AEK Energie AG

Kleinaktionäre proben Aufstand und fordern Gleichbehandlung

Die Übernahme der AEK durch die BKW hinterlässt unzufriedene Kleinaktionäre.

Die Übernahme der AEK durch die BKW hinterlässt unzufriedene Kleinaktionäre.

Die BKW wollen den wenigen AEK-Restaktionären einen Fünftel weniger bezahlen als den Grossaktionären – die «Kleinen» kämpfen nun gemeinsam für denselben Preis.

«Das ist ein äusserst unfaires Angebot. Wir fordern eine Gleichbehandlung aller Aktionäre.» Der Solothurner Lorenz Jäggi enerviert sich hörbar am Telefon. Er ist einer der Kleinaktionäre der AEK, deren Titel im Rahmen der Übernahme durch die BKW AG (noch) nicht übernommen wurden.

Grund für seinen Ärger ist ein Übernahmeangebot der BKW für seine AEK-Anteile, welches er am vergangenen Samstag erhalten hat. Die Berner bieten 30 000 Franken je Aktie oder eine dem Kaufpreis entsprechende Anzahl an Aktien der BKW.

20 Prozent weniger

«Das ist für mich und andere Restaktionäre nicht akzeptierbar», sagt Jäggi. Denn den übrigen Aktionären habe die BKW im Sommer rund 37 350 Franken bezahlt. Diesen Preis machte diese Zeitung Anfang November publik.

Für das Beteiligungspaket von 53,7 Prozent – gehalten von der Alpiq, der EBM, der EBL, der Toff AG und von weiteren Aktionären – blätterte die BKW 120,3 Millionen Franken auf den Tisch. Das entspricht eben umgerechnet einem Aktienpreis von rund 37 350 Franken. Mit dem Kauf besitzt die BKW nun 93,2 Prozent der AEK-Anteile. Kein Kaufangebot erhielten bis eben jetzt die restlichen Aktionäre für ihre insgesamt 6,8 Prozent. Dieser Anteil entspricht 408 Aktien.

In einem Begleitschreiben zum BKW-Übernahmeangebot begründet AEK-Verwaltungsratspräsident Pirmin Bischof den tieferen Preis. Der erwähnte höhere Preis habe eine Kaufpreisprämie für die Übernahme der einfachen und qualifizierten Aktienmehrheit sowie für die Überschreitung der 90-Prozent-Schwelle, welche der BKW weitere Rechte einräume, beinhaltet. «Diese Prämie ist für das jetzige Übernahmeangebot nicht mehr zutreffend, was das nun im Vergleich tiefere Angebot erklärt.»

Die Prämie sei für das Erreichen von 50, 66 beziehungsweise 90 Prozent des AEK-Aktienanteils bezahlt worden, präzisiert BKW-Sprecherin Sabrina Schellenberg. «Das Erreichen der jeweiligen Quoten geht mit grösseren Handlungsspielräumen für den Aktionär einher, welche entsprechend entschädigt werden.»

Auffallend ist, dass im übernommenen Aktienpaket durch die BKW auch Einzelaktionäre mit einer Beteiligung von 0,6 Prozent eingeschlossen waren – und diese dadurch den höheren Aktienpreis erhielten. Der Verkaufsprozess sämtlicher Aktien sei von der Alpiq geführt und das Paket von insgesamt 53,7 Prozent zum Kauf angeboten worden, erklärt dazu Schellenberg.

Die BKW beurteilt das Angebot an die verbliebenen Aktionäre als «fair, welches deutlich über dem gemittelten Marktpreis für die Aktien liegt». Zudem seien die Aktionäre frei das Angebot anzunehmen oder abzulehnen und weiterhin an der AEK beteiligt zu bleiben. Dieser Meinung schliesst sich Bischof an.

«Gemessen am Aktienkurs ist die Offerte angemessen. Die meisten der Kleinaktionäre werden wohl mit dem Verkauf einen Gewinn erzielen.» Die BKW sei gewillt gewesen, für das grosse Paket eine Prämie zu bezahlen. Als Verwaltungsratspräsident der AEK sei es seine Aufgabe, das allein von der BKW ausgearbeitete Übernahmeangebot an die Aktionäre weiterzuleiten.

Bischof, der sich als Ständerat wiederholt für Aktionärsrechte und Anlegerschutz einsetzt, sieht im Angebot keine Ungleichbehandlung der Anteilseigner. Er könne dahinter stehen.

Ja zu «konstruktivem Austausch»

Für Lorenz Jäggi bleibt das Ganze unverständlich. Das Angebot sei «ein Gesichtsverlust für eine börsenkotierte Firma». Noch an der letzten AEK-Generalversammlung habe BKW-Chefin Suzanne Thoma versichert, den Restaktionären ein faires Angebot zu unterbreiten. Er und andere Kleinaktionäre wollen nun für einen ihrer Ansicht nach fairen Preis kämpfen.

Die Federführung liege bei Franz Gyger, Gründer der Finanzberatungsfirma Toff AG in Solothurn. Ein Grossteil seiner AEK-Aktien sei zwar im Übernahmepaket im Sommer eingeschlossen gewesen, aber ein paar Titel halte er noch, so Gyger. Er habe bereits über zehn Telefonate von Kleinaktionären erhalten.

«Der im Sommer bezahlte Aktienpreis soll für alle Aktionäre gelten.» Gyger, der seit 30 Jahren im Geschäft ist, will nun bei der BKW vorsprechen und eine akzeptable Lösung suchen. Darauf angesprochen sagt die BKW-Sprecherin Schellenberg: «Die BKW ist gerne bereit, sich mit den Aktionären für einen konstruktiven Austausch zu treffen.»

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