Solothurn
Klostergarten wird zum Übungsfeld für sozial Benachteiligte und Asylsuchende

Im Kapuzinerkloster in Solothurn wird ein praxisnahes Integrationsprojekt für sozial Benachteiligte und Asylsuchende aufgezogen.

Urs Mathys
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Der Garten soll ebenfalls genutzt werden.

Der Garten soll ebenfalls genutzt werden.

Micha L. Rieser

Im Solothurner Kapuzinerkloster soll neues Leben einziehen – zumindest provisorisch: Im Rahmen einer Zwischennutzung will ein privater Verein dort das Erdgeschoss und die Gartenanlage für ein Projekt im Bereich nachhaltiger Nahrungsmittelproduktion in Verbindung mit sozialem Engagement nutzen.

Asylsuchenden oder sozial benachteiligten Menschen, die von den Sozialregionen der Umgebung zugewiesen werden können, sollen bei einer praktischen Tätigkeit unterstützt werden, sich in die hiesige Arbeitswelt und in die Gesellschaft zu integrieren. Der Einsatz im Kloster ist teilzeitlich und soll den Teilnehmenden gute Einblicke in mehrere Tätigkeitsfelder rund um die Gastronomie, Garten und Dienstleistungen verschaffen.

Die Initianten sind Gastronom Urs Bucher, der sich nach 32 Jahren aus dem Traditionshaus «Pisoni» in Kriegstetten zurückziehen wird, und Martin Blaser, ein regionaler Gastronom mit langjähriger Auslanderfahrung sowie Beatrice Sterki aus dem Finanz- und Personalbereich. Soeben hat das Team bei den zuständigen städtischen Behörden ein entsprechendes Umnutzungsgesuch eingereicht.

Sie wollen dem Solothurner Kapuzinerkloster neues Leben einhauchen (v. l.): Martin Blaser, Beatrice Sterki und Urs Bucher.

Sie wollen dem Solothurner Kapuzinerkloster neues Leben einhauchen (v. l.): Martin Blaser, Beatrice Sterki und Urs Bucher.

zvg

Grünes Licht für Pilotprojekt

Dieses Pilotprojekt, das im Kanton noch weiter ausgeweitet werden kann, ermöglicht es, Asylsuchende vom ersten Tag an zu beschäftigen, sie in die hiesige Kultur einzuführen, ihnen erste Sprachkenntnisse zu vermitteln und eine Art Gegenleistung für den Sozialhilfebetrag zu leisten. «Danach können diese Menschen bereits mit einer gewissen Qualifikation und Grundkenntnissen in die bestehenden und bewährten Programme in der Region eingewiesen werden, die sie für den ersten Arbeitsmarkt qualifizieren», sagt Beatrice Sterki.

Denn für diese bestehenden Programme würden gewisse Voraussetzungen an die deutsche Sprache gestellt. Hier könne das Pilotprojekt eine niederschwellige, unkomplizierte Grundlage liefern. Sterki: «Wir freuen uns, dass sowohl das Amt für soziale Sicherheit ASO als auch der Verband der Einwohnergemeinden VSEG unser Pilotprojekt unterstützen».

Während einer begrenzten Zeit sollen 20 Asylsuchende primär im Projekt «Alles aus einer Hand» halbtags in «nachhaltiger Lebensmittelproduktion» unterrichtet werden, wie es im Projektbeschrieb heisst. Dabei sollen nicht nur die selber im Klostergarten angebauten Früchte und Gemüse verkauft bzw. verarbeitet werden, sondern auch solche, die bei Landwirten in der Region geerntet werden. Konkret Ware, die zum Beispiel wegen farblichen, formlichen oder anderen «Fehlern» schlecht verkäuflich ist.

«Keine Partymeile»

Der Verein Kapuzinerkloster hat sein Projekt jüngst den Anwohnern vorgestellt. «Das Echo war überwiegend sehr positiv», zieht Initiant Urs Bucher Bilanz: «Auch der letzte Guardian des Klosters, Bruder Paul Meier, ist extra aus Rapperswil angereist und hat sich für das Projekt stark gemacht.» Bedenken einzelner Anwohner, dass eine lärmige «Partymeile» entstehen könnte, hätten unter Hinweis auf Konzept und beschränkte Öffnungszeiten entkräftet werden können. Viel Anklang fand die Aussicht, dass die neu belebte alte Gartenanlage der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht, und ein Klostercafé eingerichtet werden soll. (ums.)

Diese Rohstoffe sollen in der sanft renovierten Klosterküche haltbar gemacht (dörren, einmachen, tiefgefrieren) oder weiterverarbeitet werden (Gewürzmischungen, Konfitüre, Saucen). Die Vermarktung der Produkte soll dann im geplanten Klosterladen und im Klostercafé erfolgen, anderseits sollen sie aber auch an die Gastronomie, Spitäler und andere Institutionen geliefert oder mit einem «Ess-Mobil» unters Volk gebracht werden. Urs Bucher: «Mit unseren verschiedenen Angeboten kommen wir dem, was die Kapuziner hier jahrhundertlang gepflegt haben, sehr nahe». Ein Betreuungsteam wird die Projektteilnehmenden in den verschiedenen Sparten – Gartenarbeit, Küche, Hausdienst – begleiten.

Der Kanton ist offen

Seit dem Auszug der Kapuziner im Jahr 2003 steht das Kloster leer. Die Kirche ist noch immer geweiht, die Parterre-Räumlichkeiten und der Garten können für private und gesellschaftliche Anlässe sporadisch gemietet werden. Besitzer der Liegenschaft am Altstadtrand ist der Kanton. Dieser steht der nun angepeilten Zwischennutzung «sehr positiv» gegenüber, wie Guido Keune, stellvertretender Kantonsbaumeister, auf Anfrage bestätigt: «Wir unterstützen das Projekt».

Das Wohlwollen ist nicht ganz uneigennützig: «Der personelle und zeitliche Aufwand für Vermietungen, Reinigungen, Unterhalt ist beträchtlich. Für den Kanton stellt es eine Entlastung dar, wenn wir nur noch einen Ansprechpartner haben, der für alle diesbezüglichen Aufgaben zuständig ist», bekennt Keune offen.

Solventer Investor weiterhin gesucht

Der Kanton ist immer noch auf der Suche nach einem solventen Investor, der dem unter Denkmalschutz stehenden Kloster dauerhaft neues Leben einhaucht. Der Kanton setze weiterhin darauf, die Anlage im Baurecht abzugeben, erklärt Guido Keune, stellvertretender Kantonsbaumeister. Um dafür alle Möglichkeiten offen zu halten, sei mit den Zwischennutzern eine Kündigungsfrist von 6 Monaten vereinbart worden. Allerdings: Bisher erwiesen sich die für ein dauerhaftes Vorhaben nötigen Finanzmittel – im zweistelligen Millionenbereich – immer als unüberwindbare Hürde. Zuletzt, im vergangenen Februar, wurde das Projekt eines Westschweizer Immobilienunternehmers bekannt, der eine kombinierte Nutzung mit Herberge, Restaurant, Quartierladen und Raum für neue Wohnformen anstrebt. Konkretisiert habe sich dieses vom Kanton grundsätzlich begrüsste Vorhaben bisher nicht, spricht Guido Keune diesbezüglich von einem «Status quo». Das mit der Immobilienentwicklung beauftragte kantonale Hochbauamt sei derzeit auch noch mit einem weiteren Interessenten im Gespräch, Details dazu könnten aber noch nicht genannt werden. Klar ist für den stellvertretenden Kantonsbaumeister: «Ein definitiver neuer Nutzer muss über ausreichende finanzielle und zeitliche Ressourcen verfügen.» (ums.)