Olten
«Klassen-Chat lässt grüssen»: Digitalisierung ist am Lehrertag ein wichtiges Thema

Am kantonalen Lehrerinnen- und Lehrertag in Olten ging es vor allem um die Zukunft der Volksschule. Es müssten mehr Lehrer her und das Teilzeitmodell dürfe nicht infrage gestellt werden.

Myriam Sperisen
Merken
Drucken
Teilen
Die Solothurner Lehrerinnen und Lehrer in der Stadthalle Olten.
15 Bilder
 Dagmar Rösler gibt das Amt als Präsidentin des LSO ab. Dafür wird sie ab dem 1. August 2019 Präsidentin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH).
 LSO-Geschäftsführer Roland Misteli.
 Blick in die Versammlung.
 Regierungsrat Remo Ankli.
 Stadtpräsident Martin Wey und Dagmar Rösler.
LSO - Kantonaler Lehrertag 2018
 Referentin Mahsa Amoudadashi zu «wie aus Begeisterung Qualität wird».
 Drummer Gregor Lisser sorgte für Abwechslung.

Die Solothurner Lehrerinnen und Lehrer in der Stadthalle Olten.

Bruno Kissling

Der diesjährige kantonale Lehrerinnen- und Lehrertag in Olten stand ganz im Zeichen der zahlreichen Veränderungen an der Volksschule. Die letzten 20 Jahre hatten es in sich, wie Dagmar Rösler, scheidende Präsidentin des LSO (Verband Lehrerinnen und Lehrer Solothurn) vor mehreren Hundert Lehrkräften in der Stadthalle betonte. Da sei zum einen die Entwicklung und Umsetzung des Lehrplans 21 gewesen. Kaum sei etwas Ruhe eingekehrt, denke man schon wieder an die nächsten Reformen. Im Hinblick auf die kommenden Jahre seien zudem Jahrgänge mit Rekorden bei den Schülerzahlen zu erwarten. Es brauche mehr Lehrer.

Indes könne es nicht sein, dass in den Medien ein Teilzeitverbot vorgeschlagen werde. Rösler replizierte einen Bericht dieser Zeitung, der zum Schulbeginn publiziert worden war. Darin wurde der Kanton Genf als Vorbild genommen, da dort faktisch ein Teilzeitverbot für Lehrkräfte herrscht, um Lehrermangel vorzubeugen. «Wenn ich so etwas höre, mutiere ich zur Feministin», betonte Rösler vor der Solothurner Lehrerschaft. «Werden Lehrerinnen gezwungen, ein grösseres Pensum anzunehmen, können sie gar nicht mehr arbeiten und gehen. Gerade Mütter sind auf Teilzeitpensen angewiesen», so Rösler weiter. Statistisch gesehen sei erwiesen, dass in Gemeinden mit familienergänzenden Betreuungsangeboten, mehr Lehrerinnen in Teilzeit arbeiten. Die Frage sei aber gleichzeitig: «Wie bringen wir wieder mehr Männer in der Lehrerberuf?»

«Der Klassen-Chat lässt grüssen»

LSO-Geschäftsführer Roland Misteli setzte in seiner Rede ebenfalls bei den Reformen an: «Die Volksschule befindet sich seit den Neunzigerjahren in Dauerreform. Es gab gewaltige Veränderungen, vor allem aufgrund der Digitalisierung. Klassen-Chat lässt grüssen», meinte er, was mit heiterem Gelächter quittiert wurde. Fakt ist, dass laut Vorgaben ab 2021 jeder Schüler ab der dritten Klasse mit einem mobilen Computer ausgerüstet sein soll. Auch dies wurde mit Gelächter quittiert. Aber aus der Sorge heraus, die Komponenten könnten nicht rechtzeitig vorhanden sein, oder aus der Befürchtung heraus, es könnten am Ende von Schule zu Schule massive Unterschiede in der Infrastruktur geben.

Wechsel im LSO-Präsidium: Mathias Stricker folgt auf Dagmar Rösler

Per 1. August 2019 übernimmt die LSO-Präsidentin Dagmar Rösler das Amt als Präsidentin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH). Sie wird Nachfolgerin von Beat W. Zemp, wie an der Delegiertenversammlung des LCH vom 16. Juni in Zug beschlossen worden war (wir berichteten). Rösler ist seit 2011 Präsidentin des LSO. Bildungsdirektor Remo Ankli dankte ihr in seiner Rede: «Dagmar Rösler war immer eine verlässliche Stimme.

Für Röslers Nachfolge ist bereits gesorgt: Auf die Vakanz meldete sich laut internen Angaben bisher nur eine Person: Mathias Stricker, Mitglied der Geschäftsleitung und Präsident LSO-Fraktion Primarlehrpersonen. Stricker wird somit mit hoher Wahrscheinlichkeit an der LSO-Delegiertenversammlung vom 21. November in Däniken zum neuen Präsidenten gewählt werden.

Der 50-jährige unterrichtet fünfte und sechste Klasse in Bellach. Stricker hat zudem seit 2012 einen Sitz im Kantonsrat (SP) inne und ist unter anderem in der Bildung- und Kulturkommission (Bikuko). Er ist Geschäftsleitungsmitglied der SP Kanton Solothurn für die Amtei Solothurn-Lebern sowie im Fachausschuss Bildung. Stricker ist verheiratet und hat zwei Kinder im Teenager-Alter. Er wohnt mit seiner Familie in Bettlach. (My)

Misteli stellte klar, dass die Beschaffung dieser Infrastruktur «Auswirkungen auf die Budgets von Kantonen und Gemeinden» haben werde, und dass diese Kosten keinesfalls auf die Eltern abgeschoben werden dürften. Zudem warnte er zur Vorsicht davor, in der Digitalisierung die Lösung aller Probleme zu sehen. So redeten gewisse «EDV-Euphoriker» (Anmerkung: EDV = Elektronische Datenverarbeitung) – wie Misteli sie nannte – bereits davon, dass eine entsprechende Lernsoftware quasi das Pensum der Lehrer entlasten könnte.

Die Schülerzahlen könnten so pro Klasse gesteigert werden. Und dies, ohne höhere Kosten zu verursachen, dessen seien sich die EDV-Experten sicher. Jetzt konnten sich die Lehrerinnen und Lehrer vor Lachen nicht mehr halten, worauf Misteli beipflichtete: «Genau, denn wer so argumentiert, versteht nicht, wie die Schule funktioniert. Die Klassengrösse enthält null Sparpotenzial.» Andernfalls müsse man halt wieder mal vor dem Rathaus vorstellig werden.

«Hoffentlich nicht», antwortete Bildungsdirektor Remo Ankli anschliessend in seiner Rede. «Die digitale Welt fordert uns alle. Hier gilt es, didaktisch und methodisch am Ball zu bleiben. Die Ansprüche der Gemeinden an den Kanton steigen. Die Wirtschaft muss ebenfalls in die Pflicht genommnen werden. Ich bin stets offen für Vorschläge.»

Vortrag der Herzlichkeit

Weil dauernde Reformen die Lehrerschaft so auf Trab halten, werden laut LSO wichtige Faktoren oft vergessen: «In unserem Beruf geht es auch um Herzlichkeit, Leidenschaft und Begeisterung, dies ist unser Pulsschlag», kündigte Misteli bereits im Programmheft des Lehrertages an.

Darum lud der LSO die Dozentin Mahsa Amoudadashi ein, die einst Deutschlands erste Herzlichkeitsbeauftragte innerhalb eines Konzerns war. Ihre Aufgabe sei es gewesen, ein Umfeld der Begeisterung zu schaffen, denn: «Wertschätzende Unternehmen haben mehr Erfolg.»

So schilderte sie zahlreiche Anekdoten aus ihrem Alltag als Herzlichkeitsbeauftragte.
Am Nachmittag verteilten sich die Lehrerinnen und Lehrer auf diverse Lokale der Stadt Olten, um ihre Generalversammlungen abzuhalten. Wie etwa die Solothurner WerklehrerInnen oder die Logopäden und Logopädinnen. Es fanden zudem die Fraktionsversammlungen zu fachspezifischen Themen statt.