Nach Kritik

Kisag-Chef zum umstrittenen Deal: «Die Vebo hat keine heisse Luft gekauft»

Urs Brüngger, Kisag-Chef (Archiv)

Urs Brüngger, Kisag-Chef (Archiv)

Urs Brüngger äussert sich erstmals ausführlich zum Verkauf seiner Kisag AG. Die vornehmlich öffentlich finanzierte Behindertenwerkstätte Vebo übernahm die Firma

Die Kisag sei wirtschaftlich «supergut unterwegs», so gut, «dass ich schon fast bedaure, sie verkauft zu haben». Damit hatte Urs Brüngger die Lacher auf seiner Seite. Er war am Mittwochabend nach Oensingen gefahren, um an der Generalversammlung der Interessengemeinschaft Pro Vebo über den Verkauf seines traditionsreichen Haushaltsgeräteherstellers an die Vebo zu sprechen. Weil die Vebo als Behindertenwerkstätte zu einem schönen Teil von Beiträgen des Kantons, also des Steuerzahlers, «lebt», hatte der Deal solothurnweit für teils hitzige Diskussionen gesorgt.

«Ich konnte nicht verstehen, dass etwas Positives derart in etwas Negatives gedreht werden kann», äusserte Brüngger sein Unverständnis über die Kritik. Sogar «unlautere Machenschaften» habe man ihm als Kisag-Inhaber und den Verantwortlichen der Vebo vorgeworfen. Dabei habe er im Zug der Nachfolgelösung nichts weniger gewollt als die beste Zukunftslösung für sein Unternehmen mit dem obersten Ziel, die Arbeitsplätze zu erhalten.

Auch heute, Monate nach dem Verkauf, ist Brüngger überzeugt, «die allerbeste Lösung» getroffen zu haben. «Die Vebo hat ein Unternehmen gekauft, das über eine starke Marke und in Bellach über einen attraktiven Standort mit 7500 Quadratmeter Industrieland verfügt und nicht zuletzt ganz gut rentiert. Die Vebo hat keine heisse Luft gekauft!»

«Missverständnisse beseitigt»

Da sprach zweifellos einer, der das Herz am rechten Fleck hat und sich für seine – nicht selten langjährigen – Angestellten verantwortlich fühlt. Sollte es bei den rund 30 anwesenden IG-Mitgliedern anfänglich Zweifel bezüglich des Vebo-Kisag-Deals gegeben haben, spätestens zu diesem Zeitpunkt waren sie ausgeräumt.

Es gab Danksagungen, Gratulationen und gar eine Liebeserklärung: «Die Kisag ist eine Perle, und mit Ihren Argumenten haben Sie soeben mein Herz erobert», meinte IG-Pro-Vebo-Präsident Roberto Zanetti an die Adresse Brünggers. Zanetti stellte fest, dass Brünggers Besuch bei der IG «Fragen klargestellt und Missverständnisse beseitigt» habe. «Der Kauf der Kisag war ein sehr mutiger, unternehmerischer Entscheid. Mut, den nicht alle hier Anwesenden aufgebracht hätten.»

Es geht um Grundsätzliches

Zanetti formulierte eine Art Referenz-Frage, die sich bei ähnlich gelagerten Geschäften in Zukunft immer wieder stellen werde: «Unter welchen Gegebenheiten darf die öffentliche Hand in die Wirtschaft eingreifen?» Beim Kauf der Kisag durch die Vebo seien die Voraussetzungen gegeben gewesen. «Vielleicht war die Kommunikation des Geschäfts suboptimal», sagte Zanetti, wohl in Anspielung auf die Tatsache, dass die IG über den Deal nicht vor der Öffentlichkeit informiert worden war.

Selbstverständlich könne es für eine Institution wie die Vebo «nicht die neue Strategie sein, durch Akquisition Wachstum zu erzielen. «Aber», beantwortete Zanetti die Referenz-Frage gleich selber, «im Fall Vebo-Kisag handelt es sich tatsächlich um eine Win-win-Situation» Die geführten Diskussionen bewirkten immerhin, dass auch künftig jeder Fall genau und für sich geprüft werden müsse. Und die Tatsache, dass die Vebo «ein wenig jedem Solothurner gehört, zeigt halt, wie verbunden wir uns mit der Institution fühlen».

Zanetti stellt Nachfolgefrage

Wie lange übrigens SP-Ständerat Zanetti der IG Pro Vebo noch als Präsident verbunden sein wird, stellte er unter «Verschiedenes» in den Raum. Weil sich die Gefahren, die einer Institution wie der Vebo aus politischen Entscheiden erwachsen können, nach und nach von der eidgenössischen auf die kantonale Ebene verschoben hätten, werde er Ausschau halten nach einem Nachfolger, dem «Solothurn» näher ist als «Bern».

Zanetti wollte den Hinweis nicht als Rücktrittsankündigung verstanden wissen, wie Kisag-Chef Urs Brüngger müsse er sich rein altersmässig aber langsam mit der Nachfolge beschäftigen: «Die meisten schätzen mich 62, aber in Tat und Wahrheit bin ich schon 63.»

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