Seit 65 Jahren verheiratet

Kirche und Verwandte verhinderten ihre Hochzeit über Monate

Da können nicht viele Menschen mithalten : Hugo und Ruth Grolimund-Strub blicken auf 65 gemeinsame Ehejahre zurück.

Da können nicht viele Menschen mithalten : Hugo und Ruth Grolimund-Strub blicken auf 65 gemeinsame Ehejahre zurück.

Hugo und Ruth Grolimund aus Balsthal mussten hart kämpfen, bevor sie sich vor 65 Jahren endlich das Ja-Wort geben durften. Was ist ihr Rezept für eine so lange dauernde Beziehung?

Die Menschen werden immer älter, aber die Ehen dauern immer weniger lang. Darüber können Hugo (86) und Ruth Grolimund (87) nur lachen. 65 Jahre sind die beiden Balsthaler jetzt verheiratet. «Unser Anfang war nicht ganz einfach», sagt Hugo Grolimund.

Die Geschichte ihrer Liebe spielt in Balsthal. Am Bahndamm wurde Ruth Strub geboren, in der Klus kam Hugo Grolimund zur Welt. Beide Familien kannten sich. Beide waren sie Einzelkinder, beide Väter waren im Aktivdienst. Und beide Mütter fuhren sonntags mit dem Velo zu den Vätern, die im Jura Grenzdienst leisteten. «Das hat auf uns abgefärbt. Irgendwann hat es uns den Ärmel reingezogen», flüstert Hugo Grolimund mit einem verschmitzten Lächeln. Im «Hirschen» in der Klus trafen sie sich, wenn es Abendunterhaltungen «unter Mitwirkung hiesiger Töchter» gab.

Der aussergewöhnliche Beginn der Beziehung hat beide angespornt

Doch bevor sie zusammenkamen, gab es Wirren. Hugo war katholisch, Ruth reformiert. Ein Unterschied, der damals Liebende auseinanderbringen konnte. Kirche und Verwandtschaft verhinderten über Monate eine Hochzeit. «Am einen Tag kam der katholische Pfarrer zu uns, am anderen Tag der reformierte», sagt Ruth Grolimund, die damals in Solothurn eine Lehre als Modistin machte. Noch bevor sie sich das Ja-Wort gaben, kam ihr Sohn zur Welt. Irgendwann hatten die beiden genug vom Warten und vom Kampf.

An einem Samstag fuhren sie mit dem Zug nach Solothurn und heirateten im Kapuzinerkloster. Ganz alleine. Es war der 28. Januar 1950. Hugo Grolimund kann sich noch ganz genau erinnern. «Als wir vom Bahnhof über die Brücke spazierten, gab es einen Schneesturm.» Zum Hochzeitsessen fuhren sie weiter nach Twann. Abends luden sie die Verwandtschaft in den «Hirschen» in der Klus. «Nur der katholische Teil kam», sagt Ruth Grolimund. «Wir waren das Dorfgeschwätz. Das hat mich belastet.» Doch der aussergewöhnliche Beginn ihrer Beziehung hat die beiden angespornt. «All denen wollten wir es zeigen», blicken sie auf 65 Ehejahre zurück.

Wir treffen die beiden zu Hause in Balsthal. Vor zehn Jahren sind sie aus ihrem Haus in eine Parterrewohnung gezogen. Die Wohnung ist hell und modern eingerichtet, es hat viele Pflanzen. Nein, den Valentinstag haben sie in 65 Ehejahren nie gefeiert. Wenn Männer damals Blumen nach Hause gebracht hätten, sagt Hugo Grolimund, dann hätten sie meist nur ein schlechtes Gewissen gehabt. Haben die beiden ein Geheimrezept, das sie verraten könnten? Nein, sagen sie unisono. Aber eines fällt am Wohnzimmertisch in Balsthal auf: Beide lachen viel, sie schauen sich oft an und sie ergänzen einander im Gespräch ohne einander dreinzureden. «Wir sind oft fröhlich», bestätigt Hugo Grolimund. «Und ich bin nie launisch, gell», sagt Ruth Grolimund und blickt zu Hugo. «Nein», sagt er. Sie schauen sich gegenseitig an.

Mit der Klus und mit der Von Roll eng verbunden

Natürlich war da auch viel Alltag in 65 Ehejahren: Gemeinsam haben sie ein Haus gebaut und zusammen haben sie drei Kinder grossgezogen. 1956 war es, als Hugo Grolimund bei der Von Roll kündigte. Schon sein Vater hatte dort gearbeitet, ebenso seine sechs Onkel, er war im FC Klus, die junge Familie wohnte in einer Von-Roll-Wohnung. Viele hatten das damals nicht verstanden, doch er wurde Versicherungsagent bei der Mobiliar. Nach der Kündigung musste die kleine Familie die Wohnung auf einen Schlag verlassen – ohne Kündigungsfrist.

745 Franken war damals sein Monatslohn, 85 Franken machte die Miete aus. «5 Franken Mieterhöhung machten uns damals Angst», sagt Ruth Grolimund, die in den ersten Jahren ein eigenes Atelier als Hutmacherin betrieb. Doch Hugo Grolimunds Wechsel zahlte sich aus: 40 Jahre, sein ganzes berufliches Leben, blieb er bei der Mobiliar. Und nicht nur seiner Frau und seinem Arbeitgeber blieb er über Jahrzehnte verbunden: Seit 60 Jahren hat er die Solothurner Zeitung abonniert und 30 Jahre war er in der Balsthaler Vormundschaftsbehörde.

«Und schaffen musstest du ja auch noch»

Hugo Grolimund hat vieles angepackt: Er war Präsident des FC, er war Präsident der Vormundschaftsbehörde, war Gemeinderat und Bürgergemeindepräsident – inzwischen ist er Balsthaler Ehrenbürger. «Ohne meine Frau hätte ich das alles nicht gekonnt», sagt er. «Jetzt können sie denken, wie oft er zu Hause war. Er war in jedem Verein», sagt Ruth Grolimund. Sie sagt das nicht etwa bitter. Nein, sie schaut ihren Mann freundlich an und sagt liebevoll: «Und schaffen musstest du ja auch noch.» Ruth Grolimund hatte ihre Rolle zu Hause. Sie kümmerte sich um die Kinder. Als die Zeitung vor wenigen Tagen anfragte, gab Ruth Grolimund das Telefon an ihren Mann weiter. Er soll entscheiden, ob sie mitmachen. Ihre Rollenaufteilung war klassisch. Und beide waren damit zufrieden. Städteflüge waren ihr Hobby, einmal waren sie einige Wochen in Costa Rica.

Gab es auch Streit? Hugo Grolimund spricht von «ein, zwei Tagen täubbelen», das es manchmal gegeben habe. Aber ernsthaft wurden die Probleme noch nie. Sie beide stammen aus einer Generation, die «auch in struben Zeiten den Löffel nicht sofort wegrührt». – «Nein, an eine Trennung haben wir wirklich nie gedacht. Das war in unserer Generation auch nicht Mode.»

Eine Stunde ist vergangen. «Wahnsinnig, was wir erlebt haben», blickt Ruth Grolimund auf das Gespräch zurück. Ein wenig Stolz scheint in den Augen der beiden aufzublitzen, wenn sie erzählen, dass längstens nicht alle Bekannten wissen, wie viele Jahre es für eine eiserne Hochzeit braucht. Ihren 60. und ihren 65. Hochzeitstag haben sie mit einem grossen Fest gefeiert. Zum 70-Jahr-Jubiläum soll das wieder genau gleich sein. Zweifel haben sie da nicht.

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