Vorstoss

Kirschblütler: «Eindruck, dass nicht genügend sensibel ermittelt worden ist»

Verschiedene Betroffene berichten anonym davon, dass im Rahmen von Therapiesitzungen verschiedene Grenzen überschritten worden sind.

Verschiedene Betroffene berichten anonym davon, dass im Rahmen von Therapiesitzungen verschiedene Grenzen überschritten worden sind.

Im Zusammenhang mit der Kirschblüten-Gemeinschaft in Lüsslingen-Nennigkofen wurde im Solothurner Kantonsrat ein weiterer Vorstoss eingereicht. Kantonsrat Christof Schauwecker stellt kritische Fragen zu den Ärztinnen und Ärzten - die teils auch psychiatrischen Notfalldienst leisten. Jüngst wurde in solch einem Fall Kritik erhoben.

Die Ermittlungen wurden eingestellt – das wurde vergangenen September in Zusammenhang mit der Kirschblüten-Gemeinschaft in Lüsslingen-Nennigkofen vermeldet. Die Staatsanwaltschaft hatte ermittelt, ob im Rahmen von Therapien illegale Substanzen abgegeben worden waren. Diesen Januar hat SVP-Kantonsrat Rémy Wyssmann (Kriegstetten) einen Vorstoss in der Sache eingereicht. Nun folgt eine Interpellation von Kantonsrat Christof Schauwecker (Grüne, Solothurn).

«Nach Gesprächen auch mit ehemaligen Betroffenen entsteht der Eindruck, dass nicht genügend sensibel ermittelt worden ist», so Schauwecker. Und weiter: «Ich bin selbst Biokontrolleur und überprüfe Betriebe. Ich weiss aus Erfahrung, dass solche Kontrollen nur Momentaufnahmen sind – nur weil bei einer Razzia nichts gefunden worden ist, heisst das nicht, dass keine Drogen vorhanden sind.»
Deshalb stellt Schauwecker kritische Fragen zur Therapieform der Gemeinschaft, den Ärztinnen und Ärzten und den verwendeten Medikamenten.

Vorwürfe gegen den diensthabender Notfallarzt

Ein weiterer Punkt: Schauwecker will wissen, wie gerechtfertigt werde, dass Ärztinnen und Ärzte aus dem Netzwerk der Gemeinschaft psychiatrischen Notfalldienst ausüben. So berichtete der «Beobachter» im November über einen Mann aus dem Kanton, der rechtswidrig vom diensthabenden Arzt in eine Klinik eingewiesen worden sein soll – in diesem Fall Sebastian Weidenbach, Kirschblütenmitglied. Laut Dokumenten, die dieser Zeitung vorliegen, wurde der betroffene Mann nach einem Streit mit der Ehefrau, welche den Notfalldienst kontaktierte, vor Mitternacht in die Klinik eingewiesen. Der schriftliche Entscheid für diese sogenannte fürsorgerische Unterbringung lag zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor. Kurz nach 10 Uhr am Folgetag wurde der Mann zudem entlassen, weil keine «Selbst- oder Fremdgefährdung» festgestellt wurde. Der Betroffene hat eine Anzeige eingereicht; die von der Staatsanwaltschaft jedoch nicht an die Hand genommen worden ist.

Weidenbach schreibt zum konkreten Vorfall: Es habe damals eine akute Gefährdung vorgelegen – wegen eines «eskalierten Paarkonflikts». Dass sich eine solche Situation nach einer Unterbringung wieder beruhige, sei nicht erstaunlich. Und: Die Dokumente für die Fürsorgerische Unterbringung seien nach der Einweisung «umgehend» den zuständigen Stellen zugestellt worden.

Zum Vorwurf der Drogenabgabe bei der Gemeinschaft heisst es, während Therapiesitzungen würden keinerlei illegale Substanzen verabreicht. «Legale Medikamente wie Ephedrin und Ketalar» würden nur auf ärztliche Verordnung, unter ärztlicher Aufsicht und nach Absprache mit Kantonsarzt und -apotheker abgegeben. Ärztinnen und Ärzte des Netzwerks seien noch nie verurteilt oder in ihrer beruflichen Tätigkeit eingeschränkt worden; sie nähmen deshalb «selbstverständlich» am Notfalldienst teil.


Mit den kritischen Fragen, die laut Schauwecker nach wie vor offen bleiben, wird sich nun der Regierungsrat befassen.

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