Kanton Solothurn

Kleine Kläranlagen am Limit: Corona sorgt für mehr Abfälle und Schmutzwasser

In Zeiten des vermehrten Homeoffice wurden in den Kläranlagen vermehrt Windeln und Wattestäbchen im WC entsorgt. (Symbolbild)

In Zeiten des vermehrten Homeoffice wurden in den Kläranlagen vermehrt Windeln und Wattestäbchen im WC entsorgt. (Symbolbild)

Das Coronavirus bereitet auch den kleinen Kläranlagen im Kanton Sorgen. Da sich mehr Menschen im Homeoffice befanden, wurden zunehmend Feuchttücher und Hygieneartikel im WC entsorgt, was zu Verstopfungen der Abwasserreinigungsanlagen führte.

Das Solothurner Amt für Umwelt (AfU) vermeldet Corona-Folgen der besonderen Art. Weil während und im Anschluss des Lockdowns die Pendlerströme ausblieben und viele Leute im Homeoffice arbeiteten, seien kleinere, kommunale Abwasserreinigungsanlagen (ARA) ans Limit geraten: «Der Schmutzwasseranfall und damit transportierte, unerwünschte Abfälle nahmen besonders unter der Woche zu», schreibt das AfU. Die grossen zentrumsnahen ARA würden hingegen kaum Veränderungen verzeichneten.

Das Personal mehrerer kleiner ARA – im Kanton bestehen 13 ARA, die das Abwasser von 2100 Einwohnern oder weniger reinigen – bestätige folgendes Bild: Das Schmutzwasser und der damit transportierte Abfall nahm während des coronabedingten Lockdowns um rund einen Drittel zu. Von der ARA Rodersdorf wurde sogar von einer Zunahme um 70 bis 80 Prozent berichtet, die gleichmässiger über die Woche anfalle.
Die mechanischen Reinigungsschritte kommen mühelos mit der Beaufschlagung zurecht. Hier ist insbesondere der Rechen zu nennen, der Grobstoffe und den Abfall abtrennt. Mehraufwand besteht beim Wechseln der Sammelbehälter und Mulden, in denen das sogenannte Rechengut gelagert wird, bevor es in die Verbrennung gebracht wird.

Ein besonderes Ärgernis stellen jedoch reissfeste Feuchttücher und schwimmende Abfälle wie Hygieneartikel dar. Erstere verheddern sich in drehenden Bauteilen und verstopfen die zahlreichen Pumpen im Kanalisationsnetz. Das Klärwerkspersonal muss in diesem Fall ausrücken und die Pumpe in ihre Einzelteile zerlegen, säubern und wieder zusammensetzen. Schwimmende Abfälle gelangen bei Starkregen über die Mischwasserentlastungen direkt in die Gewässer und bleiben oft am Ufer hängen. (szr)

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