Schädling
Kleiner Käfer – grosser Schaden: Der Maiswurzelbohrer erreicht Solothurn

Der Maiswurzelbohrer hat den Kanton Solothurn erreicht. Er ist der gefährlichste Maisschädling. Rund 300 maisanbauende Landwirte sind mittlerweile betroffen. Ihnen drohen Ernteausfälle von 30 bis 80 Prozent.

Yvonne Aregger
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So sieht der gefährlichste Maisschädling aus.

So sieht der gefährlichste Maisschädling aus.

Solothurner Zeitung

Der Maiswurzelbohrer ist in die Nordwestschweiz eingeflogen, teilte der Solothurner Bauernverband kürzlich mit. Dies zeigen Tiere, die in die aufgestellten Fallen tappten. Die zuständige Institution des Bundes nennt sich Agroscope. Diese kontrolliert und dokumentiert den Einflug des Maisschädlings in Zusammenarbeit mit den kantonalen Pflanzenschutzdienststellen. Die Aufzeichnungen von Agroscope zeigen, dass derzeit der nördliche und östliche Teil des Kantons betroffen sind, namentlich die Gebiete Dorneckberg und Niederamt.

Das Verbreitungsgebiet des Maiswurzelbohrers.

Das Verbreitungsgebiet des Maiswurzelbohrers.

Solothurner Zeitung

Martina Jenzer vom Wallierhof ist zuständig für den Pflanzenschutz im Kanton und erklärt: «Der Maiswurzelbohrer ist bei uns der gefährlichste Maisschädling. Er wurde bereits 2006 und 2012 im Kanton Solothurn gefangen, dieses Jahr flog er zum dritten Mal ein.»

Schäden erst im Folgejahr

Der Käfer fliege aus dem Elsass und dem süddeutschen Raum ein. «Er kann bis zu 70 Kilometer fliegen, deshalb erreicht er auch unsere Maisfelder.» Das Problem stelle der monokulturelle Anbau von Mais dar. «Die hiesigen Landwirte sind verpflichtet, die Fruchtfolge einzuhalten. Es darf nicht länger als zwei Jahre hintereinander Mais auf demselben Acker angebaut werden.

In Deutschland und Frankreich ist das anders, dort gibt es viele Monokulturen und es wird jahrelang auf dem gleichen Acker Mais angepflanzt. In beiden Ländern werde gegen den Befall von Maiswurzelbohrern ein Pestizid eingesetzt, dieses sei jedoch in der Schweiz verboten.

Gefrässige Larven

Der Maiswurzelbohrer ist hierzulande der gefährlichste Maisschädling. Das ausgewachsene Tier legt im Zeitraum von August bis September Eier im Boden. Die Larven schlüpfen im nächsten Frühling und ernähren sich ab diesem Zeitpunkt von Maiswurzeln. Dadurch stirbt der Mais ab oder knickt um. So bewirkt der Maiswurzelbohrer nicht selten Ertragsausfälle von bis zu 30 Prozent. In extremen Fällen sind auch 80 Prozent Ertragsausfall möglich.
Mehr Infos gibt es hier.

Es werden vorbeugende Massnahmen gegen den Schädling vorgenommen: «Der Maiswurzelbohrer schadet dem Mais nicht im Einflugjahr, sondern erst seine im Folgejahr schlüpfenden Larven. Durch die Einhaltung der Fruchtfolge ist also gewährleistet, dass die Larven verhungern, da im nächsten Jahr kein Mais angebaut wird», erklärt Jenzer.

So viele Betroffene wie noch nie

Jetzt, da man aber erwachsene Exemplare gefangen habe, werden noch weitere Massnahmen ergriffen. Jenzer: «Wir definieren dort, wo Käfer gefangen werden, Kern- und Sicherheitszonen.» Dabei erstrecke sich die Kernzone in einem Umkreis von fünf Kilometern um die Falle, die einen Käfer eingefangen habe. Die Landwirte, die sich in einer Kernzone befinden, dürfen ihren Mais nicht verbreiten, damit der Schädling sich nicht noch mehr ausbreiten kann.

Der diesjährige Mais kann aber dennoch geerntet und verfüttert werden, da der Schaden, erst im Folgejahr bei erneuter Maisbepflanzung auftritt. Natürlich dürfe kein Landwirt aus der Kernzone nächstes Jahr erneut Mais auf den diesjährigen Maisäckern anpflanzen. Die Landwirte der Sicherheitszone müssen diese Bedingung ebenfalls erfüllen, also sich an die Fruchtfolge halten, dürfen den Mais aber verbreiten. «Die Sicherheitszone fungiert als Pufferzone und umrandet die Kernzonen mit einer Breite von zehn Kilometern.»

Laut Jenzer waren noch nie so viele Landwirte wie heuer betroffen. «Bis jetzt sind es knapp 300 maisanbauende Landwirte, die sich in der Kernzone befinden. Wir gehen aber davon aus, dass es nicht noch mehr werden, eine Ausdehnung in andere Kantonsteile ist unwahrscheinlich.»

Ist die Trockenheit schuld?

Gefangen werden die Käfer mit Pheromonfallen. «Pheromon ist ein Duftstoff, der vom weiblichen Maiswurzelbohrer abgesondert wird, um das Männchen anzulocken. Wir stecken Pfosten mit einer pheromonversetzten Klebefolie in die Maisfelder. Die angelockten Männchen bleiben an dieser Folie haften. So stellen wir fest ob und wo sich die Käfer verbreitet haben», erklärt Jenzer das Vorgehen. Auf die Frage, weshalb denn dieses Jahr so viele Käfer eingeflogen seien, meint sie: «Ich gehe davon aus, dass es an der Trockenheit liegt. Diese führte wahrscheinlich dazu, dass mehr Tiere überlebten und dadurch die Populationen im Elsass und im süddeutschen Raum sehr gross wurden. Es flogen in der Folge mehr Käfer aus.»

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