Auch wenn der Exportboom im September etwas abgeflaut ist: Das Wachstum der ausführenden Industrie ist im Kanton Solothurn nach drei Quartalen immer noch «breit abgestützt». So schilderte die Solothurner Handelskammer die Absatzlage in der vergangenen Woche. Vor allem die Exporte nach Nordamerika gedeihen prächtig. Kein Wunder, zeichnete der Industrieverband Solothurn und Umgebung (Inveso) am Industrietag bei Schaerer AG in Zuchwil ein erfreuliches Bild der Wirtschaftslage.

Präsident Josef Maushart, CEO der Bellacher Fraisa SA, sprach von 85 Prozent der industriell tätigen Mitgliedsfirmen, die im ersten Halbjahr 2018 gegenüber dem zweiten Halbjahr 2017 stabile oder verbesserte Umsatz-, Auslastungs- und Ertragszahlen vermeldeten. Zudem würden die Aussichten trotz einer gewissen «Verlangsamung des Momentums» überwiegend positiv eingeschätzt. Das Nachfragehoch, so Maushart, sei nicht Resultat von «Masse, sondern von Klasse». Womit er auf Produkt- und Prozessinnovation gleichermassen zielte – und auf die Verzahnung der mittelständischen KMU-Industrie mit den grossen international tätigen Unternehmen.

Von der Steuervorlage 17 bis zur Selbstbestimmungsinitiative

Unschwer zu erahnen: Für die exportierende Solothurner Industrie sind intakte internationale Beziehungen existenziell. 80 Prozent der Mitgliedsfirmen erachten die Bilateralen Verträge als «wichtig bis sehr wichtig» - gerade im Umfeld der Diskussionen um ein Rahmenabkommen mit der EU, aber auch der Selbstbestimmungs- und Kündigungsinitiative. Maushart wurde deutlich: «Wir stimmen am 25. November nicht über Demokratie und schon gar nicht über fremde Richter ab, wir stimmen darüber ab, ob wir die Europäische Menschenrechtskonvention und die Bilateralen Verträge infrage stellen wollen.» Maushart warnte eindringlich: «Wenn wir der SBI zustimmen, können wir uns die Diskussion um ein Rahmenabkommen ohnehin sparen.»

Ähnlich deutlich wurde der Inveso-Präsident mit Blick auf die Steuervorlage 17. «Eine zweite Ablehnung auf nationaler Ebene darf nicht passieren», meinte er mit Verweis auf die drohende Rechtsunsicherheit insbesondere für die ausländischen Niederlassungen von Schweizer Firmen. Die Verknüpfung von Steuervorlage und AHV sei «so etwas wie eine Politik der letzten Chance». Und diese sei nicht zu vergeben: «Wenn wir national annehmen und kantonal ablehnen, gehe wertvoll Zeit verloren. Zeit, die nicht verstreichen müsse, denn: «Die Wirtschaft und die Vermögenden im Kanton haben für einen künftigen mittleren Steuersatz zeitlich unbefristete jährliche Kompensationszahlungen in Höhe von 50 Millionen Franken angeboten.» Das gebe es in keinem anderen Kanton in der Schweiz.

Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss nahm den Ball in der Folge indirekt auf. Ohne sich zur Steuervorlage 17 und zur kantonalen Umsetzung derselben zu äussern, betonte sie: «Die Bedeutung der EU und unserer Nachbarländer für unsere Wirtschaft darf nicht unterschätzt werden.» Politik und Wirtschaft müssten gemeinsame und nachhaltige Lösungen finden – gerade in einer Gesellschaft, die zwar immer mehr Informationen zur Verfügung habe, sich gleichzeitig aber auch durch zunehmende Informationsdefizite auszeichne.

Kaffeemaschinen sind heute High-Tech-Geräte

Übrigens: Dass die Schaerer AG ein gutes Beispiel für die Solothurner Standortqualitäten ist, bewies CEO Joerg Schwartze gleich selber. Er stellte den rund 100 Teilnehmern des Industrietags Struktur und Philosophie des weltweit mit 450 Mitarbeitern tätigen Unternehmens vor. Dieses gehört mit seinen drei Tochtergesellschaften in Deutschland, USA und Belgien seit 2016 als Teil der WMF Group zum Groupe SEB Konzern und ist einer der führenden Anbieter für integrale, vollautomatische Kaffee- und Milchlösungen. Das Ziel der in den vergangenen zwei Jahren in Nordamerika ebenso wie im asiatischen Raum stark gewachsenen Unternehmung ist klar: «Erste Wahl für Kaffeelösungen rund um den Globus.»

Schwartze betonte in seinen Ausführungen die Wichtigkeit des Standorts in Zuchwil ebenso wie die Internationalität der Firma, die mit 100 Partnern in 70 Ländern zusammenarbeitet. Ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen – der Durst nach Kaffee aus Schaerer-Maschinen noch lange nicht gestillt.