Antwort

Kirschblüten-Gemeinschaft: Solothurner Regierung stellt keinerlei «Verfehlungen» fest

Der Grüne Christof Schauwecker hatte Fragen zur umstrittenen Therapieform der Psycholyse gestellt. (Archiv)

Der Grüne Christof Schauwecker hatte Fragen zur umstrittenen Therapieform der Psycholyse gestellt. (Archiv)

Die Antwort ist lang – über 15 Seiten hinweg äussert sich der Regierungsrat zur Kirschblüten-Gemeinschaft in Lüsslingen-Nennigkofen. Konkret zu Fragen, die der Grüne Kantonsrat Christof Schauwecker (Solothurn) gestellt hatte. Dies nachdem die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen die Gemeinschaft im Zusammenhang mit dem Vorwurf, während Seminaren seien illegale Substanzen abgegeben worden, vergangenes Jahr eingestellt hatte.

Konkret hatte Schauwecker Fragen zur umstrittenen Therapieform der Psycholyse gestellt, zu den Ärztinnen und Ärzten, und den Medikamenten, die während den Seminaren abgegeben werden. Fazit der Regierung: «Zum heutigen Zeitpunkt liegen keinerlei nachgewiesenen Verfehlungen von Ärztinnen und Ärzten sowie nichtärztlichen Therapeutinnen und Therapeuten aus dem Kreis der Kirschblütengemeinschaft vor.»

Bis 1993 mit LSD – später nur noch legale Substanzen

Zur umstrittenen Therapieform der Psycholyse heisst es: Von 1988 bis 1993 hätten fünf Therapeuten, darunter auch der mittlerweile verstorbene frühere Kirschblüten-Anführer Samuel Widmer, mit einer Ausnahmebewilligung des Bundesamtes für Gesundheit mit den Substanzen MDMA und LSD psycholytische Therapien durchgeführt. Rund 170 Patientinnen und Patienten seien behandelt worden. Später habe Widmer stattdessen die legalen Substanzen Ketamin und Ephedrin eingesetzt.

Diese können laut Regierungsrat «im Rahmen der therapeutischen Freiheit» bezogen werden – Mengenangaben zu den eingesetzten Substanzen gibt es deshalb nicht. Aber: Mehrere Praxiskontrollen durch das Gesundheitsamt hätten keine Anzeichen «eines übermässigen Verbrauchs», noch «eines sachfremden Einsatzes» der Substanzen ergeben. Zudem verfügten alle Ärztinnen und Ärzte des Netzwerkes über eine Berufsausübungsbewilligung.

Offizielle Richtlinien zur umstrittenen Therapieform gibt es jedoch nicht. Vertiefte Diskussionen, «ob psycholytische Behandlungen weiterhin akzeptiert werden», seien seit November 2019 auf Bundesebene im Gange, so der Regierungsrat. Sollte die Therapieform als unzulässig erklärt werden, «wird das Gesundheitsamt die Anwendung dieser Therapieform inskünftig disziplinarisch ahnden».

Zu verschiedenen aufsichtsrechtlichen Anzeigen, mit denen sich der Kanton und die Standeskommission befasst haben – für das Strafverfahren war die Staatsanwaltschaft zuständig – heisst es zudem, die Beschwerden seien jeweils «sehr vage» gewesen und hätten keine «konkreten Beweise oder substanziierte, nachprüfbare Vorwürfe von Patientinnen und Patienten» hervorgebracht.

Auch zwei Meldungen bei der Kesb blieben ohne Folgen. In einem Fall war LSD im Blut eines Jungen festgestellt worden. Diese Untersuchungen stellte die Staatsanwaltschaft im August 2019 ein. In einem zweiten Fall habe es 2017 bei der Kesb Region Solothurn mehrere, nicht näher begründete Meldungen gegeben, die mangels Substanz nicht an die Hand genommen worden waren. (nka)

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