Stimmung
Klatschen, Lachen und Staunen am 9. Solothurner Kleinkunsttag

Zum neunten Mal stand die Kulturfabrik Kofmehl am Freitagabend ganz im Zeichen der Kleinkunst. In familiärer Atmosphäre mit rund 80 Zuschauern gaben verschiedene Künstler ihr Können zum Besten.

Fabiana Seitz
Merken
Drucken
Teilen
Roger Strub (Performance-Lesung)
16 Bilder
Roger Strub (Performance-Lesung)
Pitypalatty (Kinder-und Jugendzirkus)
Pitypalatty (Kinder-und Jugendzirkus)
Jobert und Pancetta
Moderator Michel Gammenthaler mit Unterstützung aus dem Publikum
Jobert und Pancetta
Jobert und Pancetta
Jobert und Pancetta
Jan Rutishauser
Das Geschehen auf der Bühne wird aufmerksam verfolgt
Gammenthaler Star des Abends
FeuerTanzTheater
Brigitte Marolf
Brigitte Marolf
Bei den Zuschauern kommt das Programm an

Roger Strub (Performance-Lesung)

Hanspeter Bärtschi

Heute werden Sie nicht applaudieren, weil Sie es wollen oder weil es sich gehört, sondern weil es einfach aus Ihnen herauskommt. Dagegen können Sie gar nichts tun», so eröffnete Moderator Michel Gammenthaler am Freitagabend die
9. Solothurner Kleinkunsttage im Kofmehl. Und tatsächlich war an diesem Abend für Klatschen, Lachen und Staunen gesorgt, auch wenn nicht alle Künstler gleich gut überzeugen konnten.

Spätestens seit dem hitzigen Wortwechsel von Medienguru Roger Schawinski versus Schweizer Kleinkunstpreisträger und Kabarettist Andreas Thiel, ist Kleinkunst in der Schweiz kein unbekannter Begriff mehr. Denn die Komödianten, Sänger, Erzähler, Zauberer oder Akrobaten sind mehr als bloss «Kleine Künstler». Was Kleinkunst so besonders macht und von andern Künsten unterscheidet, sind die begrenzten personellen, räumlichen und materiellen Ressourcen sowie die
Nähe zwischen Darsteller und Publikum. Das Rezept für einen gelungenen Abend ist also einfach: Man nehme ein paar Kleinkünstler, stelle sie auf eine bescheidene Bühne vor nicht allzu grossem Publikum und gebe ihnen jeweils 10 bis 15 Minuten Zeit zur freien Verfügung.

Sechs verschiedene Nummern wurden am 9. Kleinkunsttag in Solothurn aufgeführt, der von der Kulturfabrik Kofmehl in Zusammenarbeit mit dem Kultturm organisiert worden war. Der Kinder- und Jugendzirkus Pitypalatty zog das Publikum mit schneller Jonglage, in der Luft schwebenden Bondgirls und einer Clown-Pantomime in seinen Bann. Weniger für sich eingenommen wurde das Publikum von Performance-Leser Roger Strub, der sichtlich nervös war, was jedoch auch wieder sympathisch wirkte. Strub präsentierte einen Ausschnitt aus seinem neusten Krimi «Verfalldatum». Das Komödiantenduo Robert Stofer und Eveline Dietrich alias Jobert und Pancetta führte dem Publikum stolz sein neues Zelt vor. Doch es blieb nicht lange bei einem gemütlichen Campieren, und schon bald mussten sich die zwei mit Beziehungsproblemen und einem wild gewordenen Zelt herumschlagen. Eine verblüffende und etwas skurrile Metamorphose liess die einen im Publikum die Stirn runzeln, die anderen herzhaft lachen.

Nach der Pause wurde es heiss im Saal: Stefanie Bolzli trat in einem Feuertanzduett mit Martin Wanzenried auf. Ihr «Pas de Feux» brachte mit Feuerartistik und Überraschungseffekten das Publikum zum Schwitzen. Während vermutlich die Veranstalter um ihre Vorhänge auf der Bühne und die vorderen Reihen um ihre Haare auf dem Kopf bangten, waren die restlichen Anwesenden Feuer und Flamme.

Nach der grossen Dramatik brachte die Bieler Sängerin Brigitte Marolf die Zuschauer mit «Klogeschichten und andere Liebeslieder» zum Nachdenken und Schmunzeln. Zum Schluss hielt der Kabarettist Jan Rutishauser ein Plädoyer für die Leidenschaft. Die eigene Passion zwar noch nicht entdeckt, wisse er immerhin schon mal aus eigener Erfahrung, wofür es sich sicher nicht zu schwärmen lohne: Spätestens als er im Musikunterricht seinen Vornamen «vorflöteln» sollte (mit Jan sei dabei nicht viel mehr musikalische Freiheit zugelassen als ein bescheidenes «düüü»), sei die Blockflöte zu seinem Feind geworden. So lautete Rutishausers Fazit: «Rette Leben, zerbrich eine Blockflöte.»

Star des Abends war mit Abstand Moderator Michel Gammenthaler. Der 194 cm grosse Kabarettist, der sich selbst als «Comedy-Schwergewicht» bezeichnet, führte mit Sprüchen und Zaubertricks gelungen durch den Abend. Mit viel Selbstironie und Witz ging er auf das Publikum ein und sorgte mit Fingergymnastik, Publikums-Selfie und Origami-Faltkunst für zahlreiche Lacher.