Das Grüne Koboldmoos lebt auf Totholz von Nadelbäumen, am liebsten in Bachnähe. Im Kanton Solothurn ist die in der Schweiz potenziell gefährdete Art bisher nicht nachgewiesen.

Von unverwechselbarer Gestalt

Die Koboldmoose sind durch ihre eigentümliche Gestalt fast unverwechselbar: Im Gegensatz zu allen anderen heimischen Moosen tragen sie als ausgewachsene Pflanzen keine sichtbaren Blätter, sondern bestehen nur aus dem Stämmchen und der Sporenkapsel. Beim Grünen Koboldmoos (Buxbaumia viridis) ist diese mehr oder weniger zylindrisch, aufrecht und bleibend grün, bei der Schwesterart, dem Blattlosen Koboldmoos (Buxbaumia aphylla) ist die Sporenkapsel dagegen abgeflacht, geneigt und bald bräunlich.

Die beiden Arten (die einzigen europäischen der weltweit etwa 10 Arten umfassenden Gattung) unterscheiden sich auch in ihrem Lebensraum: Während das Blattlose Koboldmoos überwiegend auf sandig-lehmigen Böden in trockenen und lichten Wäldern lebt, wächst das Grüne Koboldmoos vor allem auf Totholz von Nadelbäumen (Fichte, Tanne) in luftfeuchten, schattigen Wäldern. Es bevorzugt dabei niederschlagsreiche Gebiete und Schluchten oder Nordhänge und kommt besonders gerne in Bachnähe vor. Nur ausnahmsweise ist es auf Erde oder an Felsen zu finden.

Gründe für den Rückgang unklar

Das Grüne Koboldmoos ist über die nördliche Hemisphäre verbreitet und hat seinen Schwerpunkt in Mitteleuropa und im südlichen Skandinavien. Entsprechend des bevorzugten Lebensraums zeigt sich ein ausgesprochenes Nord-Süd-Gefälle: Im norddeutschen Flachland scheint die Art ausgestorben zu sein, während sie in den süddeutschen Mittelgebirgen und dann in den Alpen hin und wieder gefunden werden kann. In den Roten Listen der Moose wird Buxbaumia viridis in Deutschland und Österreich als «stark gefährdet», in der Schweiz als «potenziell gefährdet» geführt. In der Schweiz gehört Buxbaumia viridis zu den «kantonal zu schützenden Arten».

Die Gründe für den Rückgang der Art sind nach wie vor unklar, da der Anteil der Nadelholzforste stark zugenommen hat und das Grüne Koboldmoos nicht nur auf liegendem Totholz, sondern gerne auch an den verrottenden Baumstümpfen siedelt. Diese sind auch in den Nadelholzmonokulturen in ausreichender Zahl vorhanden. Möglicherweise ist eine Kombination aus Eingriffen in den Wasserhaushalt und dem Einfluss der sauren Niederschläge auf das kaum abpuffernde Substrat für den Rückgang der Art verantwortlich zu machen.

EU verlangt Schutzgebiete

Das Grüne Koboldmoos ist eine der wenigen Moosarten, die in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union berücksichtigt worden sind. Sie wird als Art von gemeinschaftlichem Interesse aufgelistet, «für deren Erhalt besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen». Zur Förderung der Art sollte neben der Sicherung des Wasserhaushalts in luftfeuchten, schattigen Bachtälern für einen ausreichenden Anteil an liegendem Totholz (von Fichte oder Tanne) gesorgt werden. Dies sorgt ausserhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets der Fichte für Konflikte, da Fichtenbestände in Bachtälern des Hügel- und Berglandes sonst wenig erwünscht sind. Eine Förderung der Tanne, wo dies standörtlich möglich ist, und der Erhalt von Fichteninseln auf Sonderstandorten in kühl-schattigen Tälern sollte akzeptabel sein.