielt. Er forderte einen Freispruch, einzig beim Verstoss gegen das Ausländergesetz sei sein Mandant mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 10 Franken zu bestrafen.

Cornelia Dippon Hänni, amtliche Verteidigerin von Okomin S., zeigte vor Gericht auf, dass ihr Mandant während der Drogengeschäfte oft im Wallis weilte, da er dort lange Zeit eine feste Arbeitsstelle hatte. Auch Hänni hinterfragte die Aussagen der Abnehmer, seien diese doch meist nur vom «Hörensagen». So forderte auch sie einen Freispruch. Lediglich eine Busse von 200 Franken wegen Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz sei angebracht.

Arthur Häfliger, der amtliche Verteidiger von Fatty J., zeichnete ein Bild eines verzweifelten Jungen, der mit 14 Jahren bereits nach Spanien reiste, um ein besseres Leben zu führen, dann aber keine Arbeit fand und sein Glück in der Schweiz versuchte. Nur wurde hier sein Asylantrag abgelehnt und er musste zurück nach Spanien. Khadi K. habe ihm einen Ausweg angeboten, und weil er sich ja irgendwie ernähren musste, habe er angenommen. Er sei dann aber von den anderen ausgenutzt worden und habe kaum Geld erhalten. «Er ist nicht teil dieser Bande und hat insgesamt nur sechs Wochen Kokain verkauft, nicht länger», so Häfliger. Er forderte eine Verurteilung zu maximal einem Jahr Gefängnis bedingt. Das Urteil wird heute bekannt gegeben.

* Namen von der Redaktion geändert.