Netzwerkerinnen
KMU-Frau: «Als Frau musst du mehr tun, um ernst genommen zu werden»

Die Klein- und Mittelunternehmerinnen aus dem Kanton Solothurn veranstalten immer wieder sogenannte Netzwerk-Treffen. Diesmal zu Gast: Starmanagerin Novakovic, die den Frauen aus der Seele sprach.

Marlies Czerny
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Spitzenmanager Novakovic kreiert ihren Solothurner Kuchen.

Spitzenmanager Novakovic kreiert ihren Solothurner Kuchen.

Marlies Czerny

Das Eis war schnell gebrochen, als Christine Novakovic, eine berühmte Bankchefin bei UBS, vor 62 Klein- und Mittelunternehmerinnen (KMU) aus ihrem Leben an der Macht erzählte. «In Solothurn habe ich mich verliebt», sagt sie eingangs beim Netzwerk-Treffen in der Weststadt; verliebt in einen Solothurner Headhunter. Den Job, den ihr Stan Novakovic vor sieben Jahren angeboten hatte, den wollte sie nicht haben. Aber sie wollte diesen Mann. Sie sind verheiratet.

Viermal jährlich treffen sich die KMU Frauen Solothurn, um ihr Netzwerk enger zu spinnen, sie tauschen sich aus, sie helfen einander weiter. Einmal gingen sie «chäsen», gestern kreierten sie in der Suteria ihre eigene Solothurner Torte. Ehe jeder sein Stück vom süssen Kuchen abbekam, schnitt Christine Novakovic die Verteilung des weltweiten Geldkuchens an. Sie jongliert nicht mit Zahlen, sondern mit Gefühlen. Geld sei immer mit Ängsten verbunden, bei jedem Menschen, sagt sie. «Wer zu wenig Geld hat, der hat Existenzängste. Wer zu viel hat, hat Angst, es zu verlieren.» Die Kunsthändlerin wirkt nicht, als hätte sie Angst, sie kann sich und Emotionen gut verkaufen. Sie rückt den Menschen und die Mitarbeiter in den Mittelpunkt. 2003 wurde sie vom deutschen Magazin Wirtschaftswoche zum «Manager des Jahres» gewählt – zur «Managerin», sie war die erste Frau.

Lauthals Gehör verschaffen

Als Frau Doktor Pia Stebler stellt sich die Präsidentin der KMU Frauen Solothurn vor. Auch in ihren Consulting-Agentur-Namen hebt sie ihren akademischen Titel «Dr.» hervor. «In Sitzungen muss sich ein Mann nur räuspern, schon wird er gehört. Als Frau musst du laut werden, um dir Gehör zu verschaffen», sagt sie in einer kleinen Gesprächsrunde. Die beiden Frauen neben ihr nicken. Cornelia Haldemann und Sabine Stocker machten sich vor zwei Jahren mit einer dritten Partnerin selbstständig, «Immo 11» heisst ihre Immobilienfirma. «Als Frau musst du mehr tun, um ernst genommen zu werden. Du musst fachlich einfacher besser sein», findet Haldemann. Stocker wirft ein: «Was leider nach wie vor der Fall ist: Frauen werden oft auf ihr Äusseres reduziert.»

Ein «Ich bin nicht alleine»-Gefühl verbreiten die KMU Frauen unter sich. «Viele Frauen geben auf, wenn es um Familien- und Karriereplanung geht», sagt Stocker. Pia Stebler: «Wir als Frauen haben andere Biografien und Probleme.» Nicht nur Frauen-, auch unternehmerische Probleme sind Thema. Stebler engagierte sich politisch, um die Anti-Bürokratie-Initiative voranzutreiben. Sie kritisiert: «Die KMU spüren den sozialbürokratischen Kram viel mehr als grosse Unternehmen. Der Aufwand verdrängt ihre Kernkompetenz. In grossen Firmen sitzen Finanzfachleute, da gibt es vollautomatische Systeme, wo alles auf Knopfdruck geht, was uns zu teuer kommt.» Im Netzwerk wollen
sich die Frauen gegenseitig unterstützen – und auch Geschäfte intern anbahnen.

Menschen im Mittelpunkt

In der Zürcher Bahnhofstrasse, da sitzt Christine Novakovic zwischen all den Bankenchefs, «ein wunderschönes Büro», sagt sie, «aber man ist hier alleine.» Was sich draussen abspiele, wüsste sie nicht, würde sie nicht nach aussen vordringen. Je weiter weg von der Zentrale, desto besser sei die Stimmung der UBS-Mitarbeiter. Sie rückt den Menschen in den Mittelpunkt. «Wir müssen wieder lernen, zuzuhören. Wir Bänker wissen ja schon, was der Kunde braucht, bevor wir überhaupt bei ihm waren und uns seine Bedürfnisse angehört haben.»

Wie Novakovic zur krisengebeutelten Lage der Finanzwelt steht? Vom Euro-Ausstieg der Griechen warnt sie: «Behält Griechenland den Euro, kostet es viel Geld. Verliert es ihn, kostet es dreimal so viel.» Dass der Euro den Franken als Währungsmittel eines Tages ablösen könnte, glaubt die gebürtige Südtirolerin, die sich einbürgern lässt, nicht. «Was aktuell passiert, macht die Chance, dass sich das Volk für den Euro entscheidet, noch kleiner.» Worin in ihren Augen der Unterschied liegt, in der Entscheidungsfindung zwischen Männern und Frauen? «Männer erzielen schnellere und grössere Gewinne. Die Entscheidungen von Frauen, die performen langfristiger besser.»

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