Römisch-Katholische Synode
Kirchen müssen enger zusammenarbeiten

Die ökumenische Zusammenarbeit der Kirchgemeinden soll ausgebaut werden. Damit will der Synodalrat dem Desinteresse an der Kirche begegnen.

Elisabeth Seifert
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Alle drei Landeskirchen, die römisch-katholische, die reformierte und die christkatholische Kirche sollen enger zusammenarbeiten. Im Bild die Christkatholische Kirche in Grenchen.

Alle drei Landeskirchen, die römisch-katholische, die reformierte und die christkatholische Kirche sollen enger zusammenarbeiten. Im Bild die Christkatholische Kirche in Grenchen.

Solothurner Zeitung

«Wenn Kinder und Jugendliche den Bezug zum Christentum verlieren, führt das zum Verlust der christlichen Kultur.» Das stellte Urs Umbricht, Vertreter der römisch-katholischen Synode des Kantons Solothurn, am Donnerstag anlässlich einer Pressekonferenz in Solothurn besorgt fest. Es sei bedenklich, wenn heute Kinder nicht mehr wüssten, wer Jesus sei – und es auch nicht mehr lernen könnten, weil an etlichen Schulen der Religionsunterricht aufgrund von Personalmangel gestrichen werden muss.

Kirchen müssen zusammenrücken

«Wir müssen die christliche Kultur wieder bei den Kindern und Jugendlichen verankern», fordert Umbricht, der bei der Synode für das Ressort Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich zeichnet. Ein wichtiges Instrument dafür sei ein lebendiger Religionsunterricht, der die «Freude und die Identifikation der Kinder mit der Kirche» fördert.

Vertreter des römisch-katholischen Synodalrates (v.l.): Leo Baumgartner, Präsident Hansjörg Brunner, Urs Umbricht.

Vertreter des römisch-katholischen Synodalrates (v.l.): Leo Baumgartner, Präsident Hansjörg Brunner, Urs Umbricht.

Hansjörg Sahli

Alle drei Landeskirchen, die römisch-katholische, die reformierte und die christkatholische Kirche, stehen dabei vor ähnlichen Herausforderungen, wie Umbricht betont. «Kirchenaustritte und das Desinteresse an der kirchlichen Arbeit sind überall ein Thema.» Um der «förmlichen Verdampfung» des christlichen Erbes zu begegnen, brauche es eine engere Zusammenarbeit der drei Kirchen – auch im staatskirchlichen Bereich. Während diese interkonfessionelle Zusammenarbeit auf kantonaler Ebene im Rahmen der Siko sehr gut funktioniere, könne sie auf der Ebene der Kirchgemeinden verbessert werden.

Konkret sprechen Urs Umbricht und Synodalratspräsident Hansjörg Brunner den ökumenischen Religionsunterricht an. Brunner: «In einzelnen Gemeinden funktioniert das bereits gut, in anderen weniger.» Nur durch ein Zusammenrücken der Kirchen aber könne verhindert werden, dass der Religionsunterricht an den Schulen aufgrund personeller Engpässe längerfristig verschwindet und dem Ethikunterricht Platz macht.

Nur noch eine Kirche im Dorf?

«Verstärkt werden soll auch die ökumenisch ausgerichtete Ausbildung der Religionslehrkräfte», unterstreicht der Synodalratspräsident. Ein weiterer Aspekt sei die Öffnung der Kirchen für Anlässe der jeweils anderen Konfession, zum Beispiel bei Beerdigungen. «Längerfristig ist es fraglich, wie lange es sich die Kirchen leisten können, in den Gemeinden zwei Kirchen zu unterhalten, eine römisch-katholische und eine reformierte», hält Synodalrat Urs Umbricht durchaus provokativ fest. «Der Gebäudeunterhalt verschlingt Unsummen von Geld, die wir besser in die Jugendarbeit investieren.»

Die Zusammenarbeit der staatskirchlichen Institutionen kann freilich nicht unabhängig von der theologischen Ebene funktionieren. «Gerade im Bistum Basel sind wir bei der Ökumene auf einem sehr guten Weg», betont Hansjörg Brunner. Und die Schweizer Bischofskonferenz postuliere – wenn auch nur im Sinne eines «Fernziels» – die «vereinte Kirche».

Demokratie in der Kirche

Der römisch-katholischen Synode ist es weiter ein wichtiges Anliegen, dass die Kirchgemeinden – und damit demokratisch gewählten Institutionen – ihre starke Stellung innerhalb der Kirche bewahren. Zu den zentralen Aufgaben der Kirchgemeinden gehört die Steuerhoheit. Kritisch verfolgt die Synode denn auch Äusserungen des konservativ gesinnten Bischofs von Chur, Vitus Huonder, der solche demokratisch gewählten Einrichtungen am liebsten abschaffen würde.

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