Umfrage

Knapp die Hälfte aller Altersheime im Kanton erlaubt Sterbehilfe

Beim «assistierten Suizid» stellen Organisationen tödliche Mittel zur Verfügung, die sich der Mensch selber verabreicht. Nicht in allen Heimen ist dies erlaubt. (Symbolbild)

Beim «assistierten Suizid» stellen Organisationen tödliche Mittel zur Verfügung, die sich der Mensch selber verabreicht. Nicht in allen Heimen ist dies erlaubt. (Symbolbild)

Seit rund einem Jahr können Altersheime im Kanton Solothurn selber entscheiden, ob sie Sterbehilfsorganisationen wie etwa Exit Zutritt gewähren oder nicht. Knapp die Hälfte aller Heime tut dies mittlerweile. An die grosse Glocke hängt es aber niemand.

Sterben ist im Altersheim Teil des Alltags. Doch was tun, wenn ein Bewohner mit einer Sterbehilfsorganisation wie etwa Exit aus dem Leben scheiden will? Muss das Heim solchen Organisationen Zutritt gewähren? Mit genau dieser Frage beschäftigte sich der Kanton Solothurn vor rund einem Jahr. Er kam zum Schluss: Den Zutritt grundsätzlich verbieten will man solchen Organisationen nicht. Die Entscheidung muss aber jedes Heim für sich selber fällen. Die meisten der insgesamt 47 Alters- und Pflegeheime im Kanton haben sich mittlerweile entschieden. Und aus einer am Dienstag von der Staatskanzlei publizierten Umfrage geht hervor: 42 Prozent der Heime gewähren Sterbehilfsorganisationen Zutritt, 47 Prozent nicht. Bei einigen steht der Entscheid noch aus.

Eines der Heime, das Sterbehilfe zulässt, ist das Altersheim Tharad in Derendingen. «Wir haben unsere Mitarbeiter befragt und abgestimmt», sagt Tony Broghammer, Präsident des Heims. Das Ergebnis sei deutlich ausgefallen. Als wichtiges Argument dafür nennt er die Selbstbestimmung der Bewohner. Wenn sich jemand entscheide, mit einer Freitodorganisation aus dem Leben zu scheiden, tue er das laut Broghammer so oder so. Entweder in einem Zimmer im Heim, wenn das nicht möglich ist, in einem Zimmer sonst irgendwo. «Die Menschen sollen dort sterben können, wo sie zuletzt gelebt haben», findet er. «Das gehört zu ihrer Würde.»

Hier wird Sterbehilfe geduldet, dort verboten

Schliesslich betont Broghammer aber auch: «Wir verstehen Sterbehilfe nicht als Teil unseres Angebots. Wir dulden es aber.» So findet sich denn auch im Leitbild des Heims einzig der Satz: «Wir beachten die Autonomie und die Selbstbestimmung unserer Bewohner.» Man will nicht aktiv Werbung für Sterbehilfe machen und so zu einer Anlaufstelle für Sterbetouristen werden. In Biberist, im Altersheim Heimetblick, geht man noch einen Schritt weiter. «Dienstleistungen von Sterbehilfsorganisationen sind nicht zugelassen», heisst es da in der Heimordnung. Heimleiterin Magdalena Kläy erklärt: «Wir möchten mit Palliativ Care und Schmerztherapien den Menschen ermöglichen, ohne Schmerzen solange zu leben, wie es ihnen bestimmt ist. Sterbehilfe wollen wir nicht anbieten.» Wenn ein Bewohner trotzdem die Dienste von etwa Exit in Anspruch nehmen will, muss er dort vorher das Heim verlassen.

Noch ist im Kanton kein Fall bekannt, bei dem ein Heimbewohner die Dienste einer Sterbehilfsorganisation in Anspruch genommen hat. Es dürfte aber nur noch eine Frage der Zeit sein, bis dies ein erstes Mal vorkommt. Bis dahin müssen die Heime noch verschiedene Fragen klären. Wie kümmert man sich um die Pfleger? Wie um die anderen Heimbewohner? Denn, das schreibt der Kanton vor, wenn ein Heim Sterbehilfe zulässt, muss es dies auch offenlegen. Damit diese Art der Sterbehilfe überhaupt legal ist, muss belegt werden können, dass keine selbstsüchtigen Motive vorliegen. Zudem muss die Person mit dem Sterbewunsch urteilsfähig sein. In einem Punkt sind sich Kanton und sämtliche Heime einig: «Suizid soll die seltene Ausnahme bleiben. Sterbende sollen eine Palliativversorgung erhalten, die ein würdevolles, natürliches Sterben ermöglicht.»

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