Auch wenn die Teilnahme obligatorisch war: Die Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule besuchten Polit-Podien und einen Polit-Markt von Nationalratskandidatinnen und -kandidaten in und vor der Aula der Kantonsschule Solothurn mehrheitlich gerne. «Es ist super, dass die Schule so etwas veranstaltet», lobte Gymnasiast Sven Röthlisberger den von der Fachschaft Geschichte organisierten Anlass. «Ich bin an Politik interessiert», ergänzte er bestimmt. Das waren auch alle anderen Befragten. Von Politikverdrossenheit noch keine Spur.
Aufmerksam, manchmal belustigt oder skeptisch, hörten jeweils mehrere Klassen zuerst den – teils sehr jungen – Vertretern unterschiedlicher Parteien an den Podien zu. Lucien Fluri, Redaktor dieser Zeitung, stellte diesen Fragen zu aktuellen Themen. Während fast der Hälfte der Podiumszeit stellten die Schülerinnen und Schüler gar selber Fragen. Es gab nacheinander drei Podien, insgesamt waren vierzehn im Kanton bestehende Parteien vertreten. Bei sechs Parteien kamen Mutter- und Jungpartei zu Wort.

Nach den Podien konnten sich die Jugendlichen an Partei-Ständen eingehender informieren. Hier wurde angeregt diskutiert und es zeigte sich, was den Jugendlichen wirklich wichtig ist.

Klimawandel, Einwanderung, Kampfjets

Die allermeisten Jugendlichen der Kanti beschäftigt der Klimawandel, etwa Leah Rimmo, Noa Vogt und Nurija Gerber: «Der Klimawandel ist das wichtigste Thema für uns», so ihr Statement. Yves Berger: «Ich finde, der Klimawandel ist das wichtigste Thema. Es geht um die Zukunft, das betrifft vor allem uns Junge. Mich interessiert, wie man das angeht und wo man einzusparen gedenkt.»
Auch andere Inhalte wurden als zentral bezeichnet. Alina Altermatt: «Ein wichtiges Thema für mich ist die Einwanderung, die ich an sich begrüsse. Aber da bin ich dafür, nicht alle komplett einfach hereinzulassen, sondern so, dass wir sie integrieren können – sodass sie Arbeitsplätze haben.»

Elia Reinhart sprach einen anderen Fokus an: «Mir ist wichtig, dass man den Sozialstaat weiter ausbaut. Und dass man darauf achtet, welche Ausgaben man tätigt. Ich bin dafür, für Kampfjets nicht so viel Geld auszugeben, so hat man für Soziales mehr übrig.» Auch Digitalisierung wurde mehrmals angeführt. Und Robin Frey ergänzte: «Auch wirtschaftliche Betrachtungen sind nebst dem Klima wichtig, etwa die Verlagerung der Wirtschaftsmacht vom Westen in den Osten nach China.»

Am Politanlass kritisierten die Zuhörenden verschiedene Punkte: Er sei zu oberflächlich, Podiumsteilnehmende hätten die Meinung anderer nicht akzeptiert, einige hätten nur Probleme, aber keine Lösungsvorschläge angesprochen. Dass man am Podium gerne alle Parteien dabei gehabt hätte, nicht bloss eine Auswahl, äusserten mehrere Jugendliche.

«Die Jungen sollen nicht abseitsstehen»

Kantonsschullehrer Viktor Fröhlicher von der Fachschaft Geschichte, der in Bellach SP-Kommissionsarbeit verrichtet, ist bei der Politischen Bildung eines wichtig: «Die Jungen sollen nicht abseitsstehen, sondern sich engagieren und partizipieren. Das muss nicht in einer Partei sein, sondern kann auch in einem Verein stattfinden.»


Zwar dürfen noch nicht alle Gymnasiasten der teilnehmenden Klassen wählen – aber es scheint so, als ob sie es bald mit Eifer tun werden. Sie drängten sich im engen Raum zwischen den Politständen. Und: Eine Klasse, die am ersten der drei Podien teilnahm, durfte dank Nachfragens zusätzlich auch am letzten Podium teilnehmen. Diesmal richtig freiwillig.