Die gute Erntesaison 2018 bestätigt Philipp Gut, Leiter der Fachstelle Spezialkulturen im Wallierhof in Riedholz. Er erklärt, dass das frostige 2017 ein wichtiger Faktor für die gute Obsternte ist. Nach einem Frostjahr bilden die Pflanzen überdurchschnittlich viele Blüten. Demzufolge ist auch der Behang gross. Auch das Wetter spielt bis jetzt mit. Im Kanton Solothurn waren nur wenige Obstbauern vom Hagel kürzlich betroffen.

Einen Nachteil bringe der Überschuss an Obst allerdings, sagt Gut. Durch das üppige Angebot sinken die Verkaufspreise. Hinzu kommen die Hausgärten, die dieses Jahr ebenfalls gut mit Obst bestückt sind. Dieser Umstand führt dazu, dass die Nachfrage sinkt und es zu noch tieferen Preisen kommt.

Wieder einmal Quitten

Andre Ziegler vom Zieglerhof in Brunnenthal im Bucheggberg zieht eine sehr positive Bilanz. Während für ihn 2017 mengenmässig ein vergleichsweise schlechtes Obstjahr war, gehört 2018 bis jetzt zu den besten. Er hofft, dass dies so bleibt. Laut Ziegler könnte höchstens extrem viel Regen oder zu viel Hitze die Obsternten, die noch folgen, negativ beeinflussen. Obwohl der Preisabfall auch ihn betrifft, ist Ziegler zufrieden. Er kann dieses Jahr sogar wieder einmal Quitten ernten. «Das ist in den letzten zwei Jahren wegen des Frosts nicht möglich gewesen.»

Auch Daniel Stüdi, der Inhaber von Stüdis Hofladen in Deitingen, ist hocherfreut über die heurige Ernte. Die tieferen Preise schmälern zwar die Freude, dennoch betont Stüdi, dass die diesjährige Ernte bis jetzt eine der grössten in den letzten 20 Jahren sei. Für ihn persönlich ist zudem besonders erfreulich, dass er die Früchte durch die Direktvermarktung in seinem Hofladen voll ausreifen lassen kann.

Herausforderung im Frühling

Eine Herausforderung in mengenmässig solch erfolgreichen Jahren sei die Ausdünnung der Früchte im Frühling, erklärt Andre Ziegler. Zu viele Früchte am Baum führen zu Qualitätsverlusten. «Die Ausdünnung erfolgt entweder chemisch oder mechanisch», ergänzt Daniel Stüdi. Danach sei allenfalls noch eine zusätzliche Ausdünnung von Hand notwendig. Bei Kirschen sei die Ausdünnung nicht nötig, nur bei Äpfeln, Birnen und einigen weiteren Früchten. Wer die Ausdünnung im Frühling unterlässt, hat beispielsweise extrem kleine Äpfel zu befürchten.

Alles geht ganz schnell

André Erni, Obstbauer in Stüsslingen, war einer der Bauern, die vom Hagel betroffen waren. Er erklärt, dass er nur bei Äpfeln und Birnen einen Witterungsschutz einsetzt. Der Hagel führte zu Schäden an Kirschen und Zwetschgen, darunter litt auch die Qualität. Der Ernte des Kernobsts sieht er zuversichtlich entgegen. Der Regen kürzlich habe den Bäumen gutgetan.

Eine weitere Besonderheit der diesjährigen Obsternte zeigt sich anhand der schnellen Kirschernte. In anderen Jahren erfolgt die Ernte gestaffelt, da nicht alle Sorten gleichzeitig reif waren, dieses Jahr waren die Kirschen fast alle gleichzeitig reif, erläutert Erni. Er erwartet auch beim Kernobst eine sehr schnelle und frühe Ernte, die dementsprechend auch schon früh zu Ende sein wird.

Einen Ausblick auf die Apfel-, Birnen- und Zwetschgenernten macht auch Konrad Vogt. Er ist der Inhaber von Vogtobst in Grenchen. Die Grösse der Früchte an den Bäumen und der grosse Behang stimmen ihn zuversichtlich. Er will jedoch den Tag nicht vor dem Abend loben, schliesslich kann das Wetter die Ernte immer noch beeinflussen. Wenn das Wetter allerdings weitermacht wie bisher, steht einer sehr guten Ernte nichts mehr im Wege.

Wie wichtig eine Ausdünnung im Frühling für die Qualität der Früchte ist, bestätigt auch Walter Gloor, Inhaber des Mostzentrums Hüniken. Er sieht das Unterlassen des Vorgangs in den Hausgärten als Problem. Viele Privatpersonen, die nicht über genügend Know-how verfügen, dünnen den Behang im Frühling nicht aus. «Der Most wird dadurch qualitativ nicht so gut sein», so Gloor. Hingegen können jene, die ausgedünnt haben, mit qualitativ sehr gutem Most rechnen.